Neue Bundesligasaison

Die Volleyballer der SVG Lüneburg legen los

Stefan Hübner ist seit dem Bundesliga-Aufstieg 2014 Cheftrainer der SVG Lüneburg.

Stefan Hübner ist seit dem Bundesliga-Aufstieg 2014 Cheftrainer der SVG Lüneburg.

Foto: Witters

Männer-Bundesligaclub setzt in dieser Saison auf heimische Talente und hat trotz Corona nur geringe Etateinbußen.

Lüneburg.  Es ist eine Fahrt ins Ungewisse, die am Freitag die Volleyballer der SVG Lüneburg im gemieteten Bus in Richtung Frankfurt am Main antreten. Der Aufschlag in die neue Bundesligasaison am Sonnabend (19.30 Uhr; sporttotal.tv live) bei den starken United Volleys wird sportlich eine erste Standortbestimmung, aber auch andere Fragezeichen stehen in dieser Spielzeit im Raum. Etwa dieses: In welchen Städten darf die Mannschaft übernachten, um nicht bei der Rückkehr in Quarantäne zu müssen? „Da werden wir uns wohl auf einige Unabwägbarkeiten einstellen müssen“, fürchtet Cheftrainer Stefan Hübner (45).

Ihre größte Herausforderung haben die Lüneburger bereits gemeistert: den Etat. Sollte der zunächst gegenüber der vergangenen Saison um rund 100.000 auf 560.000 Euro sinken, stehen jetzt 610.000 Euro zur Verfügung. Der Zugewinn ist auch der umsichtigen Akquise von Manager Andreas Bahlburg (61) zu verdanken, der alte und neue Sponsoren erst ansprach, als die Unternehmen im Sommer ihre wirtschaftliche Lage überblicken konnten. „Wir haben nur ganz wenige Partner verloren“, sagt Bahlburg.

Eigene Talente machen weiter Fortschritte

Nun sind 610.000 Euro im Gegensatz zu den Budgets der Spitzenclubs aus Berlin, Frankfurt und Friedrichshafen, die das Drei- bis Vierfache ausgeben, eine vergleichsweise geringe Spielmasse, doch Bahlburg, Hübner sowie Teammanager und Co-Trainer Bernd Schlesinger (61) haben es in jetzt sechs Jahren Bundesligazugehörigkeit stets geschafft, mit eher bescheidenen Mitteln eine überaus konkurrenzfähige Mannschaft ans Netz zu stellen. Der achte Platz im März beim Abbruch der vergangenen Serie muss da fast schon als Betriebsunfall gewertet werden, nachdem das Team nach einer überragenden Hinrunde und zwischenzeitlichem Platz drei plötzlich keinen Gegner mehr blockte. Auf der Suche nach Ursachen stieß Hübner damals auf eine Verkettung möglicher Gründe, den Abwärtstrend konnten aber diverse Neujustierungen bei Technik und Taktik nicht stoppen.

Bei der Zusammenstellung des aktuellen Kaders, sechs neue Spieler kamen, hielt der ehemalige Weltklasse-Mittelblocker Ausschau vor allem nach jungen deutschen Volleyballern. Die sind erstens bezahlbar, zweitens entwicklungsfähig, drittens birgt in Zeiten weltweiter Reiseeinschränkungen die Verpflichtung ausländischer Profis unnötige Risiken. Auch die eigenen Talente machen weiter Fortschritte. Konrad Thole (21; 2,12 m), jüngerer, aber größerer Bruder des Beachvolleyball-Vizeweltmeisters Julius Thole (23; 2,06 m), und Florian Krage gelten als Nationalmannschaftskandidaten. Außenangreifer Jannik Pörner (26) und Mittelblocker Michel Schlien (28) wiederum, beide seit sechs und sieben Jahren (Schlien) Lüneburger, scheinen inzwischen in der Lage, größtmögliche Verantwortung zu übernehmen, das Team führen zu können.

Vorbereitung lief holprig

„Wir haben aufs Geld achten müssen, mehr noch als in den Vorjahren, aber wir haben wie in der Vergangenheit begabte Spieler mit Perspektive geholt. Der Erfolg in dieser Saison wird auch davon abhängen, wie schnell unsere jungen Spieler zu Leistungsträgern und Führungskräften aufsteigen“, sagt Hübner. Der Trainer gilt als Bessermacher, Lüneburg als Ausbildungsverein und für ausländische Profis längst als renommierte Zwischenstation zu einem deutschen oder europäischen Spitzenverein.

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Dieser Status dürfte sich grundlegend ändern, wenn die Mannschaft aus ihrer kleinen, stimmungsvollen Gellersenhalle in Reppenstedt (800 Zuschauer) in die Arena Lüneburger Land (3500) an der Lüner Rennbahn nahe der Autobahn 39 zieht – und sich dort höhere Ziele setzen kann. Der Standortwechsel sollte nach zahlreichen Verzögerungen im Frühjahr 2021 passieren, Manager Bahlburg rechnet inzwischen damit, die gesamte Saison in Reppenstedt zu spielen. Ein Umzug wie zuletzt zu den Play-offs in die Neugrabener CU-Arena steht diesmal nicht an, weil die Liga den Lüneburgern erneut eine Ausnahmegenehmigung für ihre zu kleine, zu flache Spielstätte gewährte. In der sind jetzt 190 Zuschauer zugelassen. Wer das Team lautstark anfeuern will, muss dafür eine Maske tragen, wer sich aufs Klatschen beschränkt, kommt oben ohne aus.

Ob es in dieser Saison etwas zu feiern gibt, ist offen. Die elfwöchige Vorbereitung mit aus Corona- und Kostengründen nur fünf Testspielen lief holprig, sagt Hübner. Er selbst fiel mit Pfeifferschem Drüsenfieber zwei Wochen komplett aus. Zuspieler Leon Dervisaj (24) und der schwedische Hauptangreifer Viktor Lindberg (24) kurieren weiter Verletzungen aus, ihr Einsatz in Frankfurt käme wohl zu früh. „Wir haben auf unserem gemeinsamen Weg noch viel Arbeit vor uns. Aber weil alle das wissen und sich entsprechend verhalten, bin ich optimistisch“, sagt der Trainer.