Hamburg

Westhagemann – was der neue Wirtschaftssenator anpacken will

Der künftige Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (l.) und sein Vorgänger Frank Horch.

Der künftige Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (l.) und sein Vorgänger Frank Horch.

Foto: Michael Rauhe

Drei Themen stehen beim Nachfolger von Frank Horch im Vordergrund. Warum auch die Grünen Gefallen an Michael Westhagemann finden.

Hamburg. Michael Westhagemann soll neuer Wirtschaftssenator in Hamburg werden. Das hat Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) am frühen Abend bekannt geben und damit eine Vorabmeldung des Abendblatts bestätigt. Westhagemann folgt auf Frank Horch, der das Amt seit 2011 bekleidet und sich nun zurückzieht, um sich um seine kranke Ehefrau kümmern zu können. Am Donnerstag soll der neue Senator in der Bürgerschaft gewählt werden.

„Ich bin überzeugt, dass das eine sehr gute Nachfolge für Frank Horch darstellt“, sagte Tschentscher in der Lindley-Berufsschule in Eimsbüttel – dort hatte sich Westhagemann zuvor dem SPD-Landesvorstand und der SPD-Bürgerschaftsfraktion vorgestellt.

"Kompetenz bei Digitalisierung und Energiewende"

„Auch Michael Westhagemann ist parteilos, ist ein Mann der Wirtschaft, ein Manager, der Hamburg bestens kennt, der bestens vernetzt ist in der Welt der Wirtschaft, der alle Belange der Wirtschaft, der Industrie, des Hafens sehr genau kennt“, sagte Tschentscher. Westhagemann kenne aber „auch die Anforderungen der Zukunft“, so der Bürgermeister, der seinem neuen Senator „eine starke Kompetenz im Bereich Digitalisierung und Energiewende“ bescheinigte.

Der frühere Siemens-Manager Michael Westhagemann wird neuer Wirtschaftssenator – eine gute Wahl?

Der Informatiker Westhagemann hatte unter anderem viele Jahre die Siemens-Niederlassung Hamburg geleitet und vor dort aus das Windkraftgeschäft des Konzerns verantwortet – dieses Engagement für erneuerbare Energien macht ihn auch den Grünen sympathisch, die zusammen mit der SPD regieren. „Michael Westhagemann ist ein Wirtschaftsfachmann, wie er im Buche steht. Er kennt alle relevanten Themen aus dem Effeff, ist extrem gut vernetzt und denkt zukünftige Entwicklungen stets mit“, sagte Grünen-Fraktionschef Anjes Tjarks. „Dass er als ehemaliger Siemens-Manager auch den Bereich Windkraft in seinem Verantwortungsbereich hatte, freut uns Grüne natürlich besonders. Und es zeigt, dass Westhagemann auch in Sachen Energiewende voll in der Materie steckt.

Drei Themen im Fokus von Westhagemann

Außerdem war Westhagemann Vizepräsident der Handelskammer und Vorstandsvorsitzender des Industrieverbandes Hamburg. 2017 hatte er sich als Wirtschaftsberater selbstständig gemacht. Er freue sich auf die neue Herausforderung, sagte der künftige Senator am Montagabend und nannte drei Themen, die er besonders im Blick haben werde: „Die Weiterentwicklung im Hafen, die Weiterentwicklung im Bereich der Energiesysteme und die intensivere Zusammenarbeit mit der Wissenschaft.“

Horch hatte seinen Rückzug Anfang September angekündigt. „Jetzt ist der Zeitpunkt da, zu erkennen, dass mein Privatleben nicht länger mit dem Amt vereinbar ist“, sagte der 70-Jährige damals. „Der Spagat zwischen familiärer Verpflichtung und Beruf ist inzwischen so intensiv, dass es für mich nicht mehr leistbar sein wird.“ Bis ein Nachfolger gefunden sei, längstens aber bis Ende des Jahres, stehe er noch zur Verfügung, so Horch.

Standing Ovations für Frank Horch

Am Montagabend zeigte er sich sehr zufrieden mit seinem Nachfolger: „Ich bin froh, dass wir mit Michael Westhagemann einen Nachfolger gefunden haben, der 15 Jahre mit mir intensivst zusammenarbeitet. Ich habe in ihn höchstes Vertrauen.“ Tschentscher dankte Horch für seine siebeneinhalb Jahre im Senat und berichtete, die Parteigremien hätten dem scheidenden Senator stehend applaudiert. Horch hinterlasse „eine große Lücke“.

Westhagemann war schon früh – neben dem ehemaligen Bahn-Chef Rüdiger Grube – als möglicher Nachfolger gehandelt worden. Schließlich passten beide perfekt ins Anforderungsprofil: Wirtschaftsfachleute, die Hamburg gut kennen, keine „Parteilösung“ – wie Horch selbst, der vor dem Wechsel in den Senat Präses der Handelskammer und zuvor Manager beim Schiffbauer Blohm + Voss war.

Im Prinzip suche man ein Modell „Horch 2.0“, hieß es immer aus Regierungskreisen. Doch Mitte September sagten beide Favoriten ab: „Ich stehe nicht zur Verfügung“, sagte Westhagemann damals dem Abendblatt. Am Montag erklärte der 61-Jährige seine damalige Absage so: „Das musste ich tun, weil ich ja erstmal mit meiner Frau und meinen Töchtern sprechen musste.“ Als dann der Anruf des Bürgermeistre kam, habe er sich gefreut.

Einen neuen Zuschnitt der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI) wird es übrigens nicht geben. Nachdem zwischenzeitlich überlegt worden war, den Bereich Verkehr herauszulösen und einer anderen Behörde zuzuschlagen, bleibt nach Informationen des Abendblatts nun alles wie gehabt.

Opposition: Hamburg gegen den Abschwung rüsten!

In einer ersten Reaktion begrüßten die Vorsitzenden der FDP-Bürgerschaftsfraktion, Anna von Treuenfels-Frowein und Michael Kruse, die anstehende Neubesetzung im Senat: „Mit Michael Westhagemann wird ein erfahrener Manager Wirtschafts- und Verkehrssenator. Wir wünschen ihm viel Erfolg dabei, die Hamburger Wirtschaft gegen den anstehenden Abschwung zu rüsten und den Verkehr in der Stadt endlich zum Fließen zu bringen. Leicht wird es für Westhagemann nicht, diese Ziele gegen den selbstbewussten Koalitionspartner durchzusetzen. Ein Jahr ist dafür wenig Zeit.“

CDU-Fraktionschef André Trepoll beglückwünschte Westhagemann zu seiner neuen Aufgabe: „Es ist ehrenwert, dass er sich mit seiner Erfahrung bis zur nächsten Wahl in den Dienst Hamburgs stellt und die schwierige Suche des Bürgermeisters nach einem Nachfolger damit beendet. Aus unserer gemeinsamen Zusammenarbeit weiß ich, wofür er politisch inhaltlich steht. Rückenwind für den Hafen und endlich eine sinnvolle Verkehrspolitik sind die ersten Themen, die er angehen muss. Eine unter Rot-Grün sicherlich nicht einfache Herausforderung."