Umweltschutz

Kreuzfahrtschiff „Aidaperla“ bekommt weltgrößte Batterie

Das Kreuzfahrtschiff AIDAperla, der Reederei Aida Cruises, liegt hier am Steinwerder Kreuzfahrt Terminal und kann
wegen des Sturmes nicht auslaufen.

Das Kreuzfahrtschiff AIDAperla, der Reederei Aida Cruises, liegt hier am Steinwerder Kreuzfahrt Terminal und kann wegen des Sturmes nicht auslaufen.

Foto: Klaus Bodig

Der Reiseveranstalter Aida steigt in die Elektroschifffahrt ein. Bis zu 60 Minuten kann der Meeresriese ohne Dieselmotoren fahren.

Hamburg. Es ist nur ein erster Schritt. Aber diesem werden weitere folgen, und vielleicht entwickelt sich hier eine saubere Lösung für die Kreuzschifffahrt: Deutschlands größter Anbieter für Urlaubsreisen auf See, Aida Cruises, steigt in die Elektrifizierung seiner Flotte ein. Eines der neuen Kreuzfahrtschiffe des Unternehmens mit Sitz in Hamburg und Rostock, die „Aidaperla“, wird im kommenden Jahr mit Lithium-Ionen-Batterien eines norwegischen Herstellers ausgestattet. Das teilte das Unternehmen am Dienstag mit.

Das 300 Meter lange Schiff mit Platz für 4000 Passagiere erhält ein Batteriepack mit einer Gesamtleistung von zehn Megawatt. Das sei das bisher größte Batteriespeichersystem, mit dem ein Passagierschiff ausgestattet wird. Damit wird es theoretisch möglich, dass die „Aidaperla“ für eine kurze Zeitspanne von etwa 30 bis 60 Minuten ihre Dieselmotoren abschalten und mit Strom fahren kann.

Zum Vergleich: Die Batteriesysteme, die Scandlines auf seinen Hybridfähren auf der Vogelfluglinie zwischen Puttgarden und Rødby einsetzt, liefern eine Leistung von etwa 1,5 Megawatt. Und auch das Batteriesystem des neuen Expeditionskreuzfahrtschiffs der Hurtigruten, MS „Roald Amundsen“, das Hamburg erst vor Kurzem bei seiner Jungfernfahrt besuchte, kommt über eine elektrische Leistung von drei Megawatt nicht hinaus.

Aufladung mit Landstrom oder im Seebetrieb

Die Batterien des norwegischen Herstellers Corvus Energy werden in Bergen gefertigt und an Bord der „Aidaperla“ gebracht. Einen entsprechenden Liefervertrag hat Aida-Präsident Felix Eichhorn mit Corvus Energy in der vergangenen Woche geschlossen. Installiert werde der Batteriesatz, der etwa 100 Quadratmeter Platz braucht, auf dem Maschinendeck während des Fahrbetriebs. „Es sind keinerlei Umbauten notwendig. Schon bei der Konzeption des Schiffes wurde der Raum berücksichtigt“, sagte Aida-Sprecher Hans-Jörg Kunze. Anders gesagt: Für die 1643 Kabinen, zwölf Restaurants, etlichen Bars, dem Klettergarten, den Pools und Riesenrutschen sowie der Minigolfanlage an Bord geht kein Platz verloren. Die Aufladung der Batterien kann mit Landstrom erfolgen oder während des Seebetriebs.

Die „Aidaperla“ bietet derzeit wöchentlich ab Hamburg Rundreisen durch Nordeuropa an und wird am kommenden Sonnabend bei den Cruise Days die Parade im Hafen anführen. Sind die Speicherkapazitäten im kommenden Jahr erst einmal in Betrieb, kann die Energie daraus über einen längeren Zeitraum, etwa während der Hafenliegezeit oder bei Schiffsmanövern im Hafen, zugeschaltet werden und die Leistung der Dieselmotoren unterstützen.

Konkurrenz gerät unter Zugzwang

Dadurch wird der Verbrauch von fossilem Treibstoff ersten Annahmen zufolge um mehr als fünf Prozent gesenkt und die Effizienz des Schiffsbetriebs gesteigert. Dass das Schiff komplett mit Stromantrieb die Elbe hinauffährt, ist aber angesichts des hohen Energieverbrauchs an Bord noch nicht zu erwarten. „Davon sind wir noch ein Stück entfernt“, hieß es aus dem Unternehmen. Angesichts dessen, dass ein Kreuzfahrtschiff dieser Größe selbst wenn es ruhig im Hafen liegt, etwa fünf Megawatt Energie pro Stunde verbraucht, ist der vollelektrische Betrieb also noch Zukunftsmusik.

Dennoch setzt das Unternehmen in der Klimadebatte wieder ein Zeichen – und die Konkurrenz unter Zugzwang. Im Jahr 2016 hat Aida als erstes Unter­nehmen mit der „Aidaprima“ einen Dual-Fuel-Motor eingebaut, der während der Liegezeit im Hafen mit flüssigem Erdgas (Liquefied Natural Gas, LNG) betrieben werden kann. LNG ist als weniger umweltbelastender Treibstoff bekannt. Schwefel fällt bei der Verbrennung praktisch gar nicht an, Rußpartikel werden im Vergleich zu herkömmlichen Kraftstoffen um bis zu 95 Prozent reduziert, Stickoxide um 80 Prozent. Da bei Kreuzfahrtschiffen während der Liegezeit im Hafen die Maschinen viel Energie liefern müssen, weil der Hotelbetrieb weiterläuft, ist die Reduktion der Luftbelastung mit dem neuen System groß.

Der Einsatz ist als Test gedacht

Ebenfalls als Vorreiter erwies sich Aida Cruises mit der 2018 in Dienst gestellten „Aidanova“, dem weltweit ersten Kreuzfahrtschiff, das vollständig mit dem emissionsarmen Flüssiggas betrieben werden kann. Dafür erhielt das Schiff den Blauen Engel, das Umweltzeichen der Bundesregierung, und landete zudem bei der kreuzfahrtkritischen Umweltschutzorganisation Nabu auf Platz eins des diesjährigen Kreuzfahrtschiffsrankings.

Der Einsatz des Batteriesystems in der „Aidaperla“ erfolgt erst einmal als Test. Es sei aber geplant, die Erkenntnisse aus dem Pilotbetrieb auch in die Nutzung von Batteriesystemen an Bord weiterer Kreuzfahrtschiffe von Aida und dem Mutterkonzern Costa Crociere einfließen zu lassen, teilte das Unternehmen mit.

Es ist wie gesagt nur ein erster Schritt. Man darf aber gespannt erwarten, wie der Rest der Branche darauf reagiert. Denn immer mehr Städte wehren sich gegen die großen Luftverschmutzer an ihren Kaianlagen. Und in Norwegens Fjorde dürfen Schiffe mit Schweröl von 2026 an nicht mehr einfahren.