Energiepolitik

CDU: Weiterbetrieb des Kraftwerks Wedel ist „absurd“

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Das Kraftwerk Wedel, hier schon mit der daneben geplanten Power-to-Heat-Anlage.

Das Kraftwerk Wedel, hier schon mit der daneben geplanten Power-to-Heat-Anlage.

Foto: Wärme Hamburg

Es hagelt Kritik an der Entscheidung. Im Zusammenhang werfen Gegner Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan Überforderung vor.

Wedel. Nach der Entscheidung über die geplante Stilllegung des Hamburger Kohlekraftwerks Moorburg im Jahr 2021 hagelt es Kritik, weil das „älteste und dreckigste Kraftwerk der Republik“ in Wedel trotzdem wie beabsichtigt bis 2025 weiterlaufen soll. Vor allem die CDU ließ kein gutes Haar an der Entscheidung, das moderne Vattenfall-Kraftwerk abzuschalten, während die Hamburg Wärme GmbH den alten Meiler in Wedel weiter betreibt.

Schon der Hamburger CDU-Umweltpolitiker Stephan Gamm sprach von einem „klimapolitischen Pyrrhussieg“, denn Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) sei „seit Jahren mit der Aufgabe überfordert, das älteste und dreckigste Kohlekraft Deutschlands in Wedel abzuschalten“. Stattdessen feiere er sich nun „für die Stilllegung des effizientesten und saubersten Kraftwerkes Europas“.

Moorburg hätte bis 2038 laufen sollen

Auch Lukas Kilian, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion in Kiel, äußerte sich ähnlich:„Der schwedische Betreiber Vattenfall streicht für das Kraftwerk Moorburg in Hamburg, einem der modernsten und effizientesten Kohlekraftwerke in Deutschland, eine Stilllegungsprämie, während Hamburg gleichzeitig eines der schmutzigsten Kohlekraftwerke weiter betreibt: Wedel.“

Das sei „absurd“, so Kilian. Moorburg hätte bis 2038 laufen sollen, Wedel sei bekanntermaßen eine Dreckschleuder. Die Landes-CDU fordere schon lange, das „Uralt-Kraftwerk in Wedel abzuschalten“, das jährlich „mit 1,4 Millionen Tonnen Kohlendioxid die Luft verpestet“. Kilian: „Wir brauchen einen verbindlichen Abschalttermin für Wedel von Hamburg! Die Abschaltung des Kraftwerks Moorburg ist zwar eine tolle Nachricht für den Klimaschutz. Leider ist es aber die teuerste und unsinnigste Lösung in der Region.“

Die CDU-Wahlkreisabgeordnete für Wedel, Barbara Ostmeier, schlug in die gleiche Kerbe: „Die Abschaltung Moorburgs ist richtig, nur die Reihenfolge ist falsch. Der rot-grüne Senat in Hamburg hat seine Hausaufgaben im Klimaschutz wieder nur an Überschriften und nicht an Tatsachen ausgerichtet. Wer sich für die Abschaltung von Moorburg feiern lässt, der verschrottet auch einen Neuwagen, um dann in einem Trabbi zu steigen.“

Eilklage der Bürgerinitiative noch nicht behandelt

Ostmeier will das Thema im Ausschuss für norddeutsche Zusammenarbeit auf die Tagesordnung setzen lassen. Denn Schleswig-Holstein müsse den Druck auf Hamburg erhöhen. „Eine Abschaltung der Dreckschleuder ist überfällig!“, so Ostmeier weiter.

Das sieht auch die Bürgerinitiative in Wedel so, deren Eilklage auf Stilllegung des Meilers auch ein halbes Jahr nach deren Einreichung noch nicht behandelt wurde. Sprecherin Kerstin Lueckow: „Wir werden weiter kurzfristig gegen den Betrieb des Kraftwerks Wedel vorgehen.“ Bis dahin, so Lueckow, müssen wir selbst für unseren eigenen Schutz sorgen“.

Wie berichtet, klagen Anwohner seit Jahren über ätzende Flugasche aus dem benachbarten Kraftwerk. Bekanntlich gehörte auch das Kraftwerk Wedel bis 2019 Vattenfall, danach wurde es von Hamburg gekauft. Seitdem ist die Stadt Alleineigentümer des in den 60er-Jahren gebauten Kraftwerk-Dinos. Die frühzeitige Abschaltung des 18 Kilometer entfernten modernen Meilers macht eine Entscheidung der Bundesnetzagentur möglich. Sie gab im ersten Auktionsverfahren den Zuschlag zur Reduzierung der dortigen Steinkohleverstromung.

( nib )

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