Südamerika

Was sich Peter Tschentscher nach der Reise erhofft

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Peter Ulrich Meyer und Bürgermeister Peter Tschentscher.

Peter Ulrich Meyer und Bürgermeister Peter Tschentscher.

Foto: Senatskanzlei Hamburg

Bürgermeister zieht positives Fazit. Zusammenarbeit in der Energiepolitik erscheint denkbar. Aber Hamburg hat Konkurrenz.

Santiago de Chile. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hat ein positives Fazit der einwöchigen Reise der politischen und Wirtschaftsdelegation nach Südamerika gezogen. „Es war eine sehr lohnende Reise, weil sich viele Kontakte, die es schon gibt, noch einmal verstärkt haben“, sagte Tschentscher im Gespräch mit dem Abendblatt. „Für uns war vor allem wichtig zu erfahren, wie man in Lateinamerika die Wasserstofftechnologie, die neuen Energien, sieht. Ich war sehr positiv überrascht, dass hier sehr weit in die Zukunft gedacht wird“, so Tschentscher.

„Das heißt, die Regierungen von Argentinien, Uruguay und Chile haben sehr präzise Pläne, um das große Potenzial der grünen Energien ihres Landes für sich selbst, aber auch für den Export und damit auch für Deutschland zu nutzen.“

Südamerika: Chile will qualifizierte Arbeitsplätze schaffen

Chile sei nicht nur daran interessiert, Energie oder Rohstoffe zu liefern, sondern auch moderne Technologien ins Land zu holen und so qualifizierte Arbeitsplätze in Chile zu schaffen. „Das sind sehr nachvollziehbare Interessen, die wir in unserem bilateralen Austausch berücksichtigen sollten. Mit der dualen Ausbildung zum Beispiel können wir in diesem Land Erfolgsmodelle einbringen, die auch sehr gern angenommen werden“, sagte der Bürgermeister.

Politische Begleitung konkreter wirtschaftlicher Kontakte bedeute immer, dass man sich der Ziele vergewissert, die man gemeinsam verfolgen will. „Das Interesse an Deutschland und die Offenheit uns gegenüber sind in Chile wie auch in den beiden anderen Ländern groß. Unser Besuch hat unseren potenziellen künftigen Partnern gezeigt, dass es sich lohnt, nach Deutschland zu blicken“, so Tschentscher. „Hier ist Aufbruchstimmung, und in einer Zeit, in der die Welt sich neu sortiert, in der es geopolitische Spannungen zwischen Europa, den USA sowie Russland und China gibt, ist es gut, dass Südamerika auch nach Europa blickt und eine gute Ansprechstation für uns ist.“

Auch Vertreter von Rotterdam vor Ort

Hamburg hat vor allem über den Hafen traditionell sehr viele Handelsbeziehungen zu Südamerika. „Allein die Integration der chilenischen Reederei CSAV in Hapag-Lloyd bedeutet viele zusätzliche Kontakte speziell für die Reedereien“, sagte Tschentscher. Allerdings haben andere Staaten und Regionen den Kontinent auf der Südhalbkugel auch bereits für sich entdeckt. So waren auch schon Vertreter von Hamburgs Konkurrenzhäfen Rotterdam und Antwerpen hier.

„Der Zeitpunkt unserer Reise ist sicherlich nicht zu früh. Andere sind schon auf dem Weg wie auch China zum Beispiel. Wir konnten aber den Experten hier überzeugend darlegen, dass wir in Hamburg schon vorzeigbare Schritte in Richtung Energiewende gegangen sind und nicht nur über Pläne in der Zukunft reden. Genau daran werden wir anknüpfen. Nachdem wir genau wissen, woran unsere südamerikanischen Partner Interesse haben, werden wir das nacharbeiten. Es wird ein Follow-up geben“, so Tschentscher.

"Dürfen nicht nur einen Lieferanten haben"

Dass neue Abhängigkeiten entstehen können, wenn Chile grünen Wasserstoff liefert, befürchtet der Bürgermeister nicht. „Wenn es nur einseitige Beziehungen nach Südamerika gäbe, wäre das möglicherweise der Fall. Aber das ist nicht so. Die Bundesregierung war in Kanada. Es gibt Beziehungen in die arabischen Staaten“, sagte Tschentscher und fügte hinzu: „Bei der Neuausrichtung unserer Energiepolitik müssen wir darauf achten, dass es keine Abhängigkeiten von einzelnen Staaten mehr gibt. Wir müssen das tun, was internationale Unternehmen auch tun: nicht nur einen Lieferanten haben, um flexibel reagieren zu können, wenn es in einer Region Spannungen gibt.“

Die Spuren der Zerstörungen in der chilenischen Hauptstadt im Zuge der Aufstände von 2019/20 sind noch sehr sichtbar. „Der Ausbruch der Gewalt hat die chilenische Regierung selbst verunsichert. Das war ein zentrales Thema in allen Gesprächen“, sagte Tschentscher. Die eigentliche Ursache war der Protest gegen die Erhöhung der Fahrpreise für die Metro. „Die Regierungen von Chile und auch Argentinien haben sich vorgenommen, die politische Stabilität und die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern. Das ist eine Strategie, die ich sehr begrüße.“

Südamerika: Tschentscher zum ersten Mal vor Ort

Tschentscher war zum ersten Mal in Südamerika. Er habe mehr kulturelle Ähnlichkeiten zu Europa gespürt als in Asien oder Afrika. Die Lebensfreunde in Südamerika sei auch im öffentlichen Raum erlebbar. „Drittens bin ich beeindruckt, dass die Menschen etwas erreichen wollen. Es ist keine Trägheit zu spüren. Die Menschen gehen anpackend und ein Stück weit zuversichtlich und fröhlich an die großen Aufgaben heran, die vor ihnen liegen. Das ist sehr hanseatisch.“

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