Verkehr

Park-and-ride-Haus Langenhorn gescheitert

Foto: Kleta Architekten

Autohaus Wichert stellt Planungen ein, weil Anwohner wegen Lärms geklagt hatten. Politiker fühlen sich hintergangen. Bei der P+R-Betriebsgesellschaft ist man nicht überrascht von der Wendung.

Hamburg. Die Bürgerinitiative Stockflethweg aus Langenhorn hat ihr Ziel erreicht. Auf dem Gelände der Wichert-Welt an der Langenhorner Chaussee wird es kein Park-and-ride-Haus geben. Langenhorn. Gegen die damit verbundene Verkehrs- und Lärmbelästigung hatte die Initiative geklagt und im April einen mehrwöchigen Baustopp durchgesetzt. Mittlerweile ist das Parkhaus fast fertig. Obwohl die P+R-Anlage Bestandteil für die Baugenehmigung des Audi-Zentrums mit angeschlossenem Einkaufszentrum gewesen war, teilte Wichert-Geschäftsführer Bernd Glathe der P+R-Betriebsgesellschaft nach deren Aussage schon im November mit, dass sein Unternehmen „nicht mehr an einer Vermietung interessiert“ sei.

"Eine P+R-Anlage in ein Wohngebiet zu integrieren ist schwierig", sagt Glathe auf Abendblatt-Nachfrage. "Wir haben mit den zuständigen Behörden darüber gesprochen, dass es keine vernünftige Lösung gibt, und einen Antrag auf Nutzungsänderung gestellt." Der Betrieb der rund um die Uhr geöffneten Anlage hätte nachts die Lärmgrenze überschriten. Das hätte den Stress mit den Nachbarn fortgesetzt, die das von der Stadt gewünschte P+R-Haus und die Zufahrt an dem Standort ablehnten. "Dabei wollen wir doch friedlich miteinander leben", so der Audi-Händler.

Bei der P+R-Betriebsgesellschaft ist man nicht überrascht von der Wendung. "Das hat sich abgezeichnet; die Auseinandersetzungen mit den Nachbarn waren ja bekannt", sagt Geschäftsführer Heino Vahldieck. Dennoch: "Wir sind immer davon ausgegangen, dass es einen Zusammenhang zwischen der Baugenehmigung und der Nutzung des Parkhauses als P+R-Anlage gab." Für 30 Jahre wollte seine Gesellschaft das Parkhaus mit den 330 Stellplätzen übernehmen, die Miete von insgesamt fünf Millionen Euro wären bei Übernahme fällig gewesen.

Doch auch hier konnten sich die Verhandlungspartner letzlich nicht einigen. So soll die P+R-Betriebsgesellschaft immer wieder Änderungen gefordert haben, etwa die Verbreiterung der Stellflächen auf 2.50 Meter, eine Verbreiterung der Fahrstuhltüren sowie ein Büro für die Bediensteten. Auch die Kosten, die der Haushaltsausschuss genehmigen musste, sorgten für Diskussionen. „Das Parkhaus musste deshalb mehrfach überplant werden“, so Glathe. „Wir haben die Wünsche aber stets berücksichtigt und in den Planungen umgesetzt.“

Für Bernd Glathe ist der Rückzieher gerechtfertigt. "Wir wären der Verpflichtung, die auf einen Senatsbescheid von 1996 zurückgeht, gerne nachgekommen. Doch wenn es rechtlich nicht umzusetzen ist, etwa wegen Lärms, geht es halt nicht." Das Autohaus hatte das Grundstück an der Ecke Langenhorner Chaussee/Stockflethweg 1999 gekauft. Nach langen Planungen wurde im Dezember 2012 die Baugenehmigung erteilt – gekoppelt mit gleich mehreren Auflagen. So musste Wichert entlang der U-Bahn-Gleise einen 720 Meter langen Weg für Fußgänger und Radfahrer anlegen sowie eine 70 Meter lange, für Schwerlastverkehr geeignete Straße inklusiv Wendehammer, damit ein Trafohaus der Hochbahn gegebenenfalls mit neuen Trafos bestückt werden kann.

Ein Schwerpunkt lag aber auf dem P+R-Haus. "Ohne das Zugeständnis, eine solche Anlage zu bauen, wäre dem Investor der Riesenkomplex nie genehmigt worden", sagt Axel Kloebe von der FDP Hamburg-Nord. Er spricht von "maßgeschneiderten Gebäuden", die andere hier nie hätten bauen dürfen. Die Kommunalpolitik sei erst mit ins Boot geholt worden, als die ersten Verabredungen schon getroffen worden waren. "Die Behörden hätten sich am Anfang die Zeit nehmen müssen, einen neuen Bebauungsplan aufzustellen", so Kloebe weiter. "Das hätte die Bauzeit etwas verlängert, aber dafür hätte man sicherlich eine bessere Zuwegung gefunden als die jetzige."

Die wird durch das Aufgeben der Park-and-ride-Haus-Pläne künftig zwar weniger stark frequentiert. Doch sie ist die einzige Zufahrt zu dem großen Autohaus – und daher können sich die Anwohner über ihren Sieg gar nicht so richtig freuen. Zudem ist ihnen die Wichtigkeit einer P+R-Anlage an dem Standort bewusst. Die Initiative fordert daher ein zweigeschossiges P+R-Haus mit direkter Anbindung an die Langenhorner Chaussee, das über dem U- oder dem Busbahnhof errichtet werden könnte. Dabei müsse nach Meinung Glathes aber bedacht werden, dass die geamte südliche Seite des Bahnkörpers ein reines Wohngebiet mit Einzelhausbebauung ist. Zudem bestehe weiterhin die Problematik mit der Zu- und Abfahrt von der Langenhorner Chaussee aus. Sie würde über den stark frequentierten Fußweg vor der U-Bahn-Station Ochsenzoll führen und wurde daher bislang abgelehnt.