Hamburg

Militärdekan: „Auch Soldaten hören Gottes Wort“

Militärdekan Andreas-Christian Tübler in der Kapelle der Führungsakademie der Bundeswehr.

Militärdekan Andreas-Christian Tübler in der Kapelle der Führungsakademie der Bundeswehr.

Foto: Roland Magunia

Andreas-Christian Tübler ist in seinem Berufsleben oft mit Leid und Tod konfrontiert. Wie er Soldaten hilft und was er erlebt.

Hamburg.  Von der Arbeit eines oder einer klassischen Geistlichen haben die meisten Menschen klare Vorstellungen. Sie verorten ihn in „seiner“ Kirche, erleben ihn (oder auch sie) bei Handlungen wie Taufe oder Konfirmation.

Die Arbeit eines Militärpfarrers oder auch Militärdekans ist schon schwieriger zu erfassen. Andreas-Christian Tübler übt dieses Amt seit dem vergangenen Oktober aus. Der gebürtige Möllner hat sein Büro in der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAk) und ist damit geistlicher und seelsorgerischer Ansprechpartner für die Soldaten im Hamburger Westen.

Militärpfarrer zeigt geistige Flexibilität

Etwa 50 Meter entfernt vom Kaserneneingang liegt, ebenfalls in der Clausewitz-Kaserne, die Kapelle, in der Tübler wöchentlich Gottesdienst abhält, zudem unterrichtet er Medienethik, behandelt Themen wie Fake News und kämpft dabei, wie er es nennt, gegen „Demokratievergessenheit“, mit der Internetnutzer heute überall konfrontiert werden. Doch Tüblers Aufgaben sind wesentlich vielfältiger, als es von außen zunächst scheinen mag.

Alleine das Themenspektrum, mit dem er laufend konfrontiert wird, erfordert enorme geistige Flexibilität und viel Einfühlungsvermögen. Denn neben „Klassischem“ wie zum Beispiel Traugesprächen geht es auch um Beziehungskrisen wegen der räumlichen Trennung, aber auch um Gewissenskonflikte und ganz generell um Zweifel an dem, was man als Soldatin oder Soldat zu leisten hat. „Kraft für den Dienst“ will der Vater von zwei erwachsenen Töchtern denjenigen geben, die den Weg zu ihm suchen.

Tübler, groß und drahtig, ist ein Typ, zu dem man schnell Vertrauen fassen kann. Er sei jederzeit ansprechbar („Meine Tür ist immer offen“), gehe gerne auf andere zu, suche gezielt das Gespräch.

Soldaten benötigen Testament

Bei mehreren Auslandseinsätzen war der Geistliche, der mit seiner Frau Kerstin auf der Grenze zwischen Blankenese und Iserbrook lebt, schon im Einsatz, darunter in Mali, Afghanistan und im Irak. Wie gefährlich solche Einsätze sind, verdeutlicht eine Tatsache, die vielen nicht bekannt ist: Vor dem Abflug muss jeder Soldat sein Testament machen und einen Abschiedsbrief an seine Angehörigen verfassen. Die aktuelle Krise im Nahen Osten kann jemanden wie Tübler nicht kaltlassen.

„Zum Jahreswechsel 2015/2016 war ich selber im Auslandseinsatz im Irak und habe die Bilder noch genau vor Augen“, berichtet er. „Meine Gedanken und Gefühle sind bei den dort stationierten Soldaten und bei ihren Familien zu Hause. Ich denke an sie und begleite sie im Gebet. Mögen unsere Soldaten an Leib und Seele wohlbehalten zurückkehren.“

Einen unsichtbaren Feind bekämpfen – dabei half Tübler im afrikanischen Liberia: Beim gemeinsamen Einsatz von Bundeswehr und Rotem Kreuz gegen das tödliche Ebola Virus erlebte er täglich Leid und Tod aus nächster Nähe. „Das sind Monate, die man nie vergisst“, erinnert er sich, letztlich prägen sie jeden, der dabei war, ein Leben lang.“

Geistlicher bekennt sich zur Bundeswehr

Tübler wirkt in der Tat wie jemand, dem man Sorgen und Nöte anvertrauen kann, dabei aber keineswegs weichgespült. Glasklar bekennt er sich zur Bundeswehr und spricht dabei auch Unbequemes aus. Die Abschaffung der Wehrpflicht und des Ersatzdienstes habe Bundeswehr, aber auch viele soziale Träger vor große Probleme gestellt, nicht nur logistischer Art – ist so eine Wahrheit, die mancher nicht gerne hört. Tübler findet es „unerträglich“, dass Soldaten in Uniform auf der Straße gelegentlich angepöbelt oder anderweitig ausgegrenzt werden. „Soldatinnen und Soldaten versehen einen oft schweren Dienst und haben Respekt verdient“, stellt er klar. Und: „Auch Soldaten hören Gottes Wort“, darum gehe es bei seiner Arbeit.

Andreas-Christian Tübler hat einen langen, abwechslungsreichen Berufsweg hinter sich. Unter anderem war er sechs Jahre lang Pfarrer in Dulsberg und persönlicher Referent der früheren Hamburger Bischöfin Maria Jepsen. Sein Werdegang führte ihn unter anderem nach Detmold und Eiderstedt, zuletzt war der 62-jährige Militärdekan in
Appen. Immer wieder wollte er „vertiefend in neue Arbeitsgebiete einsteigen“, sein jetziges Amt, dass er bis zur Pensionierung ausüben wird, empfindet Tübler als einen „krönenden Abschluss“.