Umbau

Das Trauerspiel um den Sülldorfer Kirchenweg

Leben mit der Buckelpiste: Dennis Ruge und seine Mutter Barbara am Sülldorfer Kirchenweg

Leben mit der Buckelpiste: Dennis Ruge und seine Mutter Barbara am Sülldorfer Kirchenweg

Foto: Klaus Bodig / HA

Der Bau der Veloroute verzögert den Ausbau erneut um ein Jahr. Instandhaltung nur noch häppchenweise.

Hamburg.  Der seit Jahren geplante und immer wieder verschobene Umbau des Sülldorfer Kirchenwegs verzögert sich weiter. Nach Abendblatt-Informationen beginnen die Bauarbeiten frühestens zum Jahresende, voraussichtlich aber erst im nächsten Jahr. Der Grund: Ein Stück der rund 2,1 Kilometer langen Verbindungsachse zwischen Blankenese im Süden und Sülldorf im Norden ist ein wichtiger Teil des stadtweiten Velorouten-Konzepts. Die Veloroute 1 soll von der City nach Westen bis Blankenese führen und dann auf Höhe Sülldorfer Kirchenweg über einen Schwenk nach Norden in Richtung Sülldorf und Rissen weiter­gehen.

Das Planungsverfahren dafür ist zwar angelaufen, aber das gesamte Prozedere wird den Bezirk noch das ganze Jahr über beschäftigen. Dazu gehören unter anderem das Erstellen eines Vorentwurfs, die Präsentation im Verkehrsausschuss und die offizielle Ausschreibung. Auch eine öffentliche Infoveranstaltung ist noch vorgesehen. Das Projekt hat absoluten Vorrang, und der geplante Ausbau der Straße, der wie berichtet eigentlich in diesem Jahr starten sollte, kann nicht unabhängig davon betrieben werden. Im Klartext: Die anstehenden Arbeiten am Sülldorfer Kirchenweg gibt es nur als Gesamtpaket.

Fahrbahn verschlechtert sich laufend

Die aktuelle Planung sieht nach Angaben des Bezirksamts jetzt so aus: Für den Zeitraum Ende 2018 bis 2019 ist der Bau des Velrorouten-Teilstücks vom Blankeneser Bahnhof bis zur Babendiekstraße vorgesehen, im nächsten Jahr soll dann die Instandsetzung des Abschnitts zwischen Babendiekstraße und Fruchtweg folgen. Wann der restliche Abschnitt dran kommt, ist offen. Viele Nutzer und Anwohner hoffen darauf, dass das Projekt Sülldorfer Kirchenweg endlich in Angriff genommen wird. Denn die Fahrbahn – vor allem im Norden der viel befahrenen Straße – ist in einem total desolaten Zustand, der sich laufend weiter verschlechtert.

Ortstermin auf Höhe der Gärtnerei Ruge, Hausnummer 147. Der Straßenbelag bietet ein erschreckendes Bild: Tiefe Löcher durchziehen die rissige Fahrbahn, überall ist der Asphalt aufgeplatzt. An einigen Stellen wurden Schäden halbherzig ausgebessert, an anderen sieht es aus wie auf Provinzgassen nach Dauerfrost. Anwohner berichten, dass einige Löcher zeitweise bis zu 30 Zentimeter tief gewesen seien, immer wieder würden die gröbsten Schäden beseitigt – von „Flickschusterei“ ist die Rede.

Anwohner hatten sich auf Kompromiss geeinigt

„Seit Monaten sieht die Straße so aus“, sagt Barbara Ruge. Besucher der beliebten Blumenhandlung wundern sich über die tiefen Schlaglöcher, eine Kundin ist deshalb schon weggeblieben. Ruges Sohn Dennis, der einige Häuser weiter wohnt, berichtet von dem ständigen Lärm, den die Buckelpiste verursacht. „Schlafen kann man nur noch mit geschlossenem Fenster“, so Ruge, „weil es draußen dauernd rumst.“ Der Ausbau des Sülldorfer Kirchenwegs ist eine schier endlose Geschichte. Schon seit 2012 laufen die Auseinandersetzungen darüber, immer wieder verzögerten Anwohnerproteste und die damit verbundenen langen Verhandlungen das Bauvorhaben.

Im vergangenen Frühjahr schien endlich alles gut zu werden. Das Bezirksamt Altona und die in einer Initiative aktiven Anwohner hatten sich auf einen Kompromiss geeinigt, der unter anderem einen deutlich moderateren Ausbau als den ursprünglich geplanten vorsah. Die Straße soll demnach nur noch auf 12,30 Meter statt der ursprünglich vorgesehenen 17 Meter verbreitert werden, außerdem wird es links und rechts der Fahrbahn rote „Schutzstreifen“ geben.

Etliche Gespräche vor Ort

Um einen Kompromiss mit der Anwohnerinitiative zu erreichen, hatten Mitarbeiter des Bezirksamts etliche Gespräche vor Ort geführt, bei denen es darum ging, die Verbreiterung so schonend wie möglich umzusetzen. Ziel war es, die Anwohner laufend in die Planung einzubeziehen und von den Privatgrundstücken insgesamt so wenig wie möglich „abzuknapsen“. Doch kurz nach der Einigung im vergangenen April hatten Anwohner eine Normenkontrollklage gegen das Amt angestrengt, in der es, vereinfacht beschrieben, darum ging, den versprochenen Kompromiss über einen „Erschließungsvertrag“ auch in eine rechtsverbindliche Form zu gießen. Aktuell prüft das bezirkliche Rechtsamt diesen Vertrag.

Anwohner Manfred Weiß, der sich schon mehrfach schriftlich beim Amt über den schlechten Zustand der Straße beschwert hat, erhielt eine Antwort, die keine Fragen offenlässt. Mit Blick auf die langen, immer noch nicht endgültig abgeschlossenen Verhandlungen heißt es dort: „Sie werden verstehen, dass in diesem Zusammenhang nur die nötigsten Reparaturen am Straßenkörper zur Erhaltung der Verkehrssicherheit bei möglichst geringem Einsatz von Haushaltsmitteln vorgenommen wurden (...).“ Mit anderen Worten: Am Sülldorfer Kirchenweg geht es weiterhin nur stückchenweise voran.