Hamburgs bester Stadtteil

HafenCity – wo schiefe Hochhäuser in schmale Straßen ragen

Hier begann die
HafenCity: ein
Blick von der
Elbphilharmonie
über den Sandtorkai mit dem
Traditionsschiffhafen und auf
den Kaiserkai mit
den alten Hafenkränen bis zu
den Magellan-Terrassen.

Hier begann die HafenCity: ein Blick von der Elbphilharmonie über den Sandtorkai mit dem Traditionsschiffhafen und auf den Kaiserkai mit den alten Hafenkränen bis zu den Magellan-Terrassen.

Foto: Thorsten Ahlf

Wo ist es in der Stadt am schönsten? Teil 14: Moderne Architektur trifft auf Speicherstadt und Traditionsschiffe.

Hamburg. Seit fast zehn Jahren erlaufe ich mir die HafenCity, immer im Juni gemeinsam mit 20.000 anderen Menschen. Rund vier Kilometer ist die Strecke lang, sie geht in Richtung Osten – wohin ja auch der neue Stadtteil wächst – und ist immer anders, weil ständig mehr Bereiche erschlossen werden und dadurch neue Fluchten, Gebäude und Straßen entstehen. Beim letzten Hamburg Commercial Bank Run (ehemals HSH Nordbank Run) durch die HafenCity sind wir am Baakenhafen an riesigen Sandhügeln entlang in den noch unbebauten Bereich des künftigen Quartiers gejoggt.

Ich habe mir dabei vorgestellt, dass es so ähnlich vor 20 Jahren auch am Kaiserkai ausgesehen haben muss, als die HafenCity noch eine Vision war und kein Publikumsmagnet. Am Zieleinlauf richtet sich mein Blick dann auf die Elbphilharmonie, bei deren Anblick mir jedes Mal das Herz aufgeht, denn ich habe sie noch als Kaispeicher A erlebt und langsam wachsen sehen, bis sie zu diesem Wunderwerk aus Backstein und geschwungenem, blitzenden Glas wurde.

Alte Speicherstadt blitzt in der HafenCity hervor

Die HafenCity ist ein Muss für jeden Besucher, der nach Hamburg kommt, und inzwischen sind mein Mann und ich schon recht versierte Stadtführer in diesem Quartier, das wie kein anderes die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Stadt spiegelt und das ich mit viel Stolz unseren Gästen präsentiere. Ich liebe Architektur, je moderner, desto besser, so könnten die Gebäude der HafenCity meines Erachtens gern noch etwas spektakulärer sein, doch ausgerechnet die stilistisch umstrittenen Wohnblöcke am Sandtorkai gehören zu meinem liebsten Ort.

HafenCity: Das sind die Fakten

  • Einwohner: 4592
  • Davon unter 18: 908
  • Über 65: 424
  • Durchschnittseinkommen: 93.206 € (2013)
  • Fläche: 2,2 km²
  • Anzahl Kitas: 4
  • Anzahl Schulen: 1 Grundschule
  • Wohngebäude: 99
  • Wohnungen: 1899
  • Niedergelassene Ärzte:13
  • Straftaten im Jahr 2018: Erfasst: 821; Aufgeklärt: 219

Wenn ich von der Elbphilharmonie kommend zum Kaiserkai runtergehe und auf die Traditionsschiffe blicke, zaubern mir nicht nur die originellen Schiffsnamen ein Lächeln ins Gesicht, sondern ich finde auch wunderschön, dass zwischen den Klötzen immer wieder die alte Speicherstadt hervorblitzt.

Erste HafenCity-Bewohner waren Pioniere einer Großbaustelle

Hier war der Anfang, in diese Häuser zogen die ersten HafenCity-Bewohner ein. Pioniere wahrlich, die offenbar viel Vorstellungskraft und zudem Mut hatten, auf einer Großbaustelle zu wohnen. „Aber wir hatten da auch noch einen freien Blick auf die Elbe“, erinnert sich Axel Gernert, der 2005 mit seiner Freundin zu den „ersten zehn Ureinwohnern der HafenCity“ zählte, wie er sagt. „Wir kamen aus Eppendorf hierher und fanden es aufregend, als Zeitzeugen Teil von etwas Neuem zu sein, das quasi aus dem Nichts entstand und die ganze Stadt verändert hat.“

Am liebsten komme ich zu Fuß über den Kehrwieder- oder den Kibbelsteg in die HafenCity, weil beide als Brücken direkt durch die Speicherstadt führen. Die meisten Besucher biegen dann in Richtung Elbphilharmonie ab, ich schlendere lieber zu den Marco-Polo-Terrassen. Der Marco-Polo-Tower ist spektakulär, aber ich bevorzuge das Nachbargebäude von Unilever, das mir mit seiner verspielten, bunt gestalteten Innenarchitektur immer gute Laune bereitet, zumal es dahinter eine der schönsten Aussichtsterrassen der HafenCity gibt.

Baugemeinschaften mit alternativen Konzepten

Wenn ich Lust auf kleine Läden mit Hamburger Spezialitäten, origineller Kleidung oder einen Kaffee habe, bummele ich über den Überseeboulevard, wo schiefe Hochhäuser in die schmale Straße ragen, was toll aussieht, aber offensichtlich bewirkt, dass die Luft sich wie durch einen Schlot bewegt und so dort immer ein steifer Wind weht. „Vor allem im Winter und im Herbst kann es hier ganz schön um die Ecke pfeifen, aber auch das mag ich“, sagt mein Kumpel Rando Aust bei einem Espresso für einen Euro an der Theke von Toni (Osakaallee 8).

Das im Frühjahr neu eröffnete Café ist nach seinem Besitzer Antonio Fabrizi benannt, der nebenan auch den coolen Club 20457 betreibt – für viele Bewohner ein Nachbarschaftstreff. Zwar ist die HafenCity als Yuppieviertel verschrien, aber das stimmt so nicht. Es gibt viele Baugemeinschaften mit alternativen Konzepten für junge Familien, Senioren, WGs und natürlich auch reiche Leute.

Noch fehlt eine grüne Lunge in der Hafencity

Rando und seine Frau Daniela wohnen seit sieben Jahren ein paar Straßen weiter. Sie sind Stammgäste, und Stiftungsmanager Aust ist auch Mitglied im Bürgerforum des Quartiers. Das bringt sich beispielsweise bei Verkehrs- oder Bebauungsthemen ein. In der Vergangenheit hat es auch schon Geld für kulturelle Veranstaltungen und die Anschaffung von Apfelerntegeräten für den Lohsepark bewirkt. Dort gibt es nämlich ein „Urban Gardening“-Projekt, bei dem die Anwohner die Obstbäume selber abernten können.

Noch fehlt der HafenCity eine grüne Lunge, die Bäume sind jung, die Bebauung der Häuser ist eng, nur wenige bieten einen Blick auf die Elbe – als Besucher stört mich das nicht, als Bewohner hätte ich damit ein Problem. Ebenso mit den Massen an Touristen, die von den Kreuzfahrtschiffen in das Quartier strömen, und mit dem Feinstaub, den diese Schiffe verursachen.

Ultraspannendes Quartier

Christoph kommt in das Café, auch ein Stammgast, und bietet mir an, mich mit seinem Fahrradtaxi rumzufahren. Er war früher beim Szenemagazin „Prinz“ und kennt das neue Quartier wie seine Westentasche. Er bringt mich am Lohsepark vorbei unter der Oberhafenbrücke durch ins Oberhafenquartier, einen Kreativbereich, den ich neu für mich entdeckt habe, weil er einen Gegensatz zur neuen HafenCity bildet.

Im Oberhafen treffen sich Gourmets, die ins Hoben­köök schlemmen gehen, junge Sportler, die sich in der Parkour-Creation-Halle auspowern, Jazz- und Klassikliebhaber, die in der Halle 424 Konzerte anhören, sowie Theatertreibende und Sammler, die in der Hanseatischen Materialverwaltung nach Requisiten kramen – also eine bunte Mischung aus Leuten, die genau wie ich dieses neue Quartier HafenCity ultraspannend finden.

HafenCity: Das sind die Highlights

Maritime Tradition

Stadtteilserie Traditionsschiffehafen in der Hafencity
Stadtteilserie Traditionsschiffehafen in der Hafencity

Der Traditionsschiffhafen der Stiftung Hamburg Maritim bildet einen Ruhepol nur ein paar Schritte von der Elbphilharmonie entfernt. Die 5600 Quadratmeter große, geschwungene Pontonanlage bietet Liegeplätze für etwa 20 bis 25 historische Schiffe. Am schönsten ist der Blick darauf vom Kaiserkai aus, auf dem auch alte Hafenkräne stehen.

Blick auf die Norderelbe

Stadtteilserie: Unilever-Haus in der Hafencity
Stadtteilserie: Unilever-Haus in der Hafencity

Das Unilever-Haus (Am Strandkai) ist seit 2009 für alle Architekturfans ein Muss. Das Bürogebäude mit dem glasüberdachten Atrium der Behnisch Architekten ist offen für Besucher, es zeigt sich verspielt, bunt und futuristisch. Spaziergänger finden auf der tollen Elbterrasse dahinter einen guten Platz für eine Rast – mit Ausblick auf Wasser und Hafen.

Das Kreativ-Quartier

Stadtteilserie: Oberhafenkantine
Stadtteilserie: Oberhafenkantine

Konzertsaal, Theaterfundus und Parkourhalle: Die kreative Szene trifft sich im Oberhafenquartier rund um den ehemaligen Güterbahnhof; hier ist die HafenCity so cool wie New York. Unbedingt Labskaus in der Oberhafenkantine probieren. Einen weiteren Anlaufpunkt bietet De Hobenköök mit einem Mix aus Markthalle und Restaurant.