Nach dem Wahldebakel

Schlammschlacht bei den Christdemokraten

Der Abgeordnete Andreas Wankum zur Kritik seines Fraktionskollegen Heiko Hecht an der Parteispitze: "Der Mann gehört in die Anstalt."

Hamburg. Die Tonlage im CDU-Machtkampf wird härter und die Auseinandersetzung persönlicher. Der wiedergewählte Abgeordnete Andreas Wankum hat seinen Fraktionskollegen Heiko Hecht auf Facebook als "Mensch ohne Anstand und Charakter" bezeichnet. Und mehr noch: "Der Mann gehört in die Anstalt", schrieb Wankum.

Zuvor hatte Hecht im Interview mit Hamburg 1 gefordert, nicht dem zurückgetretenen Landeschef Frank Schira die Aufgabe zu überlassen, seine Nachfolge zu organisieren. "Absolut unglücklich" sei es, wenn "das für das Desaster verantwortliche Personal" damit beauftragt sei. Hecht warf Schira vor, seine "Pfründe" sichern zu wollen.

Schira hatte bislang offengelassen, ob er Fraktionschef bleiben will. "Ich hoffe, Herr Schira hat Rücklagen gebildet", sagte Hecht, der die hohe Entlohnung des CDU-Fraktionsvorsitzenden (rund 13 000 Euro im Monat) überdies als verfassungswidrig bezeichnete.

Laut Hecht habe das Spitzenpersonal der CDU zudem den Kontakt zur Bevölkerung verloren, auch weil viele keine Kinder hätten. "Die wissen nicht, wie das ist, den Höchstsatz für Kitas zu bezahlen." Unterstützung erhielt Hecht vom früheren CDU-Wirtschaftsminister in Schleswig-Holstein, Werner Marnette: Er gratulierte auf Facebook zu "klaren und notwendigen Worten" und forderte, "das politische Missmanagement im Laienspieler-Sumpf der Herren Fischer, von Beust, Freytag, Ahlhaus und Schira" zu beenden.

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Dem Abendblatt erklärte Wankum, er stehe zu seiner Wortwahl. Hecht versuche, durch Äußerungen "unterhalb der Gürtellinie" zu punkten. Besonders gelte das für den Satz, dass viele CDU-Funktionäre keine Kinder hätten. "Das ist eine unterschwellige Anspielung auf homosexuelle Parteifreunde."

Unterdessen zeichnet sich der Verzicht Schiras auf den Fraktionsvorsitz ab. "Ich bin bereit, an einem breiten Konsens mitzuwirken", sagte Schira dem Abendblatt. "Das bedeutet auch, dass man sich selbst zurücknehmen muss. Ich werde meinen Teil leisten, wo immer mich die Fraktion sehen will." Das könnte den Weg für Sozialsenator Dietrich Wersich frei machen. Aber auch der Haushaltsexperte Roland Heintze ist als Fraktionschef im Gespräch. Denkbar ist die Variante, dass Schira den Posten des Vizepräsidenten der Bürgerschaft übernimmt, nachdem Amtsinhaber Wolfhard Ploog dem Parlament nicht mehr angehört. Ploog würde erst nachrücken, wenn Bürgermeister Christoph Ahlhaus sein Mandat nicht annehmen würde. Aus Ahlhaus' Umfeld ist zu hören, dass er bei seiner Absicht bleibe, Abgeordneter zu werden.