EHEC-Krise

Selbst Blutwäsche hilft Patienten nicht immer

UKE rechnet mit weiteren Todesfällen. Hoffnung ruht auf neuem Wirkstoff

Hamburg. Bis gestern Abend waren zehn Menschen am Hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) gestorben, einer schweren Komplikation infolge einer EHEC-Infektion, die ein akutes Versagen der Nieren und Blutarmut auslösen kann. Am UKE starb in der Nacht zum Sonnabend eine 87 Jahre alte Patientin an HUS; man rechne mit weiteren Todesfällen, teilte das UKE gestern mit. Insgesamt sind in Hamburg 467 EHEC-Fälle bekannt, in Schleswig-Holstein sollen 248 Menschen infiziert sein, in Niedersachsen waren es gestern Abend 141.

Dabei war der Erregertyp schnell identifiziert: Kaum eine Woche nach dem EHEC-Ausbruch stellten Forscher des Uniklinikums Münster fest, dass es sich bei den Darmbakterien um Erreger vom Typ Husec 41 handelt. Bisher sei Husec 41 nur selten in Deutschland aufgetreten; meistens habe der Erreger nur zu milden Durchfallerkrankungen geführt. Doch warum ist dieser bisher so unauffällige EHEC-Stamm Husec 41 so schwierig zu behandeln?

Zum einen wird er - wie alle EHEC-Erreger - nur in Ausnahmefällen mit Antibiotika behandelt. Denn diese kurbeln die Giftproduktion in den Bakterien an und verschlimmern die Krankheit damit. Deshalb muss das Immunsystem selbst mit dem Erreger fertigwerden - doch dazu ist es teilweise nur schwer in der Lage. Außerdem berichten Ärzte, dass die Plasmapherese, eine Blutwäsche, bei einigen Patienten keine Wirkung zu zeigen scheint. Bei dieser Blutwäsche werden schädliche Eiweiße aus dem Blut entfernt. Warum bei einigen HUS-Patienten selbst ein mehrmaliger Austausch von Blutplasma keine Wirkung zeigt, ist ebenfalls noch unklar.

Derzeit ruhen die Hoffnungen der Ärzte vor allem auf dem Wirkstoff Eculizumab. Dabei handelt es sich um einen Antikörper, der gegen das akute Nierenversagen und Schäden im zentralen Nervensystem bei HUS wirken soll.

Ergebnisse, inwieweit der Wirkstoff bei den damit behandelten Patienten anschlägt, stehen jedoch bisher noch aus.