Tourismus Hamburg

Hamburg legt Standards für Fremdenführer fest

Foto: Marcelo Hernandez

Nur wer das neue Zertifikat des Verbandes erhält, darf Tourbegleiter sein. Jury prüft 60 Bewerber - erst in der Theorie, dann in der Praxis.

Hamburg. "Moin Moin, herzlich willkommen in der Hansestadt" - schallt es aus den Lautsprechern an Bord des Doppeldeckerbusses auf der Stadtrundfahrt durch Hamburg. Die sympathische Stimme gehört Stephanie Erberk. Für die 33-Jährige ist dieser Dienstag ein ganz besonderer. Sie legt ihre praktische Prüfung für das neue Zertifikat des Tourismusverbandes Hamburg (TVH) ab.

Nur wer dieses erhält, darf künftig noch als Tourbegleiter arbeiten. Damit sollen die Qualitätsstandards auf Stadtrundfahrten im Linienverkehr verbessert werden. Die theoretische Prüfung mit Fragen über Hamburg hat Stephanie Erberk bereits bestanden. Insgesamt haben 52 von 60 Teilnehmern im ersten Anlauf mindestens 20 der 25 Fragen richtig beantwortet und dürfen ihr Können nun "live" vor einer dreiköpfigen Expertenjury beweisen.

Die Strecke kennen die Prüflinge vorher nicht. Der Bus mit Stephanie Erberk hat inzwischen die Kunsthalle erreicht. Unvermittelt stellt Prüfer und TVH-Chef Thomas Magold eine Frage auf Englisch: "Wie lange hat die Kunsthalle geöffnet?" Die Antwort erfolgt prompt, allerdings wirkt das Englisch noch etwas holprig - war wohl der Überraschungseffekt. Der Bus rollt an der Außenalster entlang. Ein Heimspiel für jeden Tourbegleiter. Von den "Superreichen" erzählt Stephanie Erberk und beweist ihr Wissen über die Geschichte einiger Prachtvillen. Die Wörter "Millionäre", "Milliardäre" und "Pfeffersäcke" sollen in den kommenden Minuten bei der Fahrt um die Alster häufiger fallen.

Die Straße Schöne Aussichtist erreicht, die 20 Minuten lange Prüfung zu Ende. Stephanie Erberk "fällt ein Stein vom Herzen". Die Hamburg-Begeisterte, die Sprachen studiert, hat ein gutes Gefühl. Nun ist ihr Mann Ayhan dran. Ein Profi, seit sieben Jahren dabei. Er hat wohl schon Tausenden Touristen die Reize der Hansestadt präsentiert. Locker parliert er über das "berühmte Hotel Atlantic". Am Jungfernstieg lässt sich der Prüfling über die "Luxusgeschäfte" aus. Auch er muss auf Englisch ran und die Bedeutung des Alsterpavillons erklären. Nach 20 Minuten, am Rödingsmarkt, endet auch für ihn die Fahrt: "Ich bin froh, dass es vorbei ist." Das Prüfungsergebnis erhalten beide in den kommenden Tagen per Post. Prüfer Magold weckt Hoffnung: "Das hat gut geklappt. Man merkt, die beiden mögen und kennen diese Stadt."