Harburg
Seevetals Zukunft

Südliche Gemeindeteile sollen sich stärker entwickeln

Seevetals Bürgermeisterin Martina Oertzen und ihre Verwaltung wollen ein fünftes Zentrum in Seevetals Süden

Seevetals Bürgermeisterin Martina Oertzen und ihre Verwaltung wollen ein fünftes Zentrum in Seevetals Süden

Foto: Christiane Tauer / HA

Ramelsloh, Ohlendorf und Holtorfsloh sollen laut perspektivisch fünftes Zentrum werden. Der dortige Aldi-Markt ist aber endgültig vom Tisch.

Seevetal.  Die Gemeinde Seevetal betrachtet das Regionale Raumordnungsprogramm (RROP) für den Landkreis Harburg mit gemischten Gefühlen. Der zweite Entwurf des Schriftstücks, das die Siedlungs-, Versorgungs- und Infrastruktur des Kreises regelt und zu dem die Gemeinde bis zum 6. Januar ihre offizielle Stellungnahme abgeben muss, erleichtert auf der einen Seite etwa die Ablehnung von Einzelhandelsgroßprojekten, die nicht in die vorgegebene gemeindliche Struktur passen. Auf der anderen Seite müssen fortan im Einzelfall Gutachten erstellt werden, ob die Vorgaben für den Einzelhandel eingehalten werden. Das bedeutet einen erheblichen Mehraufwand bei der Planung.

„Im Kern wird Seevetal aber weiterhin als Mittelzentrum mit vier zentralen Sieldungsgebieten eingestuft“, sagt Bauamtsleiter Gerd Rexrodt. Diese vier Zentren sind Meckelfeld, Hittfeld, Maschen und Fleestedt. Perspektivisch soll dazu jedoch mit Ramelsloh, Ohlendorf und Holtorfsloh ein fünftes Zentrum hinzukommen. Die Gemeinde sieht dort ein großes Potenzial hinsichtlich der Entwicklung von neuen Wohngebieten, außerdem verknüpft sie große Hoffnungen mit der möglichen Reaktivierung der Güterumfahrungsstrecke. Die Bahnlinie führt durch dieses Gebiet und könnte einen Haltepunkt in Ramelsloh/Ohlendorf erhalten.

Vorgesehen ist, dass die bestehenden vier zentralen Bereiche eine gewisse Eigenversorgung bei den Gütern des täglichen Bedarfs wie etwa Lebensmittel oder Drogerieprodukte garantieren, erklärt Rexrodt. Sie sollen sozusagen ein in sich geschlossener Bereich ohne Austausch untereinander sein, was insbesondere bei der Ansiedlung von großflächigen Einzelhandelsprojekten eine Rolle spielt.

Dazu nennt die Verwaltung ein Beispiel: Wenn sich ein Lebensmittelsupermarkt mit einer Fläche von mehr als 1200 Quadratmeter ansiedeln möchte, zählt er als Einzelhandelsgroßprojekt und unterliegt besonderen Regularien. So darf ein solches Projekt nur in Gemeinden mit einer bestimmten Zentrenstufe, in städtebaulich integrierter Lage und nur in einer Größe errichtet werden, die dem Kaufkraftpotenzial des Gebiets entspricht. Das heißt, das Kaufkraftpotenzial muss mit der Einwohnerzahl korrelieren und nicht mehr als 30 Prozent des Umsatzes dürfen von außerhalb kommen, um andere Zentren nicht zu schädigen. Ob diese Vorgaben eingehalten werden, müssen Gemeinde oder Investor per Gutachten nachweisen.

Für die Ansiedlung von Aldi in Ramelsloh, die im vergangenen Jahr in letzter Sekunde aufgrund der Vorgaben der Raumplanung gestoppt wurde, bedeutet das das endgültige Aus. „Das ist vom Tisch, zumindest in der konzentrierten Version neben Edeka“, sagt Rexrodt. Ein paar Kilometer weiter entfernt vom bisher geplanten Standort sei der Markt aber möglich. Ob er dort jedoch sinnvoll ist, hält Rexrodt für eine andere Frage.

Die geplante Edeka-Erweiterung und der Aldi-Umzug in Hittfeld wären von den Vorgaben theoretisch jedoch nicht betroffen. „Sie wären denkbar, die Frage ist nur, in welcher Größe“, sagt Rexrodt. Es müsse vom Kaufkraftpotenzial her passen. Die Politik sei jetzt am Zuge, um über die Pläne zu entscheiden.

Darüber hinaus sieht der zweite RROP-Entwurf keine offiziellen zentralen Versorgungskerne innerhalb der gemeindlichen Zentren mehr vor. Damit sind die innerörtlichen Einkaufszonen wie beispielsweise die Kirchstraße in Hittfeld oder die Schulstraße in Maschen gemeint. „Die Gemeinde kann nun selbst entscheiden, wo die Versorgungskerne sind“, sagt Rexrodt. Er wertet das als Vorteil, denn so erhält Seevetal mehr Gestaltungsfreiheit bei konkreten Ansiedlungswünschen.

Eine weiterer Punkt ist die Windenergie. Das RROP sieht in seinem zweiten Entwurf für den vorgesehenen Windenergiestandort am Rübenberg zwischen Horst und Ohlendorf zwar formal keine Überschneidung mehr mit der Ökokontofläche der Gemeinde vor. Trotzdem fürchtet Seevetal allein aufgrund der räumlichen Nähe eine Entwertung der Ökokontofläche. „Da werden wir dagegen stimmen“, kündigt Rexrodt an.