Energiewende

Zu viel Ökostrom – der Norden könnte mehr Länder versorgen

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Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) bei der gemeinsamen Kabinettssitzung beider Länder am Dienstag

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) bei der gemeinsamen Kabinettssitzung beider Länder am Dienstag

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Regierungschefs Günther und Tschentscher wollen Hamburg und Schleswig-Holstein ab 2035 komplett mit Ökostrom versorgen.

Hamburg. Der Norden macht bei der Energiewende weiter Druck: Hamburg und Schleswig-Holstein haben sich zu dem Ziel bekannt, ihre Länder „bis 2035 zu 100 Prozent sicher und kostengünstig mit regenerativem Strom zu versorgen“. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Sitzung der beiden Landesregierungen am Dienstag im Hamburger Rathaus.

Wie Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sagte, könne sich sein Land schon jetzt vollständig mit Ökostrom – vor allem aus Windkraft – versorgen. Was aber fehle, seien die die Netze, um den Strom auch in jedem Winkel des Landes – oder eben in Hamburg – verbrauchen zu können. Häufig müssten die Anlagen sogar abgeschaltet werden, weil die Energie nicht abgenommen oder weitertransportiert werden könne. Daher vereinbarten beide Länder eine „gemeinsame Entwicklungsplanung für Stromnetze“.

Tschentscher: "Gottseidank gehört uns Moorburg nicht"

Wenn die entsprechende Infrastruktur vorhanden wäre, könnte Hamburg auf jeden Fall 2035 komplett regenerativ versorgt werden, sagte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). Dennoch sei das Ziel „ambitioniert“, Günther nannte es „ehrgeizig“. Unter anderem müsse ein Konzept entwickelt werden, wie das veraltete Kohlekraftwerk Wedel, das in einigen Jahren vom Netz genommen werden soll, ersetzt werden könne. Bei allen Fragen gehe es zudem nicht nur darum, dass die Energieerzeugung klimafreundlicher werde, sondern auch, dass sie bezahlbar bleibe, betonte Tschentscher.

Auf die Frage, was ab 2035 aus dem riesigen und derzeit noch fast neuen Kohlekraftwerk Moorburg werde, sagte Tschentscher. „Wir sind ja Gott sei Dank nicht diejenigen, denen das Kraftwerk gehört, und die diese betriebswirtschaftlichen Überlegungen anstellen müssen.“ Das Kraftwerk gehöre Vattenfall, und der schwedische Staatskonzern müsse daher auch entscheiden, wie lange er es betreibe. Der Bürgermeister, der erst am Montag in Malmö zu Besuch war, verwies allerdings darauf, dass Schweden ja auch aus fossiler Energieproduktion aussteigen wolle.