Sozialer Brennpunkt?

Bürgerbegehren gegen Flüchtlingsdorf in Eidelstedt

So wie die Sozialwohnungen am Riekbornweg in Schnelsen, sollen auch die Wohnungen am Hörgensweg aussehen

So wie die Sozialwohnungen am Riekbornweg in Schnelsen, sollen auch die Wohnungen am Hörgensweg aussehen

Foto: FeWa Grundstücksgesellschaft GmbH & Co. KG

Bis zu 3000 Flüchtlinge sollen dort leben. Bürgerinitiative fürchtet Entstehung eines sozialen Brennpunkts. Bezirk lädt zum Infoabend.

Hamburg.  Die Bürgerinitiative „Sozial gerechtes Eidelstedt“ ist empört über den Plan des Bezirksamts Eimsbüttel, auf einer Brachfläche am Hörgensweg im Eilverfahren bis zu 600 Sozialwohnungen für maximal 3000 Flüchtlinge zu errichten. „Damit würde der Stadtteil zu einem waschechten sozialen Brennpunkt wie etwa der Osdorfer Born“, sagt Horst Klemeyer Sprecher der Initiative dem Abendblatt.

Klemeyer und seine Mitstreiter wollen nun – ebenso wie Bürgerinitiativen in den anderen sieben Bezirken – ein Bürgerbegehren gegen die Unterbringung von Flüchtlingen in Großunterkünften beim zuständigen Bezirksamt beantragen. „Auch wir melden ein Bürgerbegehren an, weil wir nicht wollen, dass die Bezirke große Flüchtlingssiedlungen errichten und so die Volksinitiative ‘Hamburg für gute Integration’ unterlaufen“, sagt Klemeyer. Ein bezirkliches Bürgerbegehren ist erfolgreich, wenn es innerhalb von sechs Monaten von drei Prozent der wahlberechtigten Einwohnern unterstützt wird.

"Eidelstedt ist der sozial schwächste Stadtteil im Bezirk"

Das erhofft sich die Eidelstedter Bürgerinitiative, die das zweitgrößte Bauvorhaben für Flüchtlinge in Hamburg verhindern will. Sie fordert, dass die geflüchteten Menschen aus Krisenregionen der Welt auf andere Stadtteile Eimsbüttels verteilt werden. „Eidelstedt ist der sozial schwächste Stadtteil im Bezirk, in dem noch nicht mal die Bewohner der Sozialwohnungen integriert sind“, sagt Klemeyer. Eine großes Flüchtlingsdorf würde Eidelstedt seiner Ansicht nach überfordern.

Hintergrund des Bauprojekts in Eidelstedt ist die Forderung des Senats, dass jeder Bezirk eine acht Hektar große Fläche nennt, auf der Unterkünfte für Flüchtlinge "mit der Perspektive Wohnen" errichtet werden können. „Die Gefahr ist groß, dass eine geschlossene Parallelgesellschaft entsteht“, warnt der Initiativen-Sprecher. Zudem habe Eidelstedt ohnehin schon die höchste Zahl an Migranten im Bezirk. Klemeyer: „Die Schwachen können sich nicht gegenseitig helfen.“

Bezirksamt Eimsbüttel lädt am Mittwoch zum Infoabend

Auch eine Reduzierung der geplanten Sozialwohnungen kommt für die Bürgerinitiative nicht in Frage. „Selbst 400 Sozialwohnungen sind absolut indiskutabel“, so Klemeyer. „Was wir an der Stelle brauchen ist eine Mischung aus Gewerbe, Eigentumswohnungen und Eigenheimen.“ Seine Begründung: „Wir brauchen Arbeitsplätze und eine Bevölkerungsschicht mit Kaufkraft vor Ort.“

Am Mittwochabend um 18 Uhr lädt das Bezirksamt Eimsbüttel die Bürger zu einer Informationsveranstaltung in die Julius-Leber-Schule (Halstenbeker Straße 41) ein, um das Projekt vorzustellen. Auch die Bürgerinitiative „Sozial gerechtes Eidelstedt“ wird dort vertreten sein, kündigt Klemeyer an. Ob im Herbst 2016 tatsächlich die Bagger anrollen, ist für ihn noch fraglich.