Stadtentwicklung Hamburg

S-Bahnhof Othmarschen: Baustopp verärgert Bahnkunden

Foto: Michael Rauhe

Der S-Bahnhof Othmarschen wird für 2, 2 Millionen Euro saniert. Auf der ganzen Baustelle wurde schon seit Ende Juni nicht mehr gearbeitet.

Othmarschen. Für tausende Fahrgäste ist seit Monaten das gleiche Procedere: Am S-Bahnhof Othmarschen drängeln sie sich an Bauzäunen vorbei die Treppen zum Bahnsteig hoch. Der nagelneue gläserner Aufzug kann nicht genutzt werden - es gibt noch keine Stromversorgung. Auch auf dem Bahnhofsareal steht ein Bauzaun, der den Zugang von der Straße zu dem neuen Aufzug weiträumig absperrt. Die Wände sind mit Graffitis beschmiert, auf dem Gelände haben sich Schuttberge angesammelt. Es sieht, zurückhaltend formuliert, wenig einladend aus. Doch das eigentliche Ärgernis ist: Auf der ganzen Baustelle wurde schon seit Ende Juni nicht mehr gearbeitet. Das bestätigte Bahn-Sprecherin Sabine Brunkhorst auf Abendblatt-Anfrage.

Die Bauarbeiten am S-Bahnhof Othmarschen dauern schon seit Juni 2009 an. Die Bahn investiert rund 2,2 Millionen Euro in die Aufwertung der Station, die unter anderen einen barrierefreien Zugang erhält.

Die Fahrgäste sind von der unveränderten Dauerbaustelle entsprechend genervt: "Das ist ein Schandfleck", schimpft Alfred Stölt aus Othmarschen. Der Rentner kann es nicht fassen, dass hier seit Monaten nichts mehr passiert: "Die Bahn muss hier endlich mal vorankommen."

Jeden Tag hautnah erlebt Ilker Yilmaz die Bahnhofs-Baustelle. Er ist Mitarbeiter im "Döner Treff Othmarschen".

Seine Gäste sitzen direkt am Bauzaun und können den versperrten Zugang zum Aufzug sehen: "Ich werde mehrmals in der Woche gefragt, wann der Fahrstuhl endlich fertig ist. Das beschäftigt die Menschen hier", sagt Ilker Yilmaz. Er hofft, dass die Bahn endlich die Bauarbeiten zu Ende bringt: "Das ist keine schöne Situation. Unsere Kunden sitzen mitten im Staub. Wir haben deshalb schon extra einen Schutz gebaut."

Auch Anne Holtorf und Marco Gehrmann sind von der Situation genervt. Viermal in der Woche müssen sie in der Nähe mit ihrer Tochter zum Kinderarzt und jedes Mal den Kinderwagen nach unten tragen. Denn die Rolltreppe fährt nur nach oben: "Wenn ich alleine bin, kann ich nicht mit der Bahn fahren und muss den Bus nehmen. Das dauert dann deutlich länger. Der Fahrstuhl wird hier wirklich dringend gebraucht" sagt Anne Holtorf.

Aber was ist der Grund für den Baustopp am S-Bahnhof Othmarschen? "Die Stromversorgung für den Fahrstuhl und die Beleuchtung fehlt noch", sagt Bahn-Sprecherin Sabine Brunkhorst. Der Fahrstuhl wurde bereits im August vom TÜV abgenommen und wäre betriebsbereit. Aber aufgrund der Änderung einer technischen Anweisung sei ein erneutes Genehmigungsverfahren für die Stromversorgung notwendig: "Dieses Verfahren läuft noch. Das macht uns nicht besonders glücklich, aber Strom ist ein sensibles Thema", sagt Brunkhorst. Die Bahn-Sprecherin räumt auch ein: "Die Verzögerung ist sehr bedauerlich. Wir arbeiten mit Hochdruck, auch wenn das an der Baustelle nicht offen zu sehen ist."

Das es bei der Sanierung von S-Bahnhöfen in Hamburg zu Verzögerungen kommt, ist kein Einzelfall (siehe rechts). Diese Problematik kennt auch CDU-Verkehrsexperte Klaus-Peter Hesse: "Die Deutsche Bahn muss im Sinne der Kunden den Anspruch haben, die Bauarbeiten auf den Bahnhöfen möglichst zügig abzuschließen. Wenn es zu unplanmäßigen Verzögerungen kommt, ist das für die Fahrgäste sehr ärgerlich." Solche Planungsfehler schaden dem Image des gesamten Öffentlichen Personennahverkehr, so CDU-Verkehrsexperte Hesse weiter.

Das sieht SPD-Verkehrsexperte Ole Thorben Buschhüter ähnlich: "Es ist wichtig, dass die Stationen barrierefrei ausgebaut werden. Dafür wird leider viel zu wenig Geld zur Verfügung gestellt." Buschhüter ist wichtig: "Aber wenn dann mal Mittel da sind, dann sollten diese auch schnell investiert und nicht durch komplizierte Genehmigungsverfahren blockiert werden."

Immerhin gibt es einen Hoffnungsschimmer: Der Fahrstuhl im S-Bahnhof Othmarschen soll schon "bald" fahren: "Unser Ziel ist es, noch dieses Jahr fertig zu werden", sagt Bahn-Sprecherin Sabine Brunkhorst.