Elbvororte

Die Dehmels: Blankeneses exzentrisches Künstler-Paar

Ein exzentrisches Hamburger Künstler-Paar: Richard und Ida Dehmel um 1902 in ihrer Wohnung an der damaligen Parkstraße (heute: Am Kiekeberg) in Blankenese.

Ein exzentrisches Hamburger Künstler-Paar: Richard und Ida Dehmel um 1902 in ihrer Wohnung an der damaligen Parkstraße (heute: Am Kiekeberg) in Blankenese.

Foto: Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg

Ein Doppeljubiläum rückt Richard und Ida Dehmel in den Fokus – und eine spezielle Postkarte, die das Abendblatt hier erstmals zeigt.

Blankenese.  Sie waren prominent, exzentrisch und ungeheuer kreativ: das Künstlerehepaar Richard (1863 bis 1920) und Ida (1870 bis 1942) Dehmel. Ein ungewöhnliches Doppeljubiläum rückt das charismatische Paar in diesen Wochen wieder in den Blickpunkt – nicht nur hamburg-, sondern sogar bundesweit: Am 14. Januar vor 150 Jahren wurde Ida Dehmel geboren, und am 8. Februar jährt sich Richard Dehmels Todestag zum hundertsten Mal.

Kulminationspunkt ist dabei einmal mehr die Dehmel-Villa an der Richard-Dehmel-Straße 1 in Blankenese. Die Dehmelhaus Stiftung, die das Erbe des Paares bewahrt bietet hier zahlreiche Führungen, von denen einige bereits ausgebucht sind. Die Staats- und Universitätsbibliothek zeigt eine große Ausstellung über das Paar, und auch sonst wird einiges geboten.

Der Dichter Dehmel genoss unter fortschrittlichen Künstlern seiner Zeit hohe Wertschätzung. Er korrespondierte mit Schriftstellern, Zeitungen in ganz Europa druckten seine Werke. Seine Frau Ida schuf kunstvolle Perlenarbeiten machte sich unter anderem einen Namen als Kunstförderin und Frauenrechtlerin.

Blankeneser Villa als bedeutender Künstlertreff

1901, kurz nach ihrer Heirat, waren Richard und Ida Dehmel nach Blankenese gezogen. Zunächst lebten sie in einer Wohnung an der damaligen Parkstraße (heute. Am Kiekeberg). Im Jahr 1913 schenkte ein Kreis aus Fans dem Dichter die Villa an der heutigen Richard-Dehmel-Straße – das heutige Dehmelhaus. Dort hielten beide Hof, inszenierten ihre Kunst (und sich selbst), förderten andere Künstler und korrespondierten mit Gott und der Welt.

Dr. Carolin Vogel, Vorstandsmitglied der Dehmelhaus Stiftung, zeigt eine Postkarte, die Dehmel 1906 an Stefan Zweig schrieb. Sie befindet sich heute in der National Library of Israel in Jerusalem und wird hier (siehe oben) erstmals öffentlich gezeigt.


In dem neuen Buch „Schöne wilde Welt. Richard Dehmel in den Künsten“, herausgegeben von Carolin Vogel, geht es um den besonderen, nachhaltigen Einfluss Richard Dehmels

Richard Dehmel – Superstar der Jahrhundertwende

Musik, Architektur, Mode und natürlich Lyrik – kaum ein Feld, auf dem Dehmel keine Spuren hinterlassen hat. Im spannungsreichen Kulturbetrieb der Kaiserzeit spielte er eine zentrale Rolle, von der heute nur noch wenig bekannt ist. „Dehmel war ein ,Superstar’ der Jahrhundertwende, weit über Deutschland hinaus“, schreibt Carolin Vogel. „Seine Verse trafen die Jugend wie eine Urgewalt und forderten Künstler aller Sparten zu neuen Ideen heraus. Von den Auflagenzahlen seiner Bücher können Lyriker heute nur träumen.“

Und weiter: „Er war eine zentrale Figur des Aufbruchs in die künstlerische Moderne. „Wie kein anderer inspirierte Richard Dehmel bedeutende Maler, Komponisten und Schriftsteller des frühen 20. Jahrhunderts zu neuen Ausdrucksformen – unter ihnen Ernst Ludwig Kirchner, Arnold Schönberg, Rainer Maria Rilke und Thomas Mann.“

Richard Dehmel veröffentlichte auch Kinderbücher, die allerdings nur mäßig erfolgreich waren. Das Werk „Fitzebutze“, das nach seinem Willen „den ,Struwwelpeter’ aus dem Feld schlagen“ sollte, war der damaligen Leserschaft viel zu antiautoritär.

Richard Dehmel: das Programm

Die Stiftung Dehmelhaus, Richard-Dehmel-Straße 1, bietet in diesem Jahr zahlreiche Führungen an, für die Anmeldungen erforderlich sind, hier gehts' zur Webseite. Am 8. Februar gibt es in der Hochschule für Musik und Theater Gedichte, Musik und Lieder nach Richard Dehmel. Die Staats- und Universitätsbibliothek zeigt noch bis zum 22. März die Ausstellung „Zwei Menschen“ (tägl. 9 bis 24 Uhr).