Hohe Energiepreise

Heizen ohne Öl und Gas: Alle wollen Wärmepumpen

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Thomas Voigt
Wärmepumpen sind in privaten Neubauten der neue Heizungsstandard. Auch bei Sanierungen werden sie eingesetzt. Derzeit ist Nachfrage riesig.

Wärmepumpen sind in privaten Neubauten der neue Heizungsstandard. Auch bei Sanierungen werden sie eingesetzt. Derzeit ist Nachfrage riesig.

Foto: Daniel Maurer / dpa-tmn

"Richtiger Hype“. Die Branche hat Probleme, alle Aufträge abzuwickeln. Was man zum Einbau von Wärmepumpen wissen muss.

Hamburg. Die Angst vor rapide steigenden Gas- und Ölpreisen sowie kriegsbedingten Lieferengpässen dieser fossilen Brennstoffe kurbelt die Nachfrage nach Heizsystemen mit regenerativen Energieträgern merklich an. „Das ist jetzt gerade ein richtiger Hype“, beschreibt Bernd Hegemann, Inhaber der Hegemann Haustechnik GmbH und Innungsmeister der Sanitär-, Heizungs- und Klima-Innung.

Zwischen zwei und fünf Anfragen nach Wärmepumpen- und Fotovoltaikanlagen gehen täglich bei ihm ein. „So viel kann ich gar nicht beantworten und abarbeiten“, bedauert Hegemann. „Jedes Gebäude hat ja andere Gegebenheiten und Voraussetzungen.“ Seinen Kollegen in der Branche geht es nicht anders.

Hohe Energiepreise: Viele Hausbesitzer investieren in Wärmepumpen

„Tatsächlich macht es für die meisten Hausbesitzer Sinn, über die Investition in eine Wärmepumpe nachzudenken“, meint Hegemann, der diese Lösung der wegen Feinstaubentwicklung kürzlich in Verruf geratenen Holzpellet-Heizung in den meisten Fällen vorzieht. Ohnehin verordnet der Gesetzgeber nach seinen Worten vom Jahr 2024 an bei Neuinstallationen und Sanierungen von Heizanlagen einen anteiligen regenerativen Energieeinsatz von mindestens 65 Prozent. „Früher oder später kommt also keiner mehr drum herum.“

Gegenüber den aufwendig zu installierenden Wärmepumpen per Tiefensonde oder Erdflächenkollektor, die sich mit Wärme aus dem Erdreich speisen, hat sich in den vergangenen Jahren die Luft-Wasser-Wärmepumpe durchgesetzt. Sie zieht die benötigte Wärme für Heizung und Warmwasser aus der Außenluft. „Da gibt es Modelle, die schaffen bei minus zehn Grad Außentemperatur noch 70 Grad Vorlauftemperatur.“ Als Sicherheitsreserve dient dem System eine elektrisch betriebene Heizpatrone.

Fotovoltaikanlage auf dem Dach liefert nötigen Strom

Apropos Elektrik: Für den Betrieb einer Wärmepumpe braucht man Strom – laut Hegemanns Faustregel etwa ein Viertel der Leistung, die zuvor mit konventionellen Brennstoffen erzeugt wurde. Eine zusätzlich installierte Fotovoltaikanlage auf dem Dach könnte also langfristig Stromkosten einsparen. Sie sollte nach Hegemanns Worten so groß wie möglich sein und über einen Speicher verfügen, damit möglichst sämtlich produzierter Strom im eigenen Haus verbraucht werden kann: „Einspeisen ins Netz rechnet sich nicht mehr.“ Wärmepumpe und Fotovoltaik kosten den Hausbesitzer in jedem Fall je einen fünfstelligen Betrag.

Nicht weniger als sechs Millionen Wärmepumpen sollen bis zum Jahr 2030 in Deutschland installiert werden, heißt es in einem Forderungskatalog der Bundesregierung. Fraglich ist laut Zentralverband Sanitär, Heizung, Klima (ZVSHK), wer das leisten soll. Präsident Michael Hilpert: „Um die ehrgeizigen Klimaziele der Politik zu erreichen, müssten zusätzlich 60.000 Monteure her.“ Sein Verband fordert die flächendeckende Einrichtung von Kompetenzzentren, um Personal für Wärmepumpen-Installation zu schulen.

Lange Lieferzeiten: Kurzfristig hilft nur, die Heizung runter drehen

Hegemann ergänzt, dass Wärmepumpen derzeit mehrere Monate Lieferfrist haben. Und auch bei den Fotovoltaikanlagen gebe es derzeit Lieferengpässe. „Die Module stammen nämlich fast ausnahmslos aus chinesischer Produktion, und China hat Probleme, weil Australien dem Land kaum noch Kohle liefert“, so Hegemann. Eine Umstellung der häuslichen Energieversorgung auf regenerative Träger ist von heute auf morgen nicht zu realisieren. Hegemanns Tipps zum Energiesparen:

  • Fenster schließen, Türen schließen, lediglich mehrmals am Tag ein paar Minuten durchlüften.

  • Raumtemperatur absenken. Ein Grad weniger Wärme im Zimmer bringt sechs Prozent weniger Energieverbrauch.

  • Wenn es mal fröstelig ist: Beim Wärmeerzeuger nicht die Vorlauftemperatur hochdrehen. „Meist wird dann hinterher nämlich vergessen, wieder herunterzudrehen, und dann ist der Verbrauch dauerhaft erhöht.“

  • Stattdessen das Wohnzimmer als Referenzraum für die Steuerung auswählen und dort das Heizungsventil auf die höchste Stufe 5 stellen. „So ermöglicht man die geringste Vorlauftemperatur, und im Schlafzimmer muss es ja nicht warm sein.“

  • Wenn das Bad nicht fensterlos ist: Badewasser erst ablassen, wenn es kalt ist. Sonst heizt man damit die Kanalisation. Ab und zu lüften.

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