Handball-Bundesliga

Miserable Chancenverwertung

Das Gesicht von Trainer Dubravko Prelcec (l.) drückt dessen ganze Verzweiflung und Ratlosigkeit aus.

Das Gesicht von Trainer Dubravko Prelcec (l.) drückt dessen ganze Verzweiflung und Ratlosigkeit aus.

Foto: Günther Bröde

Gegen Mitaufsteiger SV Union Halle-Neustadt setzt es für die Handball-Luchse mit 18:20 die nächste Niederlage.

Buchholz.  Woran es hapert bei den Handball-Luchsen Buchholz 08-Rosengarten in der Frauen-Bundesliga, ist hinlänglich bekannt und erneut im Aufsteigerduell in der Nordheidehalle gegen den SV Union Halle-Neustadt deutlich geworden. Es ist die miserable Chancenverwertung. Statt nach einer 2:0-Führung durch Treffer von Evelyn Schulz und Julia Herbst nachzulegen, lassen die Spielerinnen die nächsten zwei Möglichkeiten ungenutzt, stattdessen kann Halle zum 2:2 ausgleichen. Und es kommt noch schlimmer. Mit 3:8 geraten die Luchse vor 100 Zuschauern deutlich in Rückstand, weil sie auch weiterhin ihre eigenen Tormöglichkeiten nicht in Treffer ummünzen.

Zur Pause kämpfen sie sich auf 8:9 heran, doch das Versagen vor dem gegnerischen Tor bleibt auch im zweiten Durchgang das große Übel bei den Luchsen. Am Ende haben sie deshalb auch mit 18:20 das Nachsehen. „Wir hätten 4:0 führen können“, stellt Torwarttrainerin Tine Lindemann nach Spielschluss resigniert fest und Cheftrainer Dubravko Prelcec ergänzt: „Dann hätten wir das Spiel viel entspannter angehen können und wären nicht bei jedem Gegentreffer in Panik geraten.“

Prelcec machte kein Hehl daraus, dass er einigermaßen ratlos ist. „Ich weiß auch nicht, was ich noch machen soll. Ich bin mit meinem Latein am Ende“, sagte er. Hinten hui, vorne pfui, das reicht in der Bundesliga nicht, weiß keiner besser als der Handballtrainer, den es auch nicht trösten konnte, dass sein Damenteam mehr als nur ordentlich verteidigt und nur 20 Gegentreffer zugelassen hatte.

An der Misere im Angriff konnten auch Neuzugang Jessica Oldenburg und die reaktivierte Kim Land nichts ändern. Oldenburg fand bei ihrem kurzen Einsatz in der ersten Halbzeit noch keine Bindung zur Mannschaft und Kim Land war anzumerken, dass sie nach ihrem Rückzug ins Oberligateam der Luchse nur noch einmal pro Woche trainiert und so nicht wie einst die entscheidenden Akzente setzen kann. „Es braucht Zeit, sich in eine Mannschaft zu integrieren“, nahm Prelcec die beiden Hoffnungsträgerinnen in Schutz. Besonders gelte das für Jessica Oldenburg nach ihrer Babypause.

Gäste warfen fünf Tore in Serie – Luchse schauten nur zu

Nach dem 3:3 durch Marleen Kadenbach konnten die Gäste auch deshalb mit drei Toren davonziehen, weil Evelyn Schulz knapp das Tor verfehlt, Jessica Oldenburg durch einen technischen Fehler den Ballbesitz abgegeben und Kim Berndt, mit sechs Treffern beste Werferin Luchse, nur die Latte des gegnerischen Tors getroffen hatten. Nach einem weiteren Fehlversuch von Jessica Oldenburg bauten die Gäste ihre Serie zu einem 5:0-Lauf aus und lagen zehn Minuten vor der Pause mit 8:3 in Führung. Es folgte die stärkste Phase der Luchse, die bis zur Pause nur noch einen weiteren Gegentreffer zuließen und durch Sarah Lamp, zweimal Evelyn Schulz, Marleen Kadenbach und Kim Berndt endlich auch selbst erfolgreich abschließen konnten.

Prelcec: „Wir haben das Potenzial für die Bundesliga“

Weshalb Dubravko Prelcec auch davon überzeugt ist, dass die Luchse in der Eliteliga des deutschen Frauenhandballs bestehen können. „Wir haben das Potenzial für die Bundesliga“, sagte er. „Aber bis wir das abrufen können, ist es hoffentlich nicht schon zu spät.“ Das große Manko der Handballfrauen aus der Nordheide offenbarte sich gleich nach dem Seitenwechsel erneut, als Julia Herbst und Alexia Hauf jeweils nur die Latte treffen, während die Gegnerinnen zweimal hintereinander Luchse-Torhüterin Mareike Vogel überwinden können.

Bis zum 14:15 bleiben die Luchse an ihren Gegnerinnen dran. Nach dem Anschlusstreffer durch Maj Nielsen muss Mareike Vogel allerdings dreimal hinter sich greifen und den Ball aus dem Netz holen. Den Rückstand von 14:18 können die Luchse bis zum Schluss noch zum 18:20-Endstand auf zwei Treffer verkürzen; für eine erfolgreiche Aufholjagd wie so oft in der vorigen Saison in der 2. Bundesliga reichen Kräfte und Konzentration aber nicht mehr. Und mit 14 technischen Fehlern und 22 Fehlwürfen ist auch ein Spiel gegen einen Mitaufsteiger nicht zu gewinnen.

Die Luchse laufen jetzt Gefahr, in der Tabelle den Anschluss zu verlieren. Union Halle-Neustadt hatte noch vor der Abreise in die Nordheide zwei Punkte aus dem vor einer Woche abgesagten Heimspiel zugesprochen erhalten, weil Gegner Mainz 05 die Corona-Testergebnisse nicht rechtzeitig vorgelegt hatte. Nur zwei Tage haben die Handball-Luchse jetzt Zeit, sich von der Niederlage gegen Halle-Neustadt zu erholen. Schon am Mittwoch um 19 Uhr geht es weiter im DHB-Pokal-Achtelfinale ohne Zuschauer in eigener Halle gegen den VfL Oldenburg.