Weltklasseleistung

Torhüterin Lea Rühter lässt Thüringer HC verzweifeln

BSV-Kreisläuferin Lisa Antl (Mitte) kämpft sich zum Wurf durch. 

BSV-Kreisläuferin Lisa Antl (Mitte) kämpft sich zum Wurf durch. 

Foto: DIETER LANGE

20:19-Heimsieg gegen den Tabellendritten. Handballerinnen des Buxtehuder SV retten knappen Vorsprung über die Zeit.

Buxtehude.  Während sich die Handballerinen des Buxtehuder SV nach der Schlusssirene jubelnd in den Armen lagen, schlich Marketa Jerabkova (24) sichtlich frustriert in Richtung Gästekabine. Die derzeit beste Torschützin der Handball Bundesliga Frauen (HBF) blieb gegen den Buxtehuder SV trotz ihrer Saisontore 54 bis 59 verhältnismäßig blass – auch weil BSV-Torfrau Lea Rühter mit 21 Paraden einen Sahnetag erwischte. Insgesamt 360 Zuschauer bejubelten am Sonnabend den knappen 20:19 (14:11)-Erfolg über den Thüringer HC.

Der BSV konnte nach fast sechs Jahren wieder einmal ein Spiel gegen das thüringische Spitzenteam gewinnen – für die Buxtehuder Fans war es wegen der heute in Kraft tretenden Corona-Verordnung die vorerst letzte Gelegenheit, ihr Team vor Ort zu unterstützen. „Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal so viele Paraden hatte, weil ich mir nicht immer die Statistiken anschaue. Das ist aber natürlich schön, wenn man einen Beitrag zum Sieg leisten kann“, sagte Torhüterin Lea Rühter (22) nach dem Spiel – und untertrieb damit maßlos.

Erster BSV-Treffer fiel erst nach sieben Minuten

Gästetrainer Helfried Müller („Weltklasseleistung“) und BSV-Coach Dirk Leun („sensationelle Leistung“) wussten Rühters 21 Paraden nach dem Spiel umso mehr zu würdigen. Nur wenige Angriffe waren gespielt, da zeichnete sich bereits eine Abwehrschlacht ab. Nach über sechs torlosen Minuten war es schließlich Lone Fischer (32), die die BSV-Fans mit ihrem ersten Treffer erlöste (1:1/7.). In der Folge entwickelte sich ein Kampfspiel. Mitte der ersten Halbzeit warf Marketa Jerabkova den THC erstmals zu einer Zwei-Tore-Führung (5:7/18.). Der BSV blieb jedoch dran und belohnte sich durch mehrere Gegenstöße von Lone Fischer und Isabelle Dölle (beide insgesamt fünf Tore).

„Das Spiel war sehr umkämpft. Ich bin sehr zufrieden mit uns, aber auch total k. o., weil wir uns in jeden Ball reingeworfen haben“, sagte Isabelle Dölle nach dem Spiel. Die Rückraumschützin (21) sah schon nach 23 Minuten ihre zweite Zwei-Minuten-Strafe und drohte fortan, frühzeitig vom Feld zu fliegen. „Ich habe mich trotzdem genauso reingehauen, weil ich wusste, dass ich Jojo (Johanna Heldmann, Anm. d. Red.) im Rücken habe. Wenn ich die rote Karte bekommen hätte, hätte sie dort weitergemacht, wo ich aufgehört habe“, sagt Dölle.

Zum Ende der ersten Hälfte war es dann erneut Lea Rühter, die dem BSV mit teils spektakulären Paraden eine 14:11-Halbzeitführung sicherte. Rühter kehrte erst zwei Tage vor dem Spiel mit Teamkollegin Annika Lott (20) von der Nationalmannschaft zurück. „Wir konnten vor dem Spiel noch zwei Trainingseinheiten mit dem Team machen. Wir sind aber das ganze Jahr zusammen, da sind so ein paar Tage jetzt nicht weltbewegend“, sagte Rühter.

Die restlichen Sekunden wurden heruntergespielt

Als der derzeit drittplatzierte THC in der Schlussphase des Spiels seine Torhüterin für eine siebte Feldspielerin opferte, Annika Lott jedoch im Gegenstoß einen Drei-Tore-Vorsprung herauswarf (20:17/56.), schien die Partie bereits entschieden. Doch der THC kam wieder heran und hatte eine halbe Minute vor Schluss noch die Gelegenheit zum Ausgleich. Der letzte Wurf der Gäste landete unter dem Jubel der 360 Zuschauer nur am Pfosten, der BSV konnte die restlichen Sekunden herunterspielen.

„Dass man mit sechs Toren in einer Halbzeit ein Spiel am Ende gewinnen kann, habe ich noch nicht erlebt“, freute sich Isabelle Dölle, die in der Abwehr dazu beitrug, dass THC-Star Jerabkova nur drei Tore aus dem laufenden Spiel erzielen konnte. „Wir haben uns entschieden, sie fest zu machen, und das haben wir entschlossen umgesetzt“, sagt Dölle. Am Mittwoch wartet schon das nächste Spitzenteam auf den BSV. Um 19.30 Uhr gastiert Tabellenführer Borussia Dortmund im DHB-Pokal-Achtelfinale in der dann leeren Halle Nord.