Cruise Days

Blue Port: Aufstand gegen Gebühr für Hobby-Fotografen

Der Hamburger Hafen als "Blue Port".

Der Hamburger Hafen als "Blue Port".

Foto: Markus Scholz / dpa

Für ein Selfie vom blau erleuchteten Hafen sollten Facebook- und Instagram-Nutzer 28 Euro zahlen. Die VG Bild-Kunst stellte Rechnungen.

Hamburg. Eine Lichtinstallation taucht den Hamburger Hafen und weitere Wahrzeichen derzeit in tiefes Blau. Alle zwei Jahre locken die Cruise Days bis zu 500.000 Hamburger und Touristen an die Landungsbrücken, von denen wohl viele den Anblick des Blue Port mit dem Smartphone oder der Kamera festhalten. Wer ein Foto von der blau beleuchteten Skyline der Stadt in den sozialen Netzwerken geteilt hat, musste in den vergangenen Tagen aber eine satte Rechnung dafür erwarten. Das sorgte für heftige Kritik am Künstler. Doch nun rudert Michael Batz zurück.

Besucher, die in den vergangenen Tagen Fotos vom blau beleuchteten Hafen auf Facebook oder Instagram hochgeladen haben, erhielten nur kurz darauf ein überraschendes Schreiben: Gut 28 Euro pro Foto sollten sie für die Veröffentlichung an die zuständige Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst abtreten. Anders als in den vergangenen Jahren sollte ein Schnappschuss vom blau erleuchteten Hafen nun also Geld kosten.

Nachvollziehen können das nur wenige Betroffene, handelt es sich doch um Kunst im öffentlichen Raum, eine gar "spektakuläre Lichtinszenierung", wie die Stadt Hamburg auf ihrer Website für die Kunstaktion wirbt, die den Cruise Days schon seit vielen Jahren ihr farbiges Antlitz verleiht.

Foto-Gebühr: Fotografen riefen zum Boykott des Blue Port auf

Allen voran hatte sich der Hamburger Verlag Ankerherz in einem Post auf Facebook über diese Handhabung empört und andere Menschen davor gewarnt. "Eine Frage an die Stadt Hamburg und den Künstler Michael Batz: Geht's eigentlich noch?", schreibt der Verlag. "Eine ganze Stadt, unsere Stadt als Kulisse nehmen – und so abkassieren?" So könne man eine schöne Idee auch zerstören, schließt der Verlag. Fotografen riefen in der Folge zum Boykott der Installation auf.

Bezwecken wollte Michael Batz das nicht. "Ich habe in den vergangenen Jahren aber erlebt, dass professionelle Fotografen mit der Installation Geld verdient haben, etwa mit Leindwanddrucken. Eine Anfrage bei der VG Bild-Kunst hat ergeben, dass es dafür und auch für die Nutzung in sozialen Netzwerken eine Rechtelage gibt", sagt Batz dem Abendblatt. Die Stadt habe daher einen Hinweis zu den Abbildungsrechten auf ihrer Website platziert.

Sie zahlt auch den Sockelbetrag des Projekts, sofern Batz die Beleuchtung bis zum Ende der Cruise Days stehen lässt – zehn Tage lang insgesamt. Die restlichen Kosten von circa 300.000 Euro beschafft der Künstler bei Unternehmen und anderen Förderern selbst.

Mehr als hundert Objekte, darunter Gebäude, Terminals, Kräne, Anleger und Schiffe zwischen Elbbrücken und Övelgönne illuminiert Batz während der Cruise Days. Er trägt damit nach Auskunft der VG Bild-Kunst auch die Rechte an dessen Abbildung. "Da es sich bei der Lichtinstallation um ein urheberrechtlich geschütztes Kunstwerk handelt, ist die Reproduktion dessen lizenz- und kostenpflichtig", teilte die VG Bild-Kunst mit.

Darum durften Fotos vom Blue Port nicht veröffentlicht werden

Die sogenannte Panoramafreiheit, die es gestattet, Kunst an öffentlichen Plätzen und Wegen zu vervielfältigen, gelte hier nicht, teilte bis Mittwochmorgen auch die Stadt im Internet mit. Denn es handele sich beim Blue Port nur um eine temporäre, keine bleibende, Kunstinstallation. Damit sei auch die Veröffentlichung von Fotos in den sozialen Netzwerken untersagt.

"Jeder soll Spaß haben und Fotos vom Hafen und dem Blue Port Freunden und Verwandten zeigen, verbieten möchte ich das nicht", betont Batz, der Schiffe und Gebäude im Hafen seit 2008 regelmäßig beleuchtet und für sein künstlerisches Schaffen in den vergangenen Jahren mehrere Auszeichnungen erhalten hat. "Der Blue Port soll den Menschen vor allem Freude machen. Er ist eine Hommage an Hamburg!“

Um dem Ärger den Wind aus den Segeln zu nehmen, hat Batz nun mit der Hamburg Tourismus GmbH eine Abmachung getroffen: "Hobbyfotografen ist es nun erlaubt, Fotos davon für eine nicht-kommerzielle Nutzung in sozialen Netzwerken zu veröffentlichen, ohne dass eine Lizensierung durch die VG Bild-Kunst notwendig ist", sagt Batz. Seit Mittwochmittag steht ein entsprechender Hinweis im Netz. Dort können Besucher nun auch an einem Gewinnspiel teilnehmen – mit dem schönsten Foto vom Blue Port.