Harburg
Platzmangel

Polizeikommissariat Seevetal soll umziehen

Die Polizeistelle in Hittfeld wird den Standort am Vogelsang verlassen und möglicherweise nach Maschen ziehen

Die Polizeistelle in Hittfeld wird den Standort am Vogelsang verlassen und möglicherweise nach Maschen ziehen

Foto: Christiane Tauer / HA

Nach 34 Jahren soll das Kommissariat in Hittfeld aufgelöst werden. Es ist zu klein. Geplant ist ein Neubau in Maschen.

Hittfeld.  Wer vom Hittfelder Ortskern aus zur Polizei will, muss genau hinschauen. Einmal durch die enge Mühlenstraße, die Abfahrt zum noch schmaleren Vogelsang nicht verpassen – dann steht man vor einem kleinen, geduckten Gebäude, in dem seit 1982 das Polizeikommissariat Seevetal untergebracht ist.

Weil an diesem Standort eine dringend notwendige Erweiterung nicht wirtschaftlich ist, will die Polizei nun umziehen. Nach exklusiven Informationen des Abendblatts ist ein neuer Standort bereits ausgeguckt: Auf dem Sonnenblumenfeld gegenüber des großen Wohn- und Geschäftshauses an der Hamburger Straße in Maschen soll ein Neubau entstehen. Die Gespräche mit Grundstückseigentümer, Investor, Land Niedersachsen und Gemeinde laufen.

„Ja, es gibt Planungen für einen Umzug“, bestätigt Lars Nickelsen, Sprecher der Polizeiinspektion Harburg, auf Nachfrage. Mehr möchte er dazu aber nicht sagen. Auch Peter Kasper, Leiter des Polizeikommissariats in Hittfeld, hält sich aufgrund des schwebenden Verfahrens lieber bedeckt. Er könne derzeit keine Stellungnahme abgeben, erklärt er.

Gesucht wurden 1000 Quadratmeter, Stellplätze und Garagen

Dabei wäre diese Zurückhaltung eigentlich gar nicht nötig, schließlich hat die Oberfinanzdirektion Hannover über den Landesliegenschaftsfonds Lüneburg bereits Ende 2013 in einer öffentlichen Anzeige, die unter anderem auf der Internetseite der Gemeinde Seevetal stand, nach einer neuen Unterkunft Ausschau gehalten. Zur Anmietung in zentraler Lage seien im Stadtbereich Hittfeld zirka 1000 Qua­dratmeter Büroflächen sowie Stellplätze und Garagen für eine Polizeidienststelle gesucht, so der Wortlaut der Anzeige. Als Zeitpunkt wird „ab Juni 2015“ genannt.

Dass nun, im Januar 2016, kein Standort in Hittfeld im Gespräch ist, sondern einer in Maschen, könnte ein Hinweis auf eine etwas zähe Suche sein. Dabei werden Erinnerungen an den umstrittenen Polizeineubau in Tostedt wach, der vor genau zwei Jahren seine Einweihung feierte. Dort hatte es ein längeres Hin und Her um die Standort- und Finanzierungsfrage gegeben. Mal sollten die Polizisten, die ihre alte Station wegen Schimmelbefalls räumen mussten, direkt ins Tostedter Rathaus einziehen, dann in einen Erweiterungsbau am Rathaus und schließlich in einen 1,3 Millionen Euro teuren Neubau auf dem Rathausgelände.

Die Finanzierung in Tostedt übernahm die Gemeinde, sie setzte darauf, die Kosten durch die Mieteinnahmen wieder hereinzubekommen. Ein Vertrag mit einer Laufzeit von 20 Jahren zwischen Gemeinde und Land regelt das. Aus Teilen der Tostedter Politik hatte es jedoch Kritik an diesem Modell gegeben. Warum übernimmt die Gemeinde eine teure freiwillige Aufgabe, für die eigentlich das Land verantwortlich ist?, so die Frage.

Der Bau stammt aus dem Jahr 1959 und beherbergte zuvor eine Berufsschule

In Seevetal wird es dieses Modell nicht geben. Ein privater Investor soll nach Informationen des Abendblatts das Gebäude für die Polizei bauen. Die wird dann als Mieter einziehen. Svenja Mischel, Pressesprecherin des Niedersächsischen Innenministeriums, beschreibt dieses Vorgehen als keinen Einzelfall. Wenn keine geeigneten Gebäude im Landesbestand seien, erfolge eine Marktsondierung. „Der Landesliegenschaftsfonds hat landeseinheitliche Rahmenbedingungen für Mietverträge entwickelt. Auf dieser Grundlage führt er, in enger Abstimmung mit der Nutzerdienststelle, die Mietverhandlungen mit dem Vermieter und bringt sie zum Abschluss“, so die Sprecherin.

Bei dem bisherigen Polizeigebäude am Vogelsang verhält es sich bereits ähnlich. Dort ist allerdings kein privater Investor Vermieter, sondern die Gemeinde Seevetal, wie Gemeindesprecher Andreas Schmidt erklärt. Der Altbau stammt bereits aus dem Jahr 1959 und beherbergte zuvor eine Berufsschule. 1982 zog die Polizei ein und errichtete 1996 einen Erweiterungsbau. „Der Zustand des Gebäudes ist dem Alter entsprechend“, so Schmidt.

Für den Umzug war das jedoch nicht ausschlaggebend. Einzig die Platzfrage spielte eine Rolle, denn am Vogelsang müssen sich die Beamten, die dort rund um die Uhr im Einsatz sind und einen Bereich von rund 56.000 Einwohnern in Seevetal und Rosengarten verantworten, mit einer Nutzfläche von 800 Quadratmetern begnügen. Da das Baurecht eine Erweiterung in die Breite ausschließt und eine Erweiterung in die Höhe zwar zulässig, aber nicht wirtschaftlich ist, bleibt nur noch der Umzug. Der Mietvertrag mit der Gemeinde stellt in dieser Hinsicht zumindest kein Hindernis dar. „Er wird immer jährlich verlängert“, sagt Schmidt.

In der Nähe des Polizei-Standortes ist auch ein Technikmarkt geplant

Und was ist jetzt mit dem Standort auf dem Sonnenblumenfeld in Maschen? Wann wird er in trockenen Tüchern sein und den Ortsteil, der zukünftig auch ein Fachmarktzentrum erhalten könnte, weiter aufwerten? Die Gemeinde, die über die Bauplanung beteiligt ist, möchte dazu nichts Konkretes sagen. Man stehe derzeit noch vor allen offiziellen Schritten, erklärt Schmidt. Er bestätigt lediglich, dass der Grundstückseigentümer an die Verwaltung herangetreten sei. Im Raum steht zudem, dass neben der Polizei noch weitere Gebäude auf dem Areal entstehen sollen. Nach Abendblatt-Informationen soll eine Bauplanung aber an die Prämisse geknüpft sein, dass dort auch tatsächlich die Polizei hinzieht. Sollte dieser Deal platzen, wäre jede weitere Planung erstmal hinfällig.