Corona Hamburg

Zahl der kostenlosen Bürgertests soll ab Juli sinken

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In Hamburg gibt es derzeit noch 297 Corona-Teststationen.

In Hamburg gibt es derzeit noch 297 Corona-Teststationen.

Foto: Marcus Brandt / picture alliance/dpa

Senatorin und Ärztevertreter halten Lauterbachs Pläne für machbar. Aber sie stellen Forderungen. Wer sich weiter kostenlos testen kann.

Hamburg. Der Zugang zu den kostenlosen Corona-Bürgertests soll nach dem Willen von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) schon bald deutlich eingeschränkt werden. Nur noch Patienten mit Symptomen sollen dafür infrage kommen, dazu andere ausgewählte Gruppen wie Kleinkinder und Schwangere. Auch präventive Tests in Kliniken und Pflegeheimen, bei einer sich ausbreitenden Infektionslage in „Hotspots“ sowie für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine sollen weiter möglich sein.

Hamburgs Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD) sagte auf Abendblatt-Anfrage: „Auch nach kommender Woche muss es ein Testangebot für die Bürgerinnen und Bürger geben.“ Wie dieses Angebot aussehen soll und finanziert werde, müssten Bund und Länder gemeinsam klären.

„Während der Bund die Finanzierung sicherstellt, sind die Länder und Kommunen mit der unmittelbaren Umsetzung befasst und auch mit Unklarheiten, die sich aus der kurzfristigen Entscheidung zum weiteren Testangebot ergeben, konfrontiert“, sagte Behördensprecher Martin Helfrich.

Corona: Hamburgs Ärzte mit klarer Haltung zu Bürgertests

Im Rahmen der Gesundheitsministerkonferenz ringen Bund und Länder seit gestern um das weitere Angebot kostenloser Corona-Schnelltests im Sommer und Herbst. Bei den Vorbereitungen auf eine mögliche neue Ansteckungswelle im Herbst wird außerdem über nötige strengere Vorgaben wie Maskenpflichten diskutiert. Die derzeit gültige Testverordnung läuft zum 30. Juni aus, die Kosten für die Bürgertests werden vom Bund ge­tragen.

Recht große Einigkeit herrscht offenbar in der Hamburger Ärzteschaft, was die Schnelltests betrifft. Jana Husemann, 1. Vorsitzende des Hausärzteverbands Hamburg hält „trotz steigender Infektionszahlen das anlasslose Massentesten symptomloser Menschen nicht für zielführend“.

Sie spricht davon, dass man immer wieder „von deutlichen Qualitätsmängeln bei der Probenentnahme in Testzentren“ höre. „Insofern ist es zu begrüßen, dass Änderungen bei den kostenlosen Bürgertests geplant sind.

Kostenlose Tests für Kleinkinder und Geflüchtete

Weiter Zugang zu kostenlosen Tests sollten natürlich Menschen mit Symptomen haben. Darüber hinaus Menschen, für die es keine Impfempfehlung gibt wie Kleinkinder. Auch im Rahmen von Präventivtestungen in Pflegeheimen, Betreuungseinrichtungen und Krankenhäusern sollten weiterhin kostenlose Tests möglich sein. „Momentan ist es sicherlich auch sinnvoll, Geflüchtete aus der Ukraine einmalig zu testen“, so Husemann.

Auch Dirk Heinrich, Hals-Nasen-Ohren-Facharzt und ehemaliger Leiter des Hamburger Impfzentrums in den Messehallen, steht hinter Lauterbachs Idee: „Ich halte es für machbar, angesichts auch der häufig nicht ganz so klaren Abstrichqualität und der hohen Kosten im Verhältnis zu dem, was wir dadurch gewinnen, da wir auch nicht mehr so strenge Isolierungen haben.“ Die Tests hätten auch keinen so großen Effekt mehr. Für gefährdete Gruppen müssten die Tests aber nach wie vor bezahlt werden“, fordert Heinrich.

Corona-Tests nur noch für bestimmte Gruppen

John Afful, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg (KVH), hält Lauterbachs Vorhaben, die kostenlosen Tests auf bestimmte Personengruppen zu beschränken, vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Lage für angemessen: „Angesichts einer hohen Impfquote in der Bevölkerung und weitestgehend milder Corona-Verläufe ist es vertretbar, die staatliche Finanzierung anlassloser Testungen bei symptomlosen Personen grundsätzlich zu unterlassen“, sagte Afful dem Abendblatt.

Ausnahmen sollte es aber wie vorgesehen geben, etwa für Personen, die nicht geimpft werden können, die Vorerkrankungen haben oder die zum Beispiel aufgrund ihres Alters besonders vulnerabel sind und denen etwa ein schwerer Verlauf einer Corona-Infektion droht. „Weitere Personengruppen, die zukünftig noch Anspruch haben sollten, sind Pflegepersonal, Patientinnen und Patienten in medizinischen Einrichtungen, Krankenhäusern und Praxen sowie Bewohnerinnen und Bewohner in Pflegeeinrichtungen. Symptomatische Patientinnen und Patienten haben weiterhin die Möglichkeit einer Testung auf Corona bei niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten“, so der KV-Chef.

Dennis Thering, CDU-Fraktionschef, hält Gratisbürgertests weiterhin für ein wichtiges Instrument zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. „Und diese ist nicht vorbei. Ganz im Gegenteil: Die Zahlen steigen gerade wieder an. Und im Herbst und Winter ist mit weiteren Wellen zu rechnen. Dieses niedrigschwellige Test-angebot muss also dringend für alle Bürger kostenfrei erhalten bleiben.“

Dass in Hamburgs Schulen nicht mehr regelhaft getestet wird, findet der CDU-Politiker allerdings in Ordnung: „Von einer anlasslosen Testpflicht an Schulen kann derzeit abgesehen werden. Allerdings kann dies bei stark steigenden Zahlen im Herbst und Winter auch wieder eine notwendige Maßnahme sein. Wir alle freuen uns auf einen möglichst unbeschwerten Sommer. Deswegen dürfen wir aber nicht völlig unvernünftig werden und müssen zumindest freiwillige Angebote im Instrumentenkasten der Pandemiebekämpfung vorhalten.“

In Hamburg, wo die Inzidenz derzeit bei 662,6 liegt, gibt es nach Angaben von Behördensprecher Martin Helfrich aktuell noch 297 Testzentren. Im Internet sind alle noch geöffneten Teststellen unter der Adresse www.hamburg.de/corona-schnelltest aufgelistet.

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