Studie: Hamburg sucht nach kreativem Potenzial

Der Senat will die Künstler an den Hafen verfrachten

Eine Agentur entwickelt Vorschläge für eine Künstler-Insel. Weitere mögliche Standorte sind der Güterbahnhof und die Große Bergstraße in Altona.

Hamburg. Hamburg soll eine neue Künstler-Insel bekommen: In ungenutzten Gebäuden und ehemaligen Lagerhallen zwischen Amsinck- und Versmannstraße - der sogenannten OberhafenCity - könnten nach den Vorstellungen von Stadtplanern Hamburgs Künstler bald in günstige Ateliers und Werkstätten einziehen.

Das steht in einer bisher unveröffentlichten Studie "Kreative Milieus und Stadtentwicklung", die die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) Anfang des Jahres beim Berliner Büro "Studio Raumplanung" von Klaus Overmeyer in Auftrag gegeben hat. In detaillierten Fallstudien hat er nach kreativen Standorten und Milieus gesucht. Sechs Handlungsmodelle zeigen an ausgewählten Orten Hamburgs exemplarisch, wie Städtebau und kreative Milieus verbunden werden können.

Die besten Chancen auf baldige Umsetzung hat dabei das Gebiet der OberhafenCity. BSU-Sprecher Enno Isermann bestätigte dem Abendblatt "konkretere Überlegungen" in diese Richtung. Denkbar wären Ateliers oder Werkstätten zum Beispiel in den ehemaligen Baustoffhallen oder der Wollfabrik. Offiziell vorstellen will die BSU die Untersuchung am 14. Dezember.

Grundgedanke der Studie ist es, die Stadt nicht mehr länger nur unter wirtschaftlichen Aspekten zu betrachten, sondern nach Möglichkeiten zu suchen, wie sich Hamburg auch sozial, kreativ und kulturell entwickeln kann. Es sei die Aufgabe der Stadtentwicklung, die Auswirkungen der sich verändernden Stadtquartiere mit den Freiräumen, die Kreative benötigen, in Einklang zu bringen. Dabei müsse - so ein Ergebnis der Studie - der Politik klar werden, dass kreative Milieus "anders funktionieren", sich Kreativität nicht mit Senatsdrucksachen beschließen lässt.

Der BSU geht es bei der Studie nach Aussagen von Enno Isermann mehr um das "große Ganze der Stadtentwicklung". Konkret umgesetzt werden sollen die Vorschläge von der geplanten "Kreativagentur", die bei der Kulturbehörde angesiedelt wird. Die Agentur soll freie Räume finden und zur Zwischennutzung an Künstler vermitteln.

Neben der OberhafenCity sehen die Berliner Potenzial auf dem heutigen Gebiet des Güterbahnhofs Altona: Nördlich des Geländes stellen sich die Stadtplaner zum Beispiel eine "Themenimmobilie" vor. Die Gebäude des Bahnhofs sind in der Studie zur "kreativen Zwischennutzung" ausgewiesen.

Mögliche Künstler-Insel rund um den Oberhafen .

Auch die Große Bergstraße hat nach Ansicht des "Studios Raumplanung" eine "Entwicklungsdynamik". So könnte sie Verbindungsglied sein zwischen den kreativen Quartieren Schanze und Karolinenviertel.

Damit dies auch so kommt, bedarf es einer Kehrtwende der bisherigen Politik. Denn die Künstler, die zurzeit im Frappant-Gebäude untergebracht sind, müssen wieder weichen, wenn die geplante Ikea-Innenstadtfiliale kommt. Die Mietverträge der Künstler wurden von der Stadt bereits gekündigt. Die neue Studie greift also genau die Diskussion auf, die die Künstler mit der Besetzung der Gebäude im Gängeviertel aufgeworfen haben.