Verkehr

"Lärm macht krank": Tempo 30 am Winterhuder Marktplatz?

Nachts soll es auf Winterhudes Straßen langsamer zugehen, fordert die Grünen-Fraktion im Bezirk Hamburg-Nord. Ihr Ziel: weniger Lärm.

"Tempo 50“ heißt es derzeit für Autofahrer, die den Winterhuder Marktplatz passieren. Tags wie nachts. Das könnte sich jedoch bald ändern. Die Grünen-Fraktion im Bezirk Hamburg-Nord hat am vergangenen Donnerstag in der Bezirksversammlung einen Antrag auf nächtliche Temporeduzierung gestellt.

"Wir wollen eine Verminderung auf Tempo 30 für die Zeit von 22 bis 6 Uhr“, sagt Kai Elmendorf, Bezirksabgeordneter der Grünen-Fraktion. Die Vekehrsberuhigung soll für die Strecke von der U-Bahn-Brücke an der Hudtwalkerstraße über den Winterhuder Marktplatz bis zur Einmündung der Dorotheenstraße an der Barmbeker Straße gelten.

"Gerade nachts beeinträchtigt Lärm alle Menschen“, so Elmendorf. "Im Herzen Winterhudes ist der Lärm immer ein Problem – schon wegen des enormen Verkehrsaufkommens, das eine Verbesserung der Verhältnisse erschwert. Doch zumindest nachts, wenn weniger Verkehr vorhanden ist, sollte versucht werden, die Anwohner zu entlasten.“

Großstadt ohne Lärm – geht das? "Natürlich wissen wir, dass Lärm zu einer Großstadt gehört“, sagt Elmendorf. "Aber wenn es Bereiche gibt, in denen wir Bürgern etwas Ruhe zurückgeben können, setzen wir uns dafür ein.“

+++ Bürger entwickeln Lösungen für Verkehrsprobleme +++

Über den Anlass der Grünen-Pläne sagt der Bezirkspolitiker: "Lärm macht krank, das Risiko zum Beispiel für Herzinfarkte erhöht sich, und eine Reduzierung der Geschwindigkeit kann helfen, die Lärmbelastung zu verringern.“

Bereits 2009 wurden in Hamburgs Bezirken sogenannte Lärmforen veranstaltet. Sie hatten die Ermittlung der Lärmbelastungen in den einzelnen Bezirken zum Ziel. Seit November desselben Jahres belegt eine gutachterliche Bewertung des Lärmforums im Bezirk Hamburg-Nord, dass der Winterhuder Marktplatz eine "sehr hohe Lärmrelevanz“ aufweist.

"Mit unserem Antrag greifen wir dieses Ergebnis auf und wollen Abhilfe schaffen“, so Elmendorf.

+++ Grüne beteiligen Bürger an Verkehrspolitik +++

Die Grünen-Pläne stießen auf breite Zustimmung in der Bezirksversammlung Hamburg-Nord (SPD: 24 Sitze, CDU: 12, Grüne: 9, Die Linke: 3 und FDP: 3), einzig die CDU-Fraktion unterstützte den Antrag nicht. Hauptbegründung für die Ablehnung der Grünen-Pläne durch die CDU-Abgeordneten ist die mutmaßliche Einschränkung der Verkehrsteilnehmer durch einen "zusätzlichen Schilderwald" für wenige hundert Meter Verkehrsberuhigung. Die stehe in keiner Relation.

"Wir sehen diese Idee sehr kritisch", so Christoph Ploß von der CDU-Bezirksfraktion Hamburg-Nord. "Auch weil wir nicht damit rechnen, dass sich ein positiver Effekt bei der Lärmreduzierung einstellt. Aus unserer Sicht wären die Ausgaben, die für die Temporeduzierung notwendig würden, eine Verschwendung von Steuergeldern. Wir würden die Verkehrssituation so belassen, wie sie jetzt ist."

"Trotz der großen Unterstützung, auf die unser Antrag in der Bezirksversammlung getroffen ist, rechnen wir nicht mit einer schnellen Lösung des Lärmproblems“, so Elmendorf. "Der Antrag wurde zur weiteren Beratung in den Regionalausschuss überwiesen. Im besten Fall greift die Temporeduzierung in frühestens einem halben Jahr.“ (mb)