Zu Tisch

Der kreative Fisch-Mann vom Eppendorfer Baum

Frank "Fischi" Tamaschke, Chef der Firma Fische-Schmidt am Eppendorfer Baum.

Frank "Fischi" Tamaschke, Chef der Firma Fische-Schmidt am Eppendorfer Baum.

Foto: Klaus Bodig / HA

Das Fachgeschäft in Harvestehude zählt zu den Topadressen für Liebhaber von Meeresfrüchten aller Art. Gerd Rindchen stellt es vor.

Hamburg. So paradox es klingen mag: Die (wasser)reiche Hansestadt Hamburg ist ausgesprochen arm an wahrhaft guten Fischhändlern. Das Gros an privat verzehrtem Fisch besteht aus Tiefkühlware, und einige Supermärkte leisten sich eine qualitativ bisweilen recht heterogene Fischtheke. Begeisterung kommt da nur selten auf.

In dieser Tristesse ragt als wahrer Leuchtturm der Qualität der kleine, feine Laden Fische Schmidt am Eppendorfer Baum heraus – prächtig platziert inmitten der solventen Eppendorfer und Harvestehuder Hautevolee, geführt von dem besessenen und beseelten Fischfreak Frank Tamaschke, der sich selber nur „Fischi“ nennt.

Der Graved Lachs ist ein echter Geheimtipp

Auf die Frischfisch- und Meeresfrüchtequalität kann man sich hier blind verlassen, ohne blind zu werden – dem ambitionierten, idealerweise auch etwas betuchteren Hobbykoch erschließt sich ein wahres Eldorado. Aber das Angebot des nach außen hin nur 35 Quadratmeter messenden Ladens (die wahre Größe verbirgt sich in den Eingeweiden im Souterrain) geht weit darüber hinaus und versorgt auf erfreulichem Niveau auch genussfreudige Mitbürgerinnen und Mitbürger, denen Zeit und Muße zum Kochen fehlen.

Ein echter Geheimtipp ist der Graved Lachs, den es so gut sonst nirgends gibt. Schon seit über 20 Jahren ein Hit sind auch die hochwertigen Sushi- und Sashimiboxen, die in verschiedenen Variationen angeboten werden. Außerdem kommt dem Kunden zugute, dass Fischi einst mit einer Koch-Laufbahn liebäugelte, sich aber wegen der ungünstigen Arbeitszeiten dagegenentschied. Nun tobt er seine nimmermüde Kreativität halt im Laden aus: Da gibt es allerlei Pasteten und Terrinen wie die Lachsterrine mit Räucheraalkern oder einen Reigen feinster hausgemachter Salatkreationen, der die Industrieware schamvoll ins Schälchen zurückkriechen lässt.

Fischi schmeckt alle Teige jeden Tag frisch ab

Der Hammer sind allerdings die Fischfrikadellen. Ob Weißfisch mit Trüffel, Lachs-Mango-Curry oder Garnele mediterran mit Estragon, Tomate und Frühlingslauch: alles geschmacklich total eigenständig und große Klasse. Ungekrönter König und auf Platz eins im Rindchen-Ranking der weltbesten Fischbuletten: Fischis Garnelenfrikadelle „Thai Art“. Das Erfolgsgeheimnis: Fischi schmeckt alle Teige jeden Tag frisch ab und verwendet nur erstklassige frische Ware. Wer also Gäste zum Essen erwartet, noch Überstunden schieben musste und nicht zum Kochen gekommen ist, kann spielend ein mehrgängiges Menü mit den Kreationen des Meisters bestreiten. Das Lob der Geladenen wird dem eiligen Gastgeber gewiss sein.

Dahinter steht, wie bei so vielen unserer Genusshelden, eine Familiengeschichte, wie Fischi uns erklärt: „Geboren bin ich 1965 als echter Hamburger Jung. Mein Vater war ursprünglich Fischgroßhändler in der Großen Elbstraße und dann in den 70ern so ziemlich der Erste, der als Subunternehmer Fischtheken in Supermärkten betrieben hat. Hat aber auf Dauer nicht so geklappt. 1972 haben wir dann einen Fischladen im Heußweg in Eimsbüttel eröffnet, aber da keine Schnitte gegen den damaligen Platzhirsch Schlüter gekriegt.

1977 hat mein Vater noch einen Laden im heutigen Real-Markt in Lurup aufgemacht, musste dort aber wegen ungünstiger Verträge 1988 binnen eines Monats raus. Da fingen wir dann an, uns umzusehen, und haben im gleichen Jahr den Laden von Fische Schmidt entdeckt. Der war bereits 1929 von Rudolf Schmidt gegründet worden, sein Neffe Heiner Schmidt betrieb ihn dann 40 Jahre lang von 1949 bis 1989. Danach hat meine Mutter übernommen. Ich selbst habe nach dem Hauptschulabschluss 1980 eine Lehre bei der Nordsee am Spritzenplatz in Ottensen gemacht und in der Zeit viel gelernt.

Neu eingeführtes Sushi holte Fische Schmidt aus der Krise

Nach der Abschlussprüfung, übrigens bei Kollege Schlüter in Eimsbüttel, habe ich dann bei meinen Eltern angefangen. Als ich den Fische-Schmidt-Laden gesehen habe, klein, alt, aber in absoluter Toplage, habe ich zu meiner Mutter gesagt: ‚Der ist es!‘ Bei Muttern war ich dann bis 2008 angestellt, und wir haben wechselvolle Zeiten mitgemacht. Mitte der 90er kriselte es ziemlich, und letztlich hat uns das damals von mir neu eingeführte Sushi aus dem Loch geholt.

Im Herbst 2008 habe ich meiner Mutter den Laden dann abgekauft mit der Vision, daraus das attraktivste Fischgeschäft Hamburgs zu machen: Zum Glück kriegte ich eine vernünftige Anschubfinanzierung von der Haspa, die dann auch noch einmal aufgestockt wurde, als sich während der dreiwöchigen Renovierung zeigte, wie marode alles war. Wir haben die ursprüngliche hohe Decke wiederhergestellt, modernste Kühltechnik angeschafft, in der man die Ware appetitlich präsentieren kann, und die alten, schönen Gründerzeitfliesen wieder freigelegt. Falls sich jemand wundert, dass da Rebhühner und Fasanen drauf sind: Ende des 19. Jahrhunderts war das mal ein Geflügelladen.

Gutes Essen, guter Wein und gute Gesellschaft

Mit der Entwicklung hier bin ich sehr zufrieden. Als ich den Laden übernommen habe, verkündete ich dem Steuerberater vollmundig, dass ich den Umsatz in den ersten fünf Jahren verdoppeln wolle – er meinte nur: ‚Ja, ja Fischi, wovon träumst du nachts?‘ Nach vier Jahren hatte ich es geschafft. 2019 haben wir auf den 35 Quadratmetern dann sogar nochmals verdoppelt – darauf bin ich stolz (Anmerkung des Chronisten: ‚Zu Recht!‘). Mittlerweile sind wir hier zu elft, und ich will mittelfristig einige der Kollegen mit 49 Prozent am Laden beteiligen. Da ich gutes Essen, guten Wein und gute Gesellschaft mag, bin ich froh, dass meine Frau mich administrativ entlastet und ich jetzt manchmal sogar mit einer 60- bis 65-Stunden-Woche hinkomme – im Gegensatz zu früher.

Für den Laden entwickele ich ständig neue Ideen. So habe ich in Kooperation mit Schlachter Harms aus dem Lehmweg schon mal was im Beach-Club veranstaltet, wir machen hochwertige Caterings, und mein neuestes Steckenpferd ist eine reine Meeresfrüchte-Paella auf Basis von unserem hausgemachten Fischfond. Wer die einmal probiert hat, will keine andere Paella mehr!“