Elbphilharmonie

ReGe-Chef: "Rechnen mit 100 Millionen Euro Nachforderungen"

Die Bauzeit für die Elbphilharmonie verlängert sich massiv. Hochtief fordert mehr Geld von der Stadt. Panne an der Außenfassade stoppt Bau.

Hamburg. Die Hiobsbotschaften beim Bau der Hamburger Elbphilharmonie reißen nicht ab. So verlangt Hochtief von der Stadt Hamburg noch einmal mehr Geld für den Bau des Konzerthauses. "Verzögerungen kosten Geld“, sagte ein Sprecher des Baukonzerns am Dienstag der dpa. Wie hoch diese Nachforderungen sein werden, ist noch unklar. "Wir rechnen mit einem Betrag von etwa 100 Millionen Euro“, so der Geschäftsführer der städtischen Realisierungsgesellschaft (ReGe), Heribert Leutner. Diese Summe wollte Hochtief aber nicht bestätigen. Ein entsprechender Forderungskatalog des Baukonzerns soll in Kürze vorliegen.

Die Mehrkosten gehen aus der Verlängerung der Bauzeit hervor. Ursprünglich sollte das Jahrhundertbauwerk 2010 eröffnet werden. Es folgte die erste Verschiebung auf 2012. Vor einigen Wochen nannte Hochtief April 2014 als möglichen Termin. Doch bereits damals hatte sich der Konzern weitere Verschiebungen offengehalten. Die Stadt lässt derzeit juristisch prüfen, wer für die Verzögerung verantwortlich ist. Die öffentlichen Kosten, anfangs mit 114 Millionen Euro beziffert, lagen zuletzt bei mindestens 323 Millionen Euro.

Dabei hatte das künftige Wahrzeichen der Hansestadt erst am Wochenende wieder für neuen Ärger und sogar zu einem partiellen Baustopp gesorgt. Hintergrund ist eine Planungspanne bei der Dach- und Fensterkonstruktion. So fehlten die technischen Voraussetzungen für das Reinigen der gewölbten Fensterelemente in bis zu 110 Metern Höhe. Die Arbeiten an der Fassade wurden erst einmal eingestellt.

+++ Elbphilharmonie: Es kann noch später werden +++

Die Probleme sind offenbar hausgemacht. Denn eine ursprüngliche Befahrungsanlage für das Reinigungspersonal, das mit etwa vier Millionen zu Buche geschlagen hätte, wurde aus Kostengründen abgelehnt. Stattdessen setzte der damalige ReGe-Geschäftsführer Hartmut Wegener laut "Hamburger Abendblatt“ auf die Glasreinigung durch Fassadenkletterer.

Dabei sei jedoch unterschätzt worden, dass dieses Vorhaben mit massiven Sicherheitsauflagen verbunden ist. So sei nun ein Geländer auf der gesamten Dachkante vorgeschrieben. Doch um das Gesamtkunstwerk Elbphilharmonie nicht zu verschandeln soll das Geländer umklappbar sein. Dem Zeitungsbericht zufolge beziffern Planer allein die Kosten dafür auf bis zu zehn Millionen Euro.

+++ Kommentar: Zu viele Misstöne +++

Bei all den Hiobsbotschaften ist weiter unklar, wann die ersten Töne in dem Konzerthaus erklingen werden. "Ich gehe davon aus, dass ich als Intendant die Eröffnung erleben werde, nur wetten würde ich darauf nicht“, sagte Intendant Christoph Lieben-Seutter bereits vor einigen Wochen der dpa. "Mein Vertrag läuft bis 2015. Ob der Bau bis dahin fertiggestellt wird, ist nicht sicher.“ Allerdings gehe er davon aus, dass sein Kontrakt um weitere drei Jahre verlängert werde.

An diesem Mittwoch sind die Probleme mit der Elbphilharmonie auch Thema in der Bürgerschaft.