Öffentlicher Nahverkehr

Switchh-Punkte sorgen für Kritik - aber nur in Eppendorf

Bis Jahresende können Hamburger an sieben Mobilitätsstationen einfach zwischen U-Bahn, Auto und Fahrrad umsteigen. Proteste gibt es an der U-Bahn-Station Kelinghusenstraße. Dort fallen elf öffentliche Parkplätze weg.

Hamburg. Aus grau wird grün, da reibt sich manch einer die Augen. Bis zum Jahresende sollen die insgesamt sieben Mobilitätsservicestellen an Verkehrsknotenpunkten in Hamburg fertig ausgebaut sein. Derzeit laufen die Bauarbeiten zum neuen switchh-Punkt in Winterhude. Direkt vor der U-Bahn-Haltestelle Saarlandstraße werden sechs Stellplätze für Car2to-Wagen, fünf für Mietfahrzeuge und drei für Taxen geschaffen – deutlich sichtbar markiert wird das Angebot durch grün gestrichenen Asphalt und entsprechende Beschilderung. In unmittelbarer Nähe gibt zudem eine StadtRad-Station. Geplanter Termin für die Inbetriebnahme ist November.

Hinter dem Mobilitätsangebot Switchh stehen die Hamburger Hochbahn, der Carsharing-Anbieter Car2go und die Autovermietung Europcar. Seit Mai 2013 können Kunden sich über das Internet oder eine Smartphone-App Informationen über die beste Verbindung im Öffentlichen Nahverkehr der Stadt anzeigen lassen. Auch die Taxivermittlung myTaxi ist enthalten. Derzeit gibt es 2300 registrierte switchh-Kunden, die neben den allgemein zugänglichen Informationen auch Vergünstigungen erhalten.

Sogenannte Switchh-Punkte gibt es bislang am Berliner Tor, in Bergedorf, Harburg, Eppendorf und am Wandsbeker Markt. Bauarbeiten laufen derzeit außer an der Saarlandstraße noch am Bahnhof Altona. Nach Angaben der Verkehrsbehörde werden dafür 33 bislang öffentliche Parkplätze in grüne switchh-Flächen umgewidmet.

Besonders betroffen ist der Mobilitätspunkt an der Goernestraße, der seit Anfang Oktober in Betrieb ist. Die U-Bahn-Haltestelle Kellinghusenstraße mit Umstiegmöglichkeiten zwischen U 1 und U 3 wird täglich von 80.000 Fahrgästen genutzt, außerdem halten dort mehrere Buslinien. Im Zuge des Umbaus wurde der bestehende Parkraum vor dem Holthusenbad komplett umgewidmet. Dort stehen jetzt elf Switch-Stellplätze zur Verfügung.

Das sorgt auch für Ärger. „Das Chaos ist ausgebrochen“, sagt ein Anwohner und berichtet von deutlich längerer Parkplatzsuche. Besucher des Holthusenbads parkten wild rund um das beliebte Schwimmbad. Moniert wird auch, dass die grünen Switchh-Flächen oft leerstehen.

Kritik an dem Konzept weist Hochbahn-Sprecher Christoph Kreienbaum jedoch zurück. „Ganz grundsätzlich gilt: Je attraktiver ein Standort, desto schneller fahren die Fahrzeuge ab. Wir haben gerade ein Gespräch mit unseren Partnern geführt, damit Fahrzeuge auch bedarfsgerecht zugefahren werden.“ Zudem müsse man auch den Umfang der Switchh-Plätze in ganz Hamburg im Verhältnis zu den öffentlichen Flächen sehen. In der Hansestadt gibt es laut Verkehrsbehörde mehr als 20.000 Pkw-Stellplätze.

Die Switchh-Punkte seien ein Angebot an alle Verkehrsteilnehmer, betont auch die Sprecherin der Verkehrsbehörde, Susanne Meinecke. „Mobilität ist ein wichtiger Faktor. Wir wollen den Bürgerinnen und Bürgern ein gutes Angebot machen. Entscheidend ist dabei die optimale Gestaltung der Verknüpfungspunkte von Fuß- und Radverkehr, ÖPNV, CarSharing und motorisiertem Individualverkehr.“ Derzeit sei ein Wandeln in der Stadt in Gang. Immer mehr Hamburger nutzten Carsharing-Angebote und verzichteten auf ein eigens Fahrzeug. Car2go hat nach eigenen Angaben derzeit 80.000 aktive Kunden in Hamburg. Seit einigen Monaten ist zudem das Angebot DriveNow auf dem Markt.