Stadtplanung Hamburg

Music Hall auf St. Pauli: Das miese Spiel der Autonomen

Foto: Ingo Röhrbein

Besorgte Anwohner auf St. Pauli wollen verhindern, dass alles um sie herum zur Partymeile wird. Die Autonomen suchen vor allem Krawall.

Hamburg. "Dass es voll würde bei der ersten öffentlichen Anhörung zum Umbau des Real-Markt-Geländes auf St. Pauli, dürften die Herren vom Bezirk wohl geahnt haben. Aber sie glaubten, ihr Ding durchziehen zu können. Da waren die Recht-auf-Stadt-AktivistInnen vor: Sie verwandelten die Anhörung in eine Wunschproduktion." So steht es auf der Internetseite der Recht-auf-Stadt-Bewegung. Diese Worte galten der "öffentlichen Bürgerinformation", die am Dienstagabend von Autonomen gesprengt wurde (wir berichteten). "Recht auf Stadt" - diese Initiative wird von vielen Gängeviertel-Aktivisten getragen, aber eben nicht nur von diesen.

Auf der einen Seite gibt es besorgte Anwohner auf St. Pauli, die verhindern wollen, dass alles um sie herum zur Partymeile wird. Die autonomen Trittbrettfahrer suchen jedoch vor allem Krawall. Der Blick hinter die Kulissen offenbart eine komplizierte Mechanik, in der alte Hafenstraßen-Ängste der Stadt genauso eine Rolle spielen wie ganz aktuelle und positive Gängeviertel-Entwicklungen. Beginnen wir mit denjenigen, die die Bürgerinformations-Veranstaltung gesprengt haben: War das wirklich die Recht-auf-Stadt-Bewegung?

Die Antwort ist einfach: Ja; zum Teil. Denn die Bewegung ist höchst unterschiedlich strukturiert und hat viele Mitstreiter: das alternative Veranstaltungszentrum Centro sociale, die Bürgerinitiative No BNQ (die sich gegen St.-Pauli-Neubauten wendet), Park Fiction (künstlerisches und gesellschaftspolitisches Projekt), das Gängeviertel. Dazu gehören auch die Autonomen und Hardliner aus der Szene um die Rote Flora und das Bauwagenprojekt Bambule. Der ungeahnte Erfolg der klugen Gängeviertel-Initiative hatte dort militante Strömungen unmöglich gemacht.

Das ist nun anders. Das Ende dieses Jahres frei werdende Gelände, wo heute der Real-Supermarkt steht, bietet noch eine freie "Spielwiese", meinen die Autonomen. Die Politik reagiert empört. "Der schwarze Block hat gar nicht begriffen, um was es geht, als er die Veranstaltung störte. Es ging doch nur um Krawall", sagt der GAL-Bezirkspolitiker Michael Osterburg. Und er sagt auch richtig: "Das ist armselig und verlogen. Das ist nicht Hamburg. Wir brauchen keine feindlichen Drohungen, sondern Dialoge." Einige würden glauben, nach dem Gängeviertel-Erfolg sei alles zu erreichen.

Und die Recht-auf-Stadt-Bewegung? Michael Osterburg: "Das ist für die Bewegung schlecht, könnte nach hinten losgehen." Der GAL-Politiker ist aber überzeugt, dass der Großteil der Recht-auf-Stadt-Bewegung den Dialog will. Dieser Dialog wird nun aber sehr viel schwieriger werden. Denn als Reaktion auf die Krawalle hat Hamburg-Mitte-Bezirksamtsleiter Markus Schreiber angekündigt, bei solchen Informationsveranstaltungen künftig nur noch angemeldete Besucher zuzulassen. Und das steht den Bemühungen der Politik, die Beteiligung der Bürger zu verstärken, fundamental entgegen. Die Autonomen, die ja schon per Definition keine produktiven Ziele verfolgen, sondern grundsätzlich alles ablehnen, was "der Staat" macht, könnten so wohl ihr mieses Spiel gewinnen.