Dulsberg

Kopftuchstreit: CDU will politische Lösung

Foto: Marcelo Hernandez

Walter Scheuerl kritisiert das Vorgehen der Schulbehörde. Konferenz von Lehrern und Schulaufsicht in Dulsberg verläuft ergebnislos.

Hamburg. Politiker der CDU- und FDP-Fraktion kritisieren das Vorgehen der Schulbehörde, die den Fall der Aushilfslehrerin im Hijab schulintern klären möchte. "Die Frage muss vor die Bürgerschaft kommen", sagt Walter Scheuerl, Bürgerschaftsabgeordneter der CDU-Fraktion. Er fordert eine Änderung des Schulgesetzes. "Es kann nicht sein, dass der Schulsenator sich einfach hinter den Schulleitern versteckt. Damit überlässt er die Diskussion den Stammtischparolen."

Lehrer der Stadtteilschule Alter Teichweg hatten kritisiert, dass der Hijab - ein Kopftuch mit weitem Gewand - im Unterricht ein falsches Frauenbild vermittle und die Neutralität der Schule gefährde. Gestern hatte die Schulleitung Lehrer und Vertreter der Schulaufsicht zum Gespräch geladen. Zwei Stunden lang wurde diskutiert. Ein konkretes Ergebnis gab es nicht. Für den schulpolitischen Sprecher der CDU, Robert Heinemann, ist das ein klarer Hinweis, dass die Schulbehörde tätig werden muss: "Es ist doch nicht die Aufgabe von Lehrern, über eine Kollegin zu urteilen. Über eine solche Frage kann man nicht einfach das Kollegium abstimmen lassen." Es sei Sache der Behörde, Stellung zu beziehen und klare rechtliche Vorgaben zu erlassen.

+++ Kein Kopftuch in der Klasse +++

+++ Streit um Hamburger Lehrerin mit Kopftuch +++

+++ Lehrer kritisiert Kopftuch tragende Kollegin +++

Auch die Liberalen kritisieren das Vorgehen der Behörde: "Schulsenator Rabe sollte sich der Debatte um die Unterrichtung im Hijab nicht einfach entziehen", sagt die FDP-Schulexpertin Anna von Treuenfels. Es gehe grundsätzlich um die Trennung von Religion und Staat. "Das ist eine Frage, die einer politischen Entscheidung bedarf."

Die Schulbehörde jedoch möchte abwarten, wie sich die Dinge im Kollegium entwickeln. "Wir sehen derzeit keinen Handlungsbedarf", sagt Behördensprecher Peter Albrecht. "Erst einmal müssen sich die Lehrer beraten. Dann werden wir sehen, ob weitere Schritte nötig sind." Bis zum 31. Oktober hat die junge Lehrerin, die Englisch und Spanisch unterrichtet, noch einen Vertrag an der Schule. Wenn keine schnelle Lösung gefunden werde, so Albrecht, könnte sie diesen auch erfüllen, ohne dass sie vor Klassen unterrichte. Gegebenenfalls werde man auch vonseiten der Behörde das Gespräch mit ihr suchen. Die Zusage für ein Referendariat im November hat sie schon. "Da sie dort anfangs nicht unterrichtet, haben wir aber noch Zeit, die Sache zu klären."

Die GAL, Die Linke und die SPD begrüßen das Vorgehen der Schulbehörde. "Ich bin sehr froh über die Entscheidung, die Sache der Schule zu überlassen", sagt Christiane Schneider (Linke). Ähnlich sieht es die GAL: "Momentan gibt es keinen anderen Weg", sagt die schulpolitische Sprecherin Stefanie von Berg. "Kollegium, Eltern und Lehrer müssen eine Lösung finden." Auch Lars Holster (SPD) sieht keinen Handlungsbedarf: "Die Schule muss sich erst einmal intern damit beschäftigen."

Nach Informationen des Abendblatts ist eine Lösung des Konflikts nicht in Sicht. Die junge Frau habe schon erklärt, auch in Zukunft nicht auf den Hijab verzichten zu wollen.