Welt-Mädchentag

Diese Hamburgerin wird Außenministerin – für einen Tag

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Die Jurastudentin Kim Ducho (23) ist Hamburgs junge Stimme in Berlin am Weltmädchentag. Sie engagiert sich bei Plan International.

Die Jurastudentin Kim Ducho (23) ist Hamburgs junge Stimme in Berlin am Weltmädchentag. Sie engagiert sich bei Plan International.

Foto: THORSTEN AHLF / FUNKE FOTO SERVICES

Die Jura-Studentin Kim Ducho übernimmt in Berlin am „Welt-Mädchentag“ den Job von Annalena Baerbock. Wofür sie sich einsetzt.

Hamburg. Die große Bühne ist für Kim Ducho keineswegs Alltag, aber sie scheut sie auch nicht und freut sich auf die Herausforderung: Die Hamburger Jura-Studentin wird am 11. Oktober, dem Internationalen Welt-Mädchentag, für einen Tag die Aufgaben von Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) übernehmen. An diesem Tag treffen sich internationale Gäste bei der Klima- und Sicherheitskonferenz in Berlin. Kim Ducho wird gemeinsam mit der Außenministerin an der Konferenz teilnehmen und sprechen.

Die junge Hamburgerin übernimmt diese Rolle im Rahmen ihres Engagements bei Plan International. Die Kinderrechtsorganisation ruft auch in diesem Jahr anlässlich des Welt-Mädchentages mit Aktionen zu einem sozialen und politischen Wandel auf. Rund um den 11. Oktober übernehmen Mädchen weltweit im Rahmen des Projekts „Takeover“ für einen Tag bedeutende Positionen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Sie wollen sich damit Gehör für ihre Belange verschaffen und Barrieren der Diskriminierung durchbrechen − in Schlüsselrollen.

Welt-Mädchentag: Kim Ducho studiert in Hamburg

Bei der Konferenz Englisch zu sprechen ist für Kim Ducho kein Problem. „Ich habe als Kind Sprachferienlager besucht, um mein Englisch zu verbessern“, sagt die 23-Jährige. Und Französisch hat sie ebenfalls von klein auf gelernt. Sie besuchte das Lyceé Français in Lokstedt und verbrachte während ihres Jura-Studiums ein Gastsemester in Paris. Wenn die Hamburgerin also in Berlin ihren großen Auftritt hat, sind Fremdsprachen für sie definitiv keine Hürde.

Die junge Hamburgerin studiert seit 2018 an der Bucerius Law School und wird voraussichtlich in sieben Monaten ihr erstes Staatsexamen machen. Sie kann sich gut vorstellen, später in die Politik zu gehen. Kim Ducho gehört zu einer jungen Frauengeneration, die die Welt gerechter machen und das Bewusstsein der Gesellschaft dafür schärfen will, dass Gleichberechtigung noch längst nicht überall gilt. Bei Plan engagiert sich die junge Frau schon seit etlichen Jahren im Kampf gegen überkommene Geschlechterrollen.

Kim Ducho engagiert sich für Kinderrechte

Nach ihrem Abi am Johanneum hatte sie sich ein Jahr Zeit zur Orientierung genommen. Durch ein Praktikum bei Plan in diesem „Gap-Year“ kam sie zu ihrer jetzigen Aufgabe – sie ist seit 2018 Mitglied im Jugendbeirat der Kinderrechtsorganisation. Dort engagieren sich Jugendliche zwischen 14 und 24 Jahren aus ganz Deutschland für Kinderrechte. „Die Mitglieder des Jugendbeirats arbeiten eng mit Plan International Deutschland zusammen und unterstützen die politische Arbeit. Sie begleiten die Arbeit von Plan aus Jugendsicht und machen sich stark für Gleichberechtigung und politische Teilhabe von Kindern und Jugendlichen weltweit“, so Plan-Sprecher Sascha Balasko.

Kim Ducho engagiert sich im Jugendbeirat speziell für Mädchen- und Frauenrechte. „Ich gehöre schon zu den älteren Mitgliedern“, sagt die Studentin, die für Plan schon an etlichen politischen Veranstaltungen teilgenommen, etwa an der Internationalen Konferenz Women Deliver in Vancouver, wo sie sich auf dem weltgrößten Treffen mit Expertinnen und Experten aus aller Welt über Frauenrechte austauschte.

„Junge Menschen haben ein Recht auf Teilhabe“

„Junge Menschen haben ein Recht auf Teilhabe“, sagt Kim Ducho. Und man dürfe sich in Sachen Gleichberechtigung nicht zurücklehnen und mit dem Erreichten zufrieden sein, auch nicht in Deutschland: „Natürlich gibt es positive Veränderungen, aber es liegt mir am Herzen, darauf hinzuweisen, dass noch ein langer Weg vor uns liegt.“

Als Beispiele nennt sie die immer noch niedrige Zahl der weiblichen Abgeordneten im Bundestag. „Nur rund 35 Prozent sind weiblich, und nur 3 Prozent sind weiblich und unter 30.“ Das sei problematisch, findet sie: „Wir haben gesellschaftliche Strukturen, in denen Frauen es sich oft nicht zutrauen oder es ihnen nicht zugetraut wird, dass sie sich politisch engagieren.“ Dafür müsse man die bestehenden Strukturen als Problem anerkennen. Um dabei etwas zu verändern, brauche es auch Jungen und junge Männer: „Sie müssen ihre eigenen Privilegien hinterfragen.“

Kim Ducho wird Baerbock ein Forderungspapier übergeben

Nun blickt sie gespannt auf ihren Tag in Berlin. Auf der Konferenz gehe es um Klima- und Sicherheitspolitik, sagt die Hamburgerin, „und dort möchte ich darüber sprechen, dass Mädchen und junge Frauen besonders vom Klimawandel betroffen sind, und zwar nur deshalb, weil sie weiblich sind.“ Die Klimakrise verschärfte wie alle Krisen, ob Corona, Krieg oder Hunger, geschlechtsspezifische Ungleichheiten. Der Außenministerin will sie sagen, „wie gut ich es finde, dass sie den Takeover mitmacht. Die Situation für Frauen in der Politik ist ja immer noch nicht einfach, das haben wir im Bundestagswahlkampf an ihrem Beispiel gesehen. Sie macht feministische Außen- und Sicherheitspolitik, die im Koalitionsvertrag festgeschrieben ist, und ich werde ihr ein Forderungspapier dazu übergeben.“

Die Konferenz am 11. Oktober, bei der eine Reihe von Außenministerinnen und Außenministern eingeladen sind, sei eine ideale Gelegenheit, um den Anliegen des Jugendbeirats Gehör zu verschaffen. Auch Jennifer Morgan, Staatssekretärin im Auswärtigen Amt, wird teilnehmen.

Welt-Mädchentag: „Es gibt zu wenig weibliche Vorbilder"

„Es gibt immer noch zu wenig weibliche Vorbilder, das wollen wir mit dem Takeover klarmachen“, sagt Kim Ducho und verhehlt nicht, dass sie als Studentin, die aus Winterhude stammt, selbst ein privilegiertes Leben führt. Aber sie sieht es gewissermaßen als Verpflichtung an, sich für andere einzusetzen.

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