Bundesrat

Senatsbeschluss: Elefanten im Zirkus verbieten

Der Hamburger Senat beschließt Bundesratsinitiative, die das Halten von wilden Tieren wie Affen oder Elefanten im Zirkus verbieten soll.

Hamburg. Die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Morgen soll zur ersten Vorstellung alles fertig sein. Der nach eigenen Angaben größte Zirkus Europas, der Circus Krone , baut seine Manege auf dem Heiligengeistfeld auf. Doch aus dem Rathaus sind keine Willkommensgrüße zu hören. Im Gegenteil. Pünktlich zum Start der Vorstellungen präsentiert der Senat einen Beschluss, sich im Bundesrat für ein bundesweites Haltungsverbot von Wildtieren in Zirkussen einzusetzen. Ein herzlicher Empfang sieht anders aus.

Affen, Elefanten, Großbären, Giraffen, Nashörner und Flusspferde hat der Senat dabei im Auge. "Weil gerade diese Tierarten über einen ausgeprägten körperlichen Bewegungsdrang und über ein hochentwickeltes Sozialverhalten verfügen", heißt es in der Begründung des Beschlusses. "Bestimmte wild lebende Tiere in Zirkussen artgerecht zu halten ist schon aufgrund der Mobilität der Betriebe kaum möglich. Durch die engen Käfige oder Fahrt-, Auf- und Abbauzeiten fehlt den Tieren die artgerechte Bewegung", sagt Verbraucherschutzsenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD). "Den daraus entstehenden Leiden der Tiere, wie auch Erkrankungen oder Verhaltensstörungen, können wir nur durch ein generelles bundesweites Haltungsverbot entgegentreten. Niemand möchte Kindern oder Erwachsenen den Spaß am Zirkus nehmen, aber Zirkus kann auch ohne Elefanten oder Affen ein Erlebnis sein."

+++ Zirkusnummer des Senats +++

+++ In Hamburg verletzter Dompteur startet eigenen Zirkus +++

+++ Pagels Dinner-Zirkus gibt nach Tiger-Attacke auf +++

Im Circus Krone leben und arbeiten je ein Flusspferd und ein Nashorn sowie sieben Elefanten. Unternehmenssprecher Frank Keller hält das Vorhaben des Senats für untragbar. "Wir haben diese Diskussion schon mehrmals gehabt", sagt er. "Im Circus Krone werden alle Leitlinien über die Haltung für Zirkustiere erfüllt, wenn nicht übertroffen." Keller betont außerdem, dass das Unternehmen ein "Seniorenheim" für ältere Tiere des Zirkusses in München unterhalte. Während der Tournee seien zwei Tierärzte dabei.

An jedem Standort untersuche ein ortsansässiger Veterinär den Zustand der Tiere und deren Haltung. Auch in Hamburg würden die Tiere vor der morgigen Premiere untersucht. Keller kritisiert zudem die Verwendung des Begriffs "Wildtiere". Viele der im Circus Krone lebenden Tiere lebten dort bereits in der 13. Generation. Daher seien es aus seiner Sicht auch keine Wildtiere mehr. "Wir grenzen die Tiere auch nicht in ihrem Bewegungsdrang ein", betont er. "Die Tiere werden sowohl körperlich als auch mental gefördert."

Lisa Monkau, Sprecherin des Hamburger Tierschutzvereins, begrüßt dagegen den Senatsbeschluss zur Bundesratsinitiative. "Eine artgerechte Haltung in Zirkussen ist nicht möglich", sagt sie. "Wildtiere bleiben wild. Egal, wie oft man irgendwelche schönen Schmusefotos zeigt." Zudem seien Kunststücke, etwa der Kopfstand von Elefanten, nicht natürlich und würden den Tieren unter Zwang abverlangt.

Martin Schäfer, Fachsprecher für Gesundheit und Verbraucherschutz der SPD, hatte im Mai dieses Jahres mit weiteren Fraktionskollegen einen entsprechenden Antrag in die Bürgerschaft eingebracht. "Es ist gut, dass der Senat das jetzt auf den Weg bringt." Unterstützung erfährt er von den Linken. So sagt die Bürgerschaftsabgeordnete Kersten Artus, dass sie die geplante Bundesratsinitiative befürworten würde. "Der Stress, den die Tiere durch die Reisen und Auftritte erleiden, muss beendet werden." Wer wilde Tiere sehen wolle, der sollen den Fernseher einschalten. "Ich fordere: 'Kein Applaus für Wildtiere'. Das sage ich all jenen, die in die Vorstellung gehen", so Artus. Darüber hinaus gebe es genügend Zirkusse, die keine Tiere im Programm hätten.

Von großem Erfolg dürfte der Hamburger Vorstoß allerdings nicht gekrönt werden. Eine entsprechende Initiative wurde bereits im Jahr 2003 im Bundesrat gestartet - im Übrigen mit Zustimmung der Hansestadt. Die Bundesregierung ist der Bitte, eine Rechtsverordnung zu erlassen, aber nicht nachgekommen. Und auch heute stehen die Signale aus Berlin nicht auf Zustimmung. Zwar stellte die Haltung von Tieren in Zirkussen eine besondere Herausforderung dar, heißt es im Bundesverbraucherschutzministerium. "Ein Verbot der Wildtierhaltung in Zirkussen würde jedoch einen Eingriff in Grundrechte der Berufs- und Eigentumsfreiheit darstellen, die im Grundgesetz verankert sind."

Vielmehr setzt das Ministerium auf das 2008 eingeführte Instrument mit dem Namen "Zirkusregisterverordnung". Damit sollen die zuständigen Behörden Zirkustiere registrieren und deren Haltung überprüfen. Und so sind in Hamburg nicht alle Fraktionen für die Bundesratsinitiative. "Man sollte die Wirkung des Registers erst einmal abwarten, bevor mit weiteren Regulierungsversuchen vorgeprescht wird", sagt Carl Jarchow (FDP). Und auch Dennis Thering (CDU) befürchtet bei einem Verbot die "Existenzgefahr" für Zirkusbetreiber. "Aus unserer Sicht gehen die großen Zirkusse verantwortungsvoll mit ihren Tieren um."