St. Georg

Erneute Protestaktion für Buchhandlung Wohlers

Auf einer offenen Bühne am Hansaplatz kann am Donnerstag jeder drei Minuten für den Erhalt der Buchhandlung und gegen den MIetenwahnsinn reden.

Hamburg. Seit Monaten fordern Anwohner in St. Georg: "Wohlers bleibt!" Gemeint ist damit die in dritter Generation geführte Buchhandlung Dr. R. Wohlers & Co, die zum Jahresende schließen muss. Eine Mietsteigerung um knapp 300 Prozent ließ Inhaber Jürgen Wohlers keine Wahl: Nach 79 Jahren an der Langen Reihe steht sein Traditionsgeschäft vor dem Aus.

Viele Bewohner St. Georgs wollen das nicht einfach hinnehmen. Für sie ist der Fall symptomatisch für die Entwicklung im Viertel, das bislang als bunt und vielfältig galt: Hohe Mieten, Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen und das Ende alteingesessener kleiner Ladengeschäfte.

Am kommenden Donnerstag lädt der Einwohnerverein St. Georg daher bereits zum vierten Mal zu einer Protestaktion - für den Erhalt der Buchhandlung und gegen die Gentrifizierung des Viertels. Nach dem Vorbild der Londoner Speakers' Corner können Betroffene, Anwohner und Empörte ihrem Ärger von 19 Uhr bis 19.30 Uhr auf einer offenen Bühne am Hansaplatz Luft machen. Vorgesehen sind jeweils dreiminütige Redebeiträge. Die Veranstaltung steht unter dem Motto "Bücher öffnen Welten, Spekulanten zerstören sie!".

+++ Bürger fürchten Langeweile an Langer Reihe +++

"Wir rechnen mit etwa 300 bis 400 Teilnehmern", sagt Imke Behr, stellvertretende Vorsitzende des Einwohnervereins. Sie wird die "Open Stage"-Veranstaltung eröffnen, moderiert wird sie von Filmemacher und Fotograf Ulli Gehner. An den bisherigen Protestaktionen im Juni, einer Demonstration gegen Mietenwahnsinn und zwei Kundgebungen, zu denen der Verein für den Erhalt der Buchhandlung aufgerufen hatte, haben sich insgesamt mehr als 1000 Hamburger beteiligt.

+++ "Schutzschirm" für kleine Läden in St. Georg +++

Auch Andy Grote (SPD), Bezirksamtschef von Hamburg-Mitte, begrüßt die Aktion. "Die bunte Vielfältigkeit St. Georgs muss erhalten bleiben." Hierfür beobachte man die Entwicklung im Viertel sehr genau. Einfache und schnelle Lösungen zur Sicherung eines bunten St. Georgs mit kleinen Läden und bezahlbaren Mieten gebe es jedoch nicht im Handumdrehen.

+++ Andy Grote: "Wir müssen die kleinen Läden schützen" +++

Derzeit erstelle der Bezirk eine umfangreiche Gewerbeübersicht für den Kernbereich Lange Reihe. "Wir nehmen die Situation sehr ernst und ermitteln zurzeit unter anderem den Besatz der Gewerbeflächen, stellen zusammen, um welche Vermieter es sich handelt, und erfassen das Mietniveau", sagte Grote zu abendblatt.de.

Diese "Gewerbekarte", auf der detaillierte Informationen über Gewerbestruktur und -mieten an der Langen Reihe verzeichnet werden sollen, sei auch die Grundlage einer weiteren Initiative des Bezirks. "Es wird einen großen runden Tisch mit allen Grundeigentümern geben. Wir wollen alle an einem Tisch versammeln und darüber sprechen, wie sich ein gemeinsamer Weg für den Erhalt der Vielfältigkeit von St. Georg finden lässt", so Grote weiter. Ein Termin sei noch nicht gefunden, spätestens im September werde jedoch dazu eingeladen.

Einen runden Tisch soll es auch im Fall der Buchhandlung Wohlers geben. Bisherige Gespräche zwischen Vermieter und Bezirk deuteten jedoch darauf hin, dass der Vermieter des Ladesngeschäfts, Frank Jendrusch, nicht teilnehmen werde, sagte Grote.