Hochhaus auf St. Pauli

Mieter stellen Strafantrag wegen Asbests

Die Mieter des Niebuhr-Hochhauses an der Reeperbahn erheben schwere Vorwürfe: Trotz Asbest würden ungeschützt Umbauten ausgeführt.

St. Pauli. Schwere Vorwürfe erheben Mieter des Niebuhr-Hochhauses an der Reeperbahn 157: In dem Haus würden ungeschützt Umbauten ausgeführt, obwohl dort Asbest nachgewiesen worden sei. Weiterhin würde der Eigentümer, die Excelsior Immobilien GmbH & Co Kg aus Bad Oldesloe, Wohnungen verkaufen, ohne im Kaufvertrag auf Asbest hinzuweisen. Mieter haben gestern Strafanzeigen wegen Körperverletzung gegen unbekannt gestellt und forderten einen sofortigen Baustopp.

Weiterhin wurde eine einstweilige Verfügung beim Verwaltungsgericht beantragt, um die Sanierungs- und Renovierungsarbeiten zu stoppen. "Das Gericht hat dem Bezirk Mitte Zeit für eine Stellungnahme eingeräumt", schreibt der Verein Gemeinwesenarbeit St. Pauli (GWA).

"Alle wissen vom Asbest, keiner handelt", heißt es von der GWA. "Trotz dieses Wissens gehen die Arbeiten ohne Schutzvorkehrungen an neun der 30 leer stehenden Wohnungen weiter."

Mieter haben im September Proben bei einem Fachlabor untersuchen lassen. "Nach dem erbrachten Nachweis der Asbestbelastung wurde durch den Eigentümer Excelsior lapidar mitgeteilt, dass das Objekt asbestbelastet sei", schreibt ein Mieter. Die asbesthaltigen Baumaterialien würden durch den Mieterfahrstuhl transportiert, um sie mit einem polnischen Autoanhänger abzutransportieren.

Das 1971 erbaute und 16-geschossige Haus hat nach Mitteilung einer Mieterinitiative 150 Wohneinheiten, die als Eigentumswohnungen vermarktet werden sollen. Das Gebäude steht auf einem 4600 Quadratmeter großen Grundstück. Einer der Neueigentümer hat sich der Initiative angeschlossen und daraufhin im Fußboden der Wohnung durch einen Test Asbest nachgewiesen. "Ohne die Initiative wären die Fußbodenplatten entfernt und Asbest freigesetzt worden", teilt einer der Mieter mit, der seinen Namen nicht nennen möchte, weil er vor dem Haus von Unbekannten bedroht worden sei. "Ich hatte Angst", sagte er.

Der Bezirk Mitte erklärte, nicht zuständig zu sein. "Das Amt für Arbeitsschutz ist aber tätig", sagt Bezirkschef Markus Schreiber. Die Firma Excelsior war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.