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S-Bahn Hamburg: Vier Züge der S2 fahren jetzt autonom

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Verkehrssenator Anjes Tjarks (Die Grünen) am S-Bahnhof in Bergedorf. Seit dem 15. September rollen von dort digital gesteuerte S-Bahnen regulär Richtung Berliner Tor.

Verkehrssenator Anjes Tjarks (Die Grünen) am S-Bahnhof in Bergedorf. Seit dem 15. September rollen von dort digital gesteuerte S-Bahnen regulär Richtung Berliner Tor.

Foto: dpa/Marcus Brandt

Digital gesteuerte S-Bahn pendelt zwischen Bergedorf und Berliner Tor und soll die Pünktlichkeit erhöhen – aber noch nicht jetzt.

Hamburg. Es ist eine Premiere im öffentlichen Nahverkehr der Bahn: Seit Donnerstag sind in Hamburg zum ersten Mal vollautomatisch fahrende, digital gesteuerte S-Bahnen im Regelbetrieb mit Fahrgästen unterwegs. Zunächst vier dafür umgebaute Züge der Baureihe 474 bedienen jetzt die Linie S2 zwischen Bergedorf und Altona.

Sie fahren auf dem eigens für den digitalen Betrieb ausgestatteten Streckenabschnitt zwischen Berliner Tor und Bergedorf quasi vollautomatisch. Trotzdem ist immer ein Lokführer an Bord, müssen die Züge doch nach Altona durchfahren. Bis etwa 2030 soll nun der komplette S-Bahn-Betrieb im Bereich der Hansestadt digitalisiert werden.

S-Bahn Hamburg: Digitalisierung soll Pünktlichkeit erhöhen

Hamburgs S-Bahn-Chef Kay Uwe Arnecke sprach am Donnerstag von einem „Epochenwechsel“: „Mit der neuen Technik können wir bis zu 30 Prozent mehr Züge einsetzen, ohne dafür einen einzigen Meter Gleis neu zu bauen.“ Zudem sollen die Züge pünktlicher sein und weniger Energie verbrauchen.

Das Projekt „Digitale S-Bahn Hamburg“ ist Teil des Vorhabens „Digitale Schiene Deutschland“, mit dem die Bahn ihre an vielen Stellen betagte Infrastruktur bis zum kommenden Jahrzehnt ins digitale Zeitalter katapultieren will. „Die digitale S-Bahn ist ein wichtiger Baustein für die Mobilitätswende“, betont auch Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne). „Als erstes Bundesland setzen wir die neue Technik im Regelbetrieb ein – ein großer Schritt in Richtung Hamburg-Takt sowie einer klimagerechten Mobilität.“

HVV: Gleise werden umgebaut, Züge umgerüstet

Der Hamburg-Takt ist ein Versprechen des Senats für das Jahr 2030. Dann sollen Menschen Busse, U- und S-Bahnen oder andere Mobilitätsangebote nutzen können, die innerhalb des Stadtgebiets im Fünf-Minuten-Takt verkehren.

Die Kosten für die komplette Digitalisierung der Hamburger S-Bahn waren in einer Studie 2021 mit rund 800 Millionen Euro beziffert worden. Allein die Modernisierung und der Bau neuer Stellwerke erfordern demnach Investitionen von 620 Millionen Euro. Weitere 175 Millionen Euro werden für die erforderliche Umrüstung der kompletten Flotte veranschlagt.

Die erhoffte Takt-Verdichtung für Bergedorfs S-Bahn über die aktuellen fünf Minuten im Berufsverkehr hinaus schafft die Digitalisierung indes auf absehbare Zeit noch nicht. Arnecke sprach am Donnerstag auf Nachfrage unserer Zeitung lediglich davon, den Fünf-Minuten-Takt mit S2 und S21 jeweils auf den ganzen Tag auszuweiten. Selbst die Verlängerung von heute sechs auf neun Wagen sei bisher nicht möglich: „Für den Einsatz von Langzügen auf der Bergedorfer Strecke muss die Stromversorgung unserer Infrastruktur erneuert werden“, verwies er auf das Projekt Gleichrichterwerk an der Station Allermöhe. „Das ist für die zweite Hälfte dieses Jahrzehnts vorgesehen.“

S-Bahn Hamburg: Ab 2030 ist ein Drei-Minuten-Takt möglich

Die Digitalisierung soll übrigens auch das Nadelöhr Hauptbahnhof aufweiten. Weil sich dort die Bergedorfer Linien mit den Harburger S-Bahnen ein Gleis je Fahrtrichtung teilen, ist der Fünf-Minuten-Takt heute das Maximum. Nach Informationen unserer Zeitung soll sich das mit der Digitalisierung ändern.

Experten rechnen damit, dass ab 2030 mehr als vier Züge pro zehn Minuten auf jedem S-Bahn-Gleis des Hauptbahnhofs fahren können. Abstände von nur noch 90 Sekunden zwischen den Zügen gelten als denkbar. Das würde einem Drei-Minuten-Takt entsprechen, wenn sich Bergedorfs und Harburgs S-Bahnen im Hauptbahnhof weiterhin ein Gleis je Richtung teilen müssen.

Die teure Umrüstung der S-Bahnzüge auf digitale Steuerung fällt künftig übrigens weg: 64 moderne Triebwagen der neuesten Baureihe 490 sind schon beim französischen Bahntechnikspezialisten Alstom bestellt. Sie sollen ab 2025 ausgeliefert werden und sind dann ab Werk für den automatischen Betrieb ausgerüstet.

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( Ulf-Peter Busse )