Energiepolitik

FDP befürchtet: Kraftwerk Wedel wird länger laufen

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Das Kraftwerk Wedel, hier schon mit der daneben geplanten Power-to-Heat-Anlage.

Das Kraftwerk Wedel, hier schon mit der daneben geplanten Power-to-Heat-Anlage.

Foto: Wärme Hamburg

Hamburger Liberale glauben an Weiterbetrieb der „Dreckschleuder“ Wedel wegen der Stilllegung des Kraftwerks Moorburg.

Hamburg. Als Betreiber Vattenfall im Dezember die Stilllegung des Steinkohlekraftwerks Moorburg nach nur fünf Jahren Laufzeit bekannt gab, begrüßte Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) den Schritt überschwänglich: „Es ist für den Klimaschutz eine gute Nachricht, wenn es jetzt deutlich früher vom Netz geht als ursprünglich geplant.“ Die Zweifel aber wachsen, ob der Klimaschutz wirklich profitiert. Denn wegen der Stilllegung in Moorburg dürfte das deutlich ältere Kohlekraftwerk in Wedel länger laufen. Das zumindest befürchtet der FDP-Bundestagsabgeordnete Wieland Schinnenburg, der eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung gestellt hat.

„Die Antworten zeigen, dass die dauerhafte Abschaltung des Kraftwerks Moorburg noch nicht endgültig besiegelt ist und dass das dreckige Kraftwerk Wedel noch länger in Betrieb bleiben muss“, kritisiert Schinnenburg. Im März werden die Übertragungsnetzbetreiber ihre Analyse zur Bestimmung des Netzreservebedarfs für den kommenden Winter vorlegen. Darin ist die Stilllegung des Kernkraftwerks Brokdorf berücksichtigt. Sollte das Kraftwerk Moorburg systemrelevant sein, wird es in die Netzreserve überführt.

Konkrete Planungen für ein Ersatzkraftwerk existieren nicht

„Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass Kraftwerke im nördlichen Teil Deutschlands bislang nicht als systemrelevant eingestuft wurden“, heißt es in der Antwort an Schinnenburg. Auf Wedel geht die Bundesregierung nicht ein, verweist aber auf zwei Kraftwerksprojekte in der Metropolregion, die insgesamt 410 MW Leistung (Moorburg: 2x800 MW) erbringen und bis zum Jahr 2025 in Betrieb gehen sollen. Diese Projekte befänden sich allerdings „in einem sehr frühen Planungsstadium“ und könnten verworfen werden.

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„Die Abschaltung des modernen Kraftwerks Moorburg ist ein energiepolitischer Schildbürgerstreich, den Umweltsenator Kerstan durch die Verhinderung der Fernwärmeproduktion in Moorburg zu verantworten hat. Stattdessen wird das Kraftwerk Wedel weiterbetrieben, das bei der Produktion pro Kilowattstunde 77 Prozent mehr CO2 ausstößt als Moorburg“, kritisiert Schinnenburg.

„Konkrete Planungen für ein Ersatzkraftwerk existieren nicht, Wedel wird also auch nach 2025 am Netz bleiben müssen.“ Der FDP-Politiker fordert Netzbetreiber und Netzagentur auf, sorgfältig zu prüfen, ob das Kraftwerk Moorburg systemrelevant ist und zur Gewährleistung der Netzstabilität benötigt wird.“