Bethlehemkirche wird zur Kita umgebaut

Kinder erobern die Kirche in Eimsbüttel

Foto: Ingo Röhrbein

Der Abriss war bereits beschlossen, doch die Denkmalschützer wollten den Bau retten. Jetzt wird das Kirchenschiff zum Spielplatz.

Hamburg. Es ist ein einmaliges Projekt in Hamburg: ein Kindergarten, der in eine Kirche einzieht. "Das ist wirklich etwas ganz Besonderes", sagt Kirsten Dieckow, die die Kita Bethlehem an der Alardusstraße leitet. Die Kinder seien schon ganz aufgeregt und freuten sich riesig. Im Moment wird noch im benachbarten Gebäude gespielt und gebastelt, während in der Kirche der Umbau auf vollen Touren läuft. Mitte September soll der große Umzug in die Bethlehemkirche stattfinden, "wenn alles gut läuft". Es klingt, als könne sie es noch nicht ganz glauben. Immerhin dauert die Realisierungsphase nun schon fünf Jahre an. Viele der Kinder, die den Startschuss für den Umzug mitverfolgt haben, werden dann schon gar nicht mehr in der Kita der evangelischen Kirche untergebracht sein.

Hintergrund ist ein zäher Kampf um die Erhaltung der Kirche, die 1959 geweiht wurde. Aus heutiger Sicht ein nicht gerade attraktiver 50er-Jahre-Bau, ging es dem Architekten Joachim Matthaei damals darum, einen klaren Formenkanon zu entwickeln. Bis vor zwölf Jahren war die Bethlehemkirche eine von vier in Eimsbüttel - bis sie der Kirchenfusion zur Großgemeinde zum Opfer fiel. 2003 beschloss der Kirchenvorstand, sich im Hinblick auf knappe Finanzen von zwei Immobilien zu trennen. Im Juni 2005 wurde die Bethlehemkirche von Bischöfin Maria Jepsen entwidmet, mit St. Stephanus bereits die zweite in der Gemeinde Eimsbüttel. Helmut Kirst, Vorsitzender des Kirchenvorstands: "Ursprünglich sollte die Kirche abgerissen werden. Schon die Entwidmung war für die Gemeinde ein schwerer Schritt. Deshalb sind wir jetzt sehr froh, dass auch in Zukunft eine kirchliche Nutzung stattfinden wird." Schließlich gehöre die Bethlehemkirche zur Gemeinde und präge den Stadtteil maßgeblich. Dass die Kirche erhalten bleibt, ist dem großen Engagement des Denkmalschutzamtes Hamburg geschuldet. Leiter Frank Pieter Hesse: "Die Nachkriegszeit hat in Hamburg eine Vielzahl sehr qualitätvoller Kirchbauten hervorgebracht. Die oft experimentellen Bauformen und Materialien haben eine völlig neue und spannende Phase der Kirchenarchitektur eingeläutet, die jedoch nicht überall Anerkennung findet. Daher werben wir sehr für diese Bauten, die immer wieder von Abrissplanungen bedroht sind."

Neben diesem Engagement unterstützte der Bund Deutscher Architekten die Familie des Kirchenerbauers in ihren Rechten. So kam es letztlich zu dem Kompromiss.

Den Architekten Nicole Stölken und Matthias Schmidt stellte sich also die Herausforderung, die Auflagen des Denkmalschutzamtes mit den Bedürfnissen der Kita zu vereinbaren. "Mit dem Haus-in-Haus-Konzept haben wir eine gute Lösung gefunden", sagt Schmidt. Die Kirche wird dem Kita-Neubau als "Wetterhülle" dienen. Der Innenkirchraum bleibt erhalten, darin integriert wird der Kita-Neubau. Neben dem Kirchvorplatz wird es im Kirchenschiff Platz für eine große Indoor-Spielfläche, "damit die Kinder auch bei Regen spielen können".

Die zwei Gruppenräume "stülpen" sich in Form von gläsernen Wintergärten nach außen auf den Kirchplatz. In das Foyer und die bereits ausgeräumte Orgelnische werden Essensausgabe und Garderobe eingerichtet. Oberlichter und zusätzliche Fenster, die den Blick auf den Eppendorfer Weg ermöglichen und für mehr Helligkeit sorgen, wurden vom Amt genehmigt.

Einziger Wermutstropfen sind die Baukosten, die mit gut 1,2 Millionen Euro höher als eingangs veranschlagt sind. "Wir beziehen Mittel aus Rücklagen der Gemeinde und aus dem Verkauf der jetzigen Kita-Immobilie. Außerdem haben wir beim Denkmalschutzamt um finanzielle Beteiligung angefragt", sagt Kirst. Für Bühne, Beleuchtung und Spielgeräte der Kita werden noch Sponsoren gesucht. Auf dem Grundstück der jetzigen Bethlehem-Kita will die Firma Plus Bau, die in den Kirchenumbau 700 000 Euro investiert, seniorengerechte Wohnungen bauen, deren Fassade sich an den umliegenden Altbauten orientiert. So leben künftig Jung und Alt Tür an Tür. Am steil aufragenden Kirchturm werden sich wohl weiterhin einige Leute stoßen. Nicht aber am "Lärm": Die bronzenen Kirchturmglocken wurden entfernt und der Christuskirche geschenkt.