Harburg

Fahnenappell, nein danke

Die Ideen des FDP-Integrationsbeauftragten Serkan Tören stoßen in Harburg nur auf wenig Verständnis

Harburg/Winsen. Das Sommermärchen ist zwar vorbei, doch die Bilder von den deutschen Fans während der Fußball-WM haben nachhaltig Eindruck hinterlassen. Vor allem regen die schwarz-rot-goldene Fahnen schwenkenden jungen Leute in den Trikots der deutschen Nationalmannschaft und mit in den Landesfarben geschminkten Gesichtern die Fantasie bei Politikern an.

So fordert etwa der FDP-Bundestagsabgeordnete und integrationspolitische Sprecher seiner Fraktion, Serkan Tören aus Stade, einen gesunden Patriotismus für Deutschland unter Einwanderern. Das fördere den gesellschaftlichen Zusammenhalt und sei eine Bereicherung für das Land, schreibt er auf seiner Internetseite. "Es ist großartig, so viele Menschen mit Migrationshintergrund zu sehen, die die deutsche Nationalfahne während der WM in der Hand hielten. Im Nachgang dazu sollten wir diese integrative Wirkung nutzen", so der Abgeordnete.

Er schlägt deshalb das gemeinsame Singen der Nationalhymne für Kinder mit Migrationshintergrund sowie einen Fahnenappell an Schulen zu bestimmten Feiertagen vor, und dass das Bild des Bundespräsidenten an den Wänden in Klassenzimmern hängen sollten.

Die Rundschau fragte beim Harburger-Bundestagsabgeordneten GAL, Manuel Sarrazin und dem CDU-Bundestagsabgeordneten für den Landkreis Harburg, Michael Grosse-Brömer, nach, was sie davon halten.

Manuel Sarrazin: "Die Sache mit dem Fahnenappell hatte ein Harburger Bezirksabgeordneter doch früher schon einmal zur Forderung erhoben. So etwas hat doch an einer Schule überhaupt nichts verloren. Ein Fahnenappell hat doch überhaupt keine integrative Wirkung." Und ein Foto des Bundespräsidenten im Klassenzimmer? "Wenn ein Foto vom Bundespräsidenten Christian Wulff hängen sollte, dann plädiere ich als Grüner dafür, dass daneben ein Foto unseres Bundesvorsitzenden Cem Özdemir zu sehen ist", sagt Sarrazin.

Sarrazin hat eine andere Sichtweise als Serkan Tören.. Sarrazin: "Für die vielen jungen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland gab es doch eine ganz klare Botschaft dieser WM. In der Deutschen Nationalmannschaft spielten ebenso junge Leute mit Migrationshintergrund. Und die spielten erfolgreich. Und deshalb brachen alle in Begeisterung aus und waren stolz auf die Leistung dieser deutschen Mannschaft." Wenn das Thema Schule angesprochen wird, dann gibt es seiner Meinung nach keinen Anlass zu patriotischem Hochgefühl. Sarrazin: "Integration ist mehr als Schwarz-Rot-Gold. Nichts ist überwunden, solange es Menschen mit Migrationshintergrund an Schulen in Deutschland schwerer haben als die anderen."

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Grosse-Brömer sagt: "Ich bin für einen gesunden Patriotismus, wenn man ihn nicht nur über die Verfassung sondern ihn auch über die emotionale Seite erfährt. Fahnenappelle gehören nicht in diese Zeit. Man muss Patriotismus erleben und leben. Ich freue mich, dass sich zurzeit der Fußball WM so viele Deutsche mit Migrationshintergrund mit Schwarz-Rot-Gold kostümiert haben oder auch die Bundesfahne geschwenkt haben. Unsere junge Nationalmannschaft mit Spielern unterschiedlichster Herkunft hat ein Gefühl der Zusammengehörigkeit ausgelöst. Junge Menschen gehen mit dem Gefühl der Zusammengehörigkeit unkompliziert um. Dazu muss auch kein Foto des Bundespräsidenten neben der Wandtafel hängen. Obwohl: Wir Niedersachsen sind natürlich besonders stolz, dass unsere früherer Ministerpräsident Christian Wulff jetzt Bundespräsident ist."