Zu Tisch

Heilende Kräfte unterschätzter Herbstfrüchte

Eine Flasche Schlehenlikör.

Eine Flasche Schlehenlikör.

Foto: Getty Images/iStockphoto

Fast jeder weiß, wie gesund Holunder ist. Schlehen und Quitten werden hingegen unterschätzt. Über die verborgenen Perlen des Herbstes.

Die Tage des Sonnenbadens und Buddelns an unseren Stränden sind bald vorbei. Jetzt locken Wald und Flur. Pilze sammeln, Eicheln und Kastanien in die Jackentasche stecken, Holunderbeeren im Knick pflücken. Oder Schlehen am Wegesrand entdecken und mitnehmen. Zusammen mit Quitten sind die schwarzblauen Kugeln altbekannte, aber mittlerweile unterschätzte Herbstfrüchte.

Schlehen (Prunus spinosa) sind die etwa ein Zentimeter großen Beeren des Schlehdorns, die Sträucher haben sehr spitze lange Dornen. Das grünliche Fruchtfleisch schmeckt sehr sauer und herb. Roh genießbar sind Schlehen erst nach dem ersten Frost. Dann wandelt sich die Stärke in den Beeren in Zucker um, sodass sie weich und süß werden. Falls die Früchte noch keinen Frost gehabt haben, kann man sie putzen und dann über Nacht einfrieren. Auftauen lassen und nach Wunsch verarbeiten.

Naturheilmittel bei Verstopfung und Nierenleiden

Schlehen wachsen wild in ganz Zen­traleuropa. Saison haben sie in der Regel bis Ende November, je nach Wetterlage. Im Supermarkt findet man die Kugeln kaum, eher auf ländlichen Bauernmärkten. Oder selbst am Feldrand pflücken!

In der Volksmedizin galten Schlehen als Naturheilmittel bei Verstopfung und Nierenleiden, als Mittel zur Entgiftung und Blutreinigung. Außerdem wird ihnen attestiert, dass sie munter machen, den Appetit anregen und neue Kraft geben. 100 Gramm haben 70 Kalorien, die Früchte enthalten ordentlich Vitamin B1, Vitamin C sowie Ballaststoffe.

Für selbst gemachten Schlehenlikör (zwei Flaschen à 0,75 Liter) wird ein Kilo Schlehe (nach dem ersten Frost geerntet) gewaschen, in einen großen Topf gegeben und mit kochendem Wasser so weit übergossen, dass sie gerade bedeckt sind. Diesen Ansatz über Nacht stehen lassen. Am nächsten Tag sind die Schlehen durch die Wasseraufnahme geplatzt. Das restliche Wasser abgießen.

Schlehenlikör rechtzeitig vor Weihnachten ansetzen

Die Beeren schichtweise mit 500 Gramm braunem Kandiszucker in eine Schüssel geben und über Nacht stehen lassen, damit sich der Zucker auflösen kann.

Am folgenden Tag wird dieser Ansatz zusammen mit einer Zimtstange und einer aufgeschlitzten Vanilleschote in eine ausreichend große Flasche (am besten einen Glasballon) gegeben und mit 1,5 Liter Gin aufgefüllt. Der tiefrote Likör sollte am besten zwei Monate reifen, bevor er in Flaschen abgefiltert werden kann. Wenn er zu Weihnachten fertig sein soll, dann muss man spätestens Mitte Oktober nach Schlehen suchen.

Quitten haben noch bis Anfang November Saison

Noch bis Anfang November hat eine andere unterschätzte Frucht Saison: die Quitte. Sie gilt als die Urgroßmutter der Marmelade. In Portugal heißt sie aus gutem Grund Marmelo, denn dort kocht man aus dem meist steinharten Obst mit dem von Natur aus hohen Pektingehalt besonders gern süßen Brotaufstrich.

Was allerdings viele zögern lässt, Quitten zu kaufen, ist die Tatsache, dass sowohl Schale als auch Fruchtfleisch ex­trem hart sind. Roh kann man Quitten nicht essen. Bei uns sind Birnen- und Apfelquitte bekannt, die ihren Namen jeweils von der Form haben. Beherztes Reinbeißen wäre fatal, denn sie sind steinhart und müssen grundsätzlich gekocht werden, um genießbar zu sein.

Die getrockneten Kerne können Halsschmerzen und Husten lindern

Ursprünglich sind die aromatischen Früchte in Zentralasien, im Iran, Südost-Arabien, Japan, einigen Teilen Nordamerikas und auf Kreta zu Hause. Die meisten der bei uns erhältlichen Quitten kommen aus Spanien, Italien, Portugal, Nordafrika oder anderen Mittelmeerländern.

Mit ihrem hohen Gehalt an Pektinen, Gerbstoffen und Ballaststoffen sind Quitten besonders gut für Magen und Darm. Die getrockneten Kerne enthalten große Mengen an Schleimstoffen und können Halsschmerzen und Husten lindern, wenn man sie einfach wie ein Bonbon lutscht. 100 Gramm Quitten haben 38 Kalorien.

Mit einem Trick kommt man an das Fruchtfleisch

Vor der Zubereitung muss man den feinen haarigen Flaum mit einem sauberen Tuch gut abreiben und den Blüten- sowie Stielansatz entfernen. Anschließend werden die Quitten gewaschen und eventuell mit dem Sparschäler geschält. Danach kann man das Fruchtfleisch – ähnlich wie bei Mangos – mit einem schweren Messer ringsum dicht am Kerngehäuse entlang abschneiden und dann je nach Rezept würfeln oder in Streifen schneiden. Weichere Birnenquitten lassen sich auch mit einem schweren Messer halbieren oder vierteln.

Mit einem Trick kommt man einfach an das leckere Fruchtfleisch von Quitten, wenn man die geputzten ganzen Früchte im Dampfkochtopf 30 Minuten unter Druck kocht. Anschließend lässt man sie abgedeckt einige Stunden oder einfach über Nacht stehen, damit das reichlich enthaltene Pektin frei werden kann. So vorbereitet, lassen sich Quitten leicht schälen und entkernen. Das gekochte, orangerote Fruchtfleisch lässt sich nun gut weiterverarbeiten.

Quitten bekommt man am ehesten auf dem Wochenmarkt und beim Gemüsehändler. Oder man pflanzt sich einen Baum in den Garten wie auch Schlehenbüsche in die Hecke. Dann steht der eigenen Ernte dieser gehaltvollen Früchte jetzt im Herbst fast nichts mehr im Wege.

Quittengelee

Beliebt bei Familie und Freunden ist das Quittengelee von Abendblatt-Leserin Heimke Körner aus Ahrensburg. Dafür gewinnt sie in einem Entsafter aus knapp einem Kilo geputzter und zerteilter Quitten rund 0,75 Liter Saft. Die kalte Flüssigkeit mit einem Spritzer Zitronensaft und 500 Gramm Gelierzucker (2:1) unter Rühren aufkochen und etwa eine Minute sprudeln lassen, bis das Gelee fest genug ist. Dann heiß in saubere Gläser mit Schraubverschluss abfüllen.

Pikante Schlehen

Sehr gut zu Wild- oder Lammgerichten passen pikante Schlehen. Dafür 500 Gramm Schlehen in Wasser kurz aufkochen und abgießen. 0,5 Liter Weißweinessig mit 350 Gramm Zucker verrühren und kochen, bis der Zucker aufgelöst ist. Drei Gewürznelken und eine Zimtstange hinzulegen und weiter- kochen. Schlehen in saubere Gläser geben, mit dem Essigsud übergießen und Gläser fest verschließen.