Stadtentwicklung Hamburg

Die "St. Pauli Music Hall" soll 2013 fertig sein

Foto: Bezirksamt Hamburg-Mitte

Der Saal in der Alten Rindermarkthalle wird 4000 Plätze haben und soll neue Rock- und Popkonzerte nach Hamburg holen.

Hamburg. Die neue "Music Hall" auf St. Pauli könnte schon im Jahr 2013 neben dem Bunker an der Feldstraße eröffnet werden. Wo jetzt der Real-Markt in der Alten Rindermarkthalle noch bis Ende des Jahres steht, würden Stars wie Jan Delay oder Gruppen wie Deichkind auftreten. Die "Music Hall" könnte sogar zusätzliche Rock- und Popkonzerte nach Hamburg bringen, weil eine Halle mit 4000 Plätzen bisher in der Stadt fehlt. Die neue Halle würde die Lücke zwischen den kleinen 1500-Plätze-Klubs wie Docks und der 7000 Besucher fassenden Sporthalle schließen.

Der Bezirk Mitte hat mit einer Studie das Verfahren eingeleitet. In einem Wettbewerb und Workshop-Verfahren werden sechs Architekturbüros Pläne für eine "komplette städtebauliche Neuordnung" erarbeiten, über die im Juni abgestimmt wird.

Die Stadt will das heiß begehrte 3,4 Hektar große Grundstück nicht im Höchstpreisverfahren an einen einzigen Investor vergeben, sondern kleinteilig entwickeln. Bürobauten sollen sich "unterordnen" und auf Folgenutzungen, die rein wirtschaftlich ausgerichtet sind, "wird verzichtet". Stattdessen soll alles stadtteilverträglich, öffentlich, transparent und mit einem Bürgerbeauftragten entwickelt werden.

Hat die Stadt jetzt aus Projekt-Pleiten wie im Gängeviertel gelernt?

"Ja, die Erkenntnisse aus solchen Verfahren sind eingeflossen", sagt Gunter Böttcher (CDU), Chef des Stadtplanungsausschusses im Bezirk Mitte. Und die Zustimmung sei fraktionsübergreifend.

"Es ist das erste Mal, dass eine Planung explizit den Aufwertungsdruck oder die Gentrification mit einbezieht", sagt Andy Grote, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion. Es komme kein Großprojekt, sondern entstehe mit kleinen Bausteinen und kleinen Nutzungen ein ganz neues Stück St. Pauli. "Wenn nicht gar ein ganz neues Quartier", sagt Grote. Nach dieser Kleinteiligkeit hat der Bezirk ein Jahr an der "Machbarkeitsstudie Alte Rindermarkthalle in Form eines kooperativen Gutachterverfahrens" gearbeitet; und zwar "im Einvernehmen" mit der Bau-, Finanz- und Kulturbehörde.

Grundsätzlich soll erst einmal geklärt werden, ob die Alte Rindermarkthalle zugunsten eines Neubaus abgerissen wird, oder in ein städtebauliches Neuordnungs- und Musikhallenkonzept integriert werden kann. Jeweils drei Architekturbüros werden für die beiden Möglichkeiten Lösungen erarbeiten. Folgende Bedingungen haben die Politiker festgelegt:

- Die "Music Hall" für Rock- und Popkonzerte mittlerer Größe fasst 4000 Besucher und ist 5000 Quadratmeter groß. Die Halle könnte als "Haus im Haus" in der alten Rinderhalle stehen oder neu gebaut werden.

- Für die Nahversorgung soll sowohl ein Discounter als auch ein qualifizierter Vollsortimenter auf insgesamt 2000 Quadratmetern sorgen.

- Die Jet-Tankstelle wird abgerissen.

- In einer Markthalle sollen kleine Einzelhändler auf 3000 Quadratmetern Platz finden.

- Auch am Neuen Kamp und an der Budapester Straße soll es kleinteiligen Einzelhandel auf 900 Quadratmetern geben.

- Besonderen Wert wird auf neue Gastronomie auf 3000 Quadratmetern gelegt, um den "Druck auf die umliegenden Quartiere abzumildern". Gemeint ist besonders die immer weiter ausufernde Gastro-Szene im nahen Schanzenviertel.

- Für die Musik- und Kreativwirtschaft sind bis zu 16 000 Quadratmeter vorgesehen. Kleinteilige Büros sind gefragt, weil "massive einheitliche Bürobebauung" in dem Viertel "nicht stadtteilverträglich" sei.

- Bis zu zehn Prozent der Fläche ist kulturellen Nutzungen vorbehalten. Neben kleinen Einrichtungen könnte die zentrale Lage auch von den großen Theaterbetrieben zum Beispiel für Proberäume genutzt werden.

- Wegen der Lärmbelastung durch den Autoverkehr und das nahe Stadion sind nur 15 Prozent Wohnungsbau möglich. Im Blick sind Studenten und junge Menschen.

Das Projekt steht wegen der besonders sensiblen Nachbarn nicht nur unter Erfolgs-, sondern auch unter Zeitdruck. Vom ersten Januar kommenden Jahres an wird die Halle leer stehen, weil der Vertrag mit dem Real-Markt ausläuft. Und ziemlich real besteht dann die Möglichkeit, dass Besetzer sich dort einnisten.