Lockdown im Sport

Keine Einnahmen, aber die Kosten bleiben

In guten Zeiten sitzt das Publikum bei den Spielen der SVG Lüneburg dicht gedrängt. Jetzt darf trotz Hygienekonzeptes erst einmal keiner mehr zuschauen.

In guten Zeiten sitzt das Publikum bei den Spielen der SVG Lüneburg dicht gedrängt. Jetzt darf trotz Hygienekonzeptes erst einmal keiner mehr zuschauen.

Foto: Volker Koch

Geisterspiele lassen die Saison auch für Bundesligavereine zum Kraftakt werden. Es bleibt die Hoffnung auf Corona-Hilfen des Bundes.

Buxtehude/Buchholz/Lüneburg.  Während der gesamte Amateursport seit Montag ruht, stehen auch die Profi-Teams der Region angesichts der bevorstehenden Geisterspiele vor einem finanziellen und sportlichen Kraftakt. Die Bundesliga-Volleyballer der SVG Lüneburg bestritten bereits am vergangenen Sonnabend das erste Heimspiel ohne Zuschauer. Am heutigen Mittwoch müssen auch die Bundesliga-Frauen des Buxtehuder SV und der Handball-Luchse Buchholz 08-Rosengarten erstmals vor leeren Rängen antreten.

Alle drei Vereine haben beim Bundesverwaltungsamt (BVA) Corona-Hilfen beantragt. Der Bund stellt dafür mit 200 Millionen Euro den Topf „Coronahilfen Profisport“ zur Verfügung, der die Mindereinnahmen im professionellen und semi-professionellen Sport auffangen soll.

SVG Lüneburg (Volleyball-Bundesliga)

Andreas Bahlburg: „Vor zwei Wochen hatte ich noch gehofft, dass wir ein bisschen länger vor Zuschauern spielen würden. Wir haben ein schlüssiges Hygienekonzept, das genehmigt wurde und sich am ersten Spieltag bewährt hat. So eine rasante Entwicklung habe ich nicht erwartet.“ Der erste Vorsitzende der SVG Lüneburg sorgt sich nicht nur um die fehlenden Ticketeinnahmen, sondern auch um die sportliche Situation.

„In den letzten sechs Jahren hatten wir in der Bundesliga mit der berüchtigten Gellersenhalle einen großen Vorteil, den wir durch die Geisterspiele nun gänzlich abgeben müssen. Es war am Sonnabend eine eigenartige Situation, vor Spielbeginn in der leeren Halle zu sitzen. Nur eine Handvoll Abbauhelfer waren da, um unsere Mannschaft zu unterstützen. So einen Moment habe ich in der Halle noch nicht erlebt“, berichtet Bahlburg.

Normalerweise kann der SVG-Vorsitzende pro Heimspiel mit Ticketeinnahmen von 8000 bis 10.000 Euro rechnen. „Das fällt jetzt auf null zurück. Darüber hinaus haben wir Catering, das wir bei den Spielen noch anbieten. Jetzt hoffen wir, dass wir Hilfen bekommen“, sagt Bahlburg. Noch vor zweieinhalb Wochen konnten 190 Zuschauer das erste Bundesliga-Heimspiel in der Gellersenhalle verfolgen. Anders als bei größeren Vereinen, die bei einer teilbesetzten Halle Verluste einfahren, könne die SVG auch bei 190 Zuschauern Geld noch verdienen. So übernehmen beispielsweise ehrenamtliche Helfer des Fanclubs „Lüneblock“ Teile des Aufbaus, externe Dienstleister werden kaum benötigt. „Von Werbebanden aufstellen, Fußbodenaufkleber anbringen, bis hin zum Licht. Das wird alles ehrenamtlich gemacht“, freut sich Bahlburg.

Dennoch: Im Vergleich zu einer voll besetzten Halle hat die SVG bei Heimspielen Mindereinnahmen von rund 80 Prozent. Während im Profifußball das meiste Geld durch Fernseh- und Sponsoringverträge fließt, spielen die Zuschauereinnahmen in anderen Sportarten eine sehr viel bedeutendere Rolle. „Natürlich haben wir vor 190 Zuschauern im Gegensatz zu 800 bis 1000 Zuschauern enorme Verluste. Das ist für uns ein fester Bestandteil des Jahresetats. In diesen Zeiten können wir das nicht kompensieren, auch nicht durch Mehreinnahmen im Sponsoring“, sorgt sich der SVG-Vorsitzende.

Die SVG Lüneburg beantragte am vergangenen Wochenende 40.000 Euro an Hilfsgeldern. Andreas Bahlburg hofft nun, dass der Antrag bewilligt wird, andere Volleyball-Bundesligisten hätten das Geld bereits auf dem Konto. „Wir hoffen jetzt, dass wir Unterstützung erhalten, sonst wird das Hemd ziemlich eng. Ich baue auch darauf, dass das Hilfsprogramm über den 31. Dezember hinaus verlängert wird, damit wir uns über Wasser halten können“, sagt Bahlburg.

Buxtehuder SV (Handball Bundesliga Frauen)

Peter Prior, Manager der Buxtehuder Bundesliga-Damen ist da schon einen Schritt weiter. Der BSV hat vor wenigen Tagen Bescheid bekommen, dass der Antrag auf Hilfsgelder bewilligt wurde. In den nächsten vier Wochen gebe es noch eine Wartefrist, sodass das Geld im Dezember auf dem BSV-Konto ankommen werde.

„Grundsätzlich ist das eine gute Geschichte. Ich hoffe sehr, dass die Hilfen nicht nur den Zeitraum von April bis Dezember abdecken, sondern auch 2021 gelten werden. Zwei Drittel der Saison finden erst 2021 statt. Ich würde es sehr begrüßen, wenn das Programm eine Fortsetzung findet. Es ist jetzt schon absehbar, dass wir 2021 auch keine voll besetzte Halle haben werden, die Verluste werden weiterhin da sein“, sagt Prior, der keine Angaben machen wollte, mit wie viel Geld der Buxtehuder SV rechnen könne.

Grundsätzlich können betroffene Vereine dem Bundesverwaltungsamt mitteilen, wie viel Eintrittsgeld sie zwischen dem 1. April und 31. Dezember 2019 eingenommen haben. Dem gegenüber stellen die Vereine dann die erwarteten Zuschauereinnahmen des gleichen Zeitraums im Corona-Jahr 2020, bis Ende des Jahres in Form von Schätzungen. Am Ende können die Vereine dann bis zu 80 Prozent der Differenz, sprich der diesjährigen Mindereinnahmen aus dem 200 Millionen Euro großen Hilfsgeld-Topf erhalten. Wenn alles reibungslos läuft.

Der Buxtehuder SV kalkuliert bei einer voll besetzten Halle mit etwa 13.000 Euro Zuschauereinnahmen pro Heimspiel. Bei den ersten fünf Heimspielen der laufenden Saison kamen im Schnitt gerade einmal etwa 400 Fans in die Halle Nord, wodurch der BSV pro Heimspiel knapp 4500 Euro Ticketeinnahmen generieren konnte.

„Normalerweise sind 1000 bis 1200 Zuschauer in der Halle. Bei den 400 Zuschauern hat man schon erhebliche Verluste. Normalerweise haben wir Zuschauereinnahmen von 200.000 Euro pro Saison. Wenn wir nur 400 Zuschauer haben, fehlen davon 130.000 Euro. Das setzt sich jetzt noch einmal fort, so dass das letzte Drittel eben auch noch verschwindet“, sagt BSV-Manager Prior.

Der BSV trifft empfängt heute, 4. November, um 19 Uhr Borussia Dortmund im DHB-Pokal. Bei Pokalspielen ist vorgesehen, dass sich beide Mannschaften die Einnahmen und Kosten teilen. So sollen auch klassentiefere Mannschaften von den Pokalspielen profitieren. Beim heutigen Duell gegen Dortmund werden sich die Mannschaften allerdings nicht den möglichen Gewinn, sondern den bevorstehenden Verlust teilen müssen.

„Das wird das erste Heimspiel in der Geschichte des Vereins sein, bei dem wir hohe Verluste haben werden. Und die werden dann selbstverständlich auch mit dem Gegner geteilt. Ich kann mich an Spiele erinnern, bei denen der Gastverein hocherfreut mit 5000 Euro im Portemonnaie nach Hause gefahren ist. Jetzt sind die Einnahmen null. Dagegen stehen aber Schiedsrichterkosten, Anfahrtskosten des Gegners oder das Kampfgericht. Das will alles bezahlt sei,“, sagt Peter Prior.

Handball-Luchse Buchholz 08-Rosengarten (Frauen-BL)

Sven Dubau hat sich mit der Situation bereits abgefunden. Der Geschäftsführer der Handball-Luchse befürchtet, dass es auch nach November weiterhin Geisterspiele geben wird. „Finanziell ist es natürlich ziemlich blöd. Mittlerweile kann man es aber nicht mehr ändern, wir müssen so gut es geht damit leben. Wie groß das finanzielle Ausmaß am Ende ist, kann man noch gar nicht abschätzen“, sagt Dubau.

Auch die Luchse haben Hilfsgelder beantragt. Mit wie viel Geld der Aufsteiger letztendlich rechnen kann, sei dennoch schwer zu sagen. „Ich kann schwer abschätzen, wie groß der Verlust ist. Ich weiß nicht, wie viel von den 200 Millionen des Hilfepakets übrig bleiben, wenn alle Vereine die Hilfen abrufen. Es ist schwer zu kalkulieren“, sagt der Luchse-Geschäftsführer. Neben den Zuschauereinnahmen fehlt dem Team aus der Nordheide auch Geld, welches durch Catering am Spieltag verdient wird.

Einziger Vorteil der Luchse sei der Spielplan. Abgesehen vom heutigen DHB-Pokalspiel gegen den VfL Oldenburg (20 Uhr) bestreiten die Luchse in diesem Jahr nur noch zwei Heimspiele, wodurch sich die Verluste in Grenzen halten. In der Zeit der Handball-Europameisterschaft (3. bis 20. Dezember) pausiert die Liga. Aber auch im sportlichen Bereich sieht Sven Dubau eine große Herausforderung. Die Handball-Luchse stehen nach der 18:20-Niederlage gegen Mitaufsteiger SV Union Halle-Neustadt auf einem Abstiegsplatz.

„Sportlich ist es sehr, sehr ärgerlich. Wir brauchen die Fans und den Fanclub. Wir hatten bisher noch keine Geisterspiele. Ich hoffe, dass wir dieses Trainingsspiel-Flair ausschalten können und uns trotzdem richtig einstellen können“, sagt Dubau.