Hamburg

Rund um die Binnenalster wird Hamburg herausgeputzt

So soll der Neue Jungfernstieg laut dem Gestaltungskonzept aussehen

So soll der Neue Jungfernstieg laut dem Gestaltungskonzept aussehen

Foto: Bruun & Möllers Landschaftsarchitekten / Bezirksamt Mitte

2019 startet der Umbau am Ballindamm, dann folgt der Neue Jungfernstiegs. Und am Jungfernstieg wird der Radweg verlegt.

Hamburg.  Der Ballindamm soll für rund 6 Millionen Euro saniert werden. Fuß- und Radwege werden getrennt und deutlich großzügiger. So soll der Ballindamm zum „Boulevard“ werden. Noch in diesem Jahr starten bauvorbereitende Maßnahmen wie Bodenuntersuchungen, in der ersten Jahreshälfte 2019 der eigentliche Bau, für den etwa ein Jahr veranschlagt ist. Parallel laufen aber bereits die Planungen für den nächsten Coup in der City: Die Neugestaltung des Neuen Jungfernstiegs am gegenüberliegenden Ufer der Binnenalster. Auch vor dem Hotel Vier Jahreszeiten wird die Stadt also aufgemöbelt.

„Wir sind an der Binnenalster bisher deutlich unter den Möglichkeiten der Uferstraßen geblieben und wollen die Wasserlagen jetzt so gestalten, dass die Schönheit der Alster auch zur Geltung kommt“, sagte der Bezirksamtsleiter von Hamburg-Mitte, Falko Droßmann (SPD), dem Abendblatt. Nach den derzeitigen Planungen würde sich der Umbau des Neuen Jungfernstiegs an die Gestaltung des Ballindamms anlehnen. Einen Zeitplan für den Neuen Jungfernstieg gibt es aber noch nicht.

Breite Fußwege für Flaneure und Außengastronomie

Am Ballindamm wird auf der Wasserseite ein gut sieben Meter breiter Fußweg entstehen, auf der Häuserseite wird dieser etwa sechs Meter breit. 2,25 Meter breite Radfahrstreifen neben der Fahrbahn werden den heutigen Dauerkonflikt zwischen Radlern und Fußgängern entzerren. Auch entsteht mehr Platz für Außengastronomie. Vor allem in der Abendsonne werde der Ballindamm an Anziehungskraft gewinnen, sagte Droßmann.

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Auch am Neuen Jungfernstieg werden die Radwege demnach auf die Straße verlegt. Der wasserseitige Fußweg wird deutlich großzügiger, die Parkmöglichkeiten und Lieferzonen auf der den Häusern zugewandten Seite in den Gehweg integriert. Dafür entfallen Parkplätze auf der Wasserseite, um den Blick auf die Alster nicht zu verstellen und Raum zu gewinnen für die Bäume und einen einladenden Ufer-Boulevard. Er soll die Fußgänger zwischen den beiden Baumreihen führen und ihnen zur Wasserseite hin immer wieder Bänke oder Sitzgruppen anbieten, die die Baumreihe am Wasser ergänzen.

„Radfahren am Ballindamm ist derzeit lebensgefährlich“

„Nach der Präsentation der Pläne für den Ballindamm im letzten Jahr sind die Grundeigentümer vom Neuen Jungfernstieg auf uns zugekommen und wollten auch für ihre Straße eine ansprechende Gestaltung“, sagte Droßmann. Die Infrastruktur rund um die Binnenalster sei derzeit nicht optimal. Der Gehweg müsse wieder „in einen ordentlichen Zustand versetzt“, ein „schöner Weg entlang der Alster geschaffen“ werden. Es gehe auch um den Erhalt von Parkplätzen. Aber es sei notwendig, Rad- und Fußwege klar zu trennen und die hohe Aufenthaltsqualität am Ufer zu nutzen, statt sie wie bisher mit Busparkplätzen und zu engen Wegen zu belasten. Aufgabe der Planungen sei es, „alles unter einen Hut zu bekommen“, sagte Droßmann. Er sei optimistisch, dass das gelingen werde. Derzeit sei das Radfahren am Ballindamm „lebensgefährlich“.

Im Zuge des Baus am Ballindamm wird zusätzlich noch der Radweg am (alten) Jungfernstieg vor dem Alsterpavillon auf die Straße gelegt. Derzeit verläuft er auf dem Gehweg, was für regelmäßige Konflikte mit Fußgängern sorgt.

Würdiges Wasser statt Partyschiffe

Ein Gegenentwurf zu den CDU-Vorschlägen für die Binnenalster sei das Konzept nicht, sagte Droßmann. Die Union wollte Partyschiffe und Cafés aufs Wasser bringen, um die gute Lage besser zu nutzen. Droßmann: „Der Vorschlag kam ein halbes Jahr nach der Präsentation unserer Pläne für den Ballindamm. Es gibt im wesentlichen zwei Gründe, die dagegen sprechen: Erstens wollen wir nicht aufs Wasser bauen, wenn noch nicht einmal die Landseite in Ordnung ist. Zweitens wollen wir der Schönheit des Wassers nicht die Würde nehmen und sie zubauen.“

Die Stadt zahlt Straße, Radweg, die Sanierung der Grünflächen und die „Senatsplatte“ für den Gehweg (graue Betonplatten 50x50 Zentimeter). Alles, was darüber hinaus geht und qualitativ ansprechender werden soll, müssen die Grundeigentümer tragen. Das sind am Ballindamm 1,2 Millionen Euro, am Neuen Jungfernstieg würden 700.000 Euro von den dann 3,4 Millionen Euro Gesamtaufwand fällig. Derzeit ist noch offen, wie sich die Grundeigentümer am Neuen Jungfernstieg entscheiden und ob sie, wie am Ballindamm, einen eigenen Business Improvement District (BID) bilden oder schon bestehende Strukturen nutzen.