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Erstimpfung startet wieder: Hamburg vergibt neue Termine

| Lesedauer: 18 Minuten
Nach Astrazeneca-Impfung zweite Dosis mit mRNA-Impfstoff

Nach Astrazeneca-Impfung zweite Dosis mit mRNA-Impfstoff

Die Ständige Impfkommission passt jetzt ihre Impfempfehlung für Astrazeneca an. Bei der Zweitimpfung soll zu einem mRNA-Impfstoff gewechselt werden.

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Der Überblick: Gastgewerbe beklagt Personalmangel. Delta-Variante wird bald dominieren. Inzidenz steigt wieder leicht.

Hamburg. Die Corona-Inzidenz in Hamburg ist am Dienstag zwar wieder leicht gestiegen, bleibt aber auf einem niedrigen Niveau. Trotz des abflauenden Infektionsgeschehens sollen sich nach der Rückkehr aus den Sommerferien alle Schülerinnen und Schüler wieder regelmäßig selbst testen. In einem Rechtsstreit um die Testpflicht an Schulen hat die Hamburger Schulbehörde nun jedoch eine Niederlage vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) erlitten.

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Im Impfzentrum an den Messehallen sorgen derweil Schwänzer und Schwindler für Ärger. Wer seinen Termin nicht einhält oder sich seine Zweitimpfung erschleicht, blockiert laut der Kassenärztlichen Vereinigung neue Termine für Erstimpfungen. Die Hamburger CDU forderte Konsequenzen. Wer unentschuldigt fehlt, solle ein Bußgeld zahlen. Alle Infos in unserem Newsblog.

Die Corona-Nachrichten für Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen am 6. Juli:

Die aktuellen Corona-Fallzahlen aus ganz Norddeutschland:

  • Hamburg: 2311 neue Corona-Fälle (gesamt seit Pandemie-Beginn: 430.228), 465 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (davon auf Intensivstationen: 44), 2373 Todesfälle (+2). Sieben-Tage-Wert: 1435,3 (Stand: Sonntag).
  • Schleswig-Holstein: 1362 Corona-Fälle (477.682), 623 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 39). 2263 Todesfälle (+5). Sieben-Tage-Wert: 1453,0; Hospitalisierungsinzidenz: 7,32 (Stand: Sonntag).
  • Niedersachsen: 12.208 neue Corona-Fälle (1.594.135), 168 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen, 7952 Todesfälle (+2). Sieben-Tage-Wert: 1977,6; Hospitalisierungsinzidenz: 16,3 (Stand: Sonntag).
  • Mecklenburg-Vorpommern: 700 neue Corona-Fälle (381.843), 768 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 76), 1957 Todesfälle (+2), Sieben-Tage-Wert: 2366,5; Hospitalisierungsinzidenz: 11,9 (Stand: Sonntag).
  • Bremen: 1107 neue Corona-Fälle (145.481), 172 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 14), 704 Todesfälle (+0). Sieben-Tage-Wert Stadt Bremen: 1422,6; Bremerhaven: 2146,1; Hospitalisierungsinzidenz (wegen Corona) Bremen: 3,88; Bremerhaven: 7,04 (Stand: Sonntag; Bremen gibt die Inzidenzen getrennt nach beiden Städten an).

Corona-Impfzentrum vergibt ab sofort wieder Termine

Alle Hamburgerinnen und Hamburger über 18 Jahre können ab sofort wieder beim Impfzentrum in den Messehallen Termine für Corona-Impfungen vereinbaren. Insgesamt stünden mehr als 20.000 Termine zur Verfügung, wie die Sozialbehörde auf Abendblatt-Anfrage mitteilte. Die Impfungen erfolgten überwiegend mit einem mRNA-Impfstoff wie Biontech/Pfizer oder Moderna.

„Bitte tragen Sie sich mit dem Gedanken der Impfung. Informieren Sie sich, und machen Sie sich einen Termin“, sagte Leonhard. Die Termine könnten entweder telefonisch unter 116117 oder online vereinbart werden.

Erst am vergangenen Freitag hatte Leonhard wegen einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) beim Robert Koch-Institut die Terminvergabe für Erstimpfungen gestoppt. Die Stiko hatte empfohlen, dass Menschen, die bei der Erstimpfung Astrazeneca erhalten haben, bei der Zweitimpfung nun einen mRNA-Impfstoff erhalten sollen.

Für Hamburg bedeutete das, dass der vorhandene mRNA-Impfstoff vorrangig für die Zweitimpfungen genutzt werden sollte. Leonhard war davon ausgegangen, dass die Pause bei den Erstimpfungen in den Messehallen zwei Wochen dauern werde.

„Tatsächlich ist es so, dass es sich gut gerüttelt hat in den letzten zwei Tagen“, sagte Leonhard. Es gebe mehr Menschen, die tatsächlich Astrazeneca als Zweitimpfung haben wollten. „Das gibt uns den Spielraum, wieder Termine freizuschalten.“

Hamburger Fischmarkt kann unter Corona-Auflagen weiter stattfinden

Tausende Frühaufsteher und Nachtschwärmer waren am Sonntagmorgen nach langer Unterbrechung erstmals wieder über den legendären Hamburger Fischmarkt gebummelt. Um 5 Uhr öffnete nach mehr als 15 Monaten Corona-Unterbrechung eine reduzierte Zahl von Verkaufsständen. Nach Angaben der Polizei verlief die bis auf eine verbale Auseinandersetzung, zwei Platzverweisen und einer Ingewahrsamnahme ruhig.

Das Bezirksamt Altona ist ebenfalls zufrieden mit dem Neustart der Traditionsveranstaltung. "So kann der Markt in seiner aktuellen Ausprägung mit Auflagen auch an den kommenden Sonntagen bis auf Weiteres stattfinden", heißt es in einem Tweet.

Der Fischmarkt in Altona läuft mit Corona-Auflagen zunächst im Testbetrieb. Marktschreier und Musiker sind noch nicht erlaubt. Besucher müssen eine medizinische Maske tragen und dürfen nur außerhalb des Geländes essen. Auf einer Länge von 250 Metern und einer Breite von 30 Metern dürfen zudem derzeit nur rund 60 Händler in zwei Reihen ihre Waren anbieten. Üblicherweise sind dort etwa 120 Marktstände aufgebaut.

Norwegen-Fähre erstmals wieder von Kiel aus aufgebrochen

Nach pandemiebedingter Zwangspause sind deutsche Touristen von Kiel aus erstmals seit Monaten wieder mit einer Norwegen-Fähre in Richtung Oslo aufgebrochen. „Wir sind mit 1250 Gästen ausgebucht“, sagte der Geschäftsführer von Color Line Deutschland, Dirk Hundertmark. „Gut ein Drittel sind deutsche Gäste.“ Sie sind überwiegend mit dem Auto an Bord der „Color Magic“ gefahren.

Die Einreise nach Norwegen ist für Deutsche wieder möglich. Die beiden Schiffe „Color Magic“ und „Color Fantasy“ verkehren seit Dienstag wieder im täglichen Wechsel zwischen Kiel und Oslo. Eine Mitfahrt ist mit und auch ohne Auto möglich. Wegen der Corona-Hygienevorkehrungen werden die Schiffe derzeit aber nur zur Hälfte belegt.

Corona: Stau vor dem Hamburger Impfzentrum

Termin-Schwänzer und mehr als frühzeitig zur Spritze erschienene Impfkandidaten haben am Dienstag für Hunderte Meter Stau vor dem Impfzentrum an den Messehallen gesorgt. Die Schlangen bildeten sich Richtung S-Bahn Sternschanze und die Lagerstraße herunter Richtung Schanzenstraße. Hier regelte die Polizei den Verkehr und versuchte, ein Parkchaos zu verhindern. Mitarbeiter des Impfzentrums versorgten die Wartenden mit Wasser, Regenschirmen, Klappstühlen und Süßigkeiten. Wer sichtlich zu erschöpft war, um in der Schlange zu warten, wurde vorgezogen.

Der Grund für die Wartezeit waren zum einen Menschen, die zum Teil mehrere Stunden verfrüht zu ihrer Zweitimpfung erschienen. Das waren zumeist mit Astrazeneca Geimpfte, die nun Moderna oder Biontech erhalten. Dabei verlangten einige unbedingt Biontech, was zu Diskussionen und weiteren Verzögerungen führte, wie der Sprecher der medizinischen Leiter, Dr. Dirk Heinrich, dem Abendblatt sagte. Zum anderen, sagte Heinrich, seien rund 500 Menschen mit Terminen am Montag erst Dienstag erschienen. Bei rund 9000 geplanten Impfungen für den Tag sei das eine logistische Herausforderung. Die Kapazitätsgrenze des Impfzentrums ist damit eigentlich bereits überschritten.

Schulen in Niedersachsen erhalten Geld für Lüftungsanlagen

Angesichts der Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus und der eingeschränkten Impfangebote für Kinder und Jugendliche will das Land Niedersachsen mehr Geld für Lüftungsanlagen in Schulen zur Verfügung stellen. Zusätzlich zu der bisherigen Förderung von Luftfilteranlagen in eingeschränkt belüftbaren Unterrichtsräumen sollen die niedersächsischen Schulträger nun 20 Millionen Euro vom Land erhalten. Über einen entsprechenden Kabinettsbeschluss informierten das Kultus- und Sozialministerium in Hannover.

Das Geld ist dafür vorgesehen, die Klassenräume der Schuljahrgänge 1 bis 6 etwa mit Fensterventilatoren auszustatten. Der Fokus liege auf den Schülerinnen und Schülern dieser Jahrgänge, da ihnen in absehbarer Zeit kein Impfangebot gemacht werden könne, erklärte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD). Mit den 20 Millionen Euro könnte bei einer 80-prozentigen Förderung rein rechnerisch für jedes der rund 25.000 Klassenzimmer der Schuljahrgänge 1 bis 6 in Niedersachsen eine sogenannte Zu- und Abfluftanlage angeschafft werden.

Virologe: Delta-Variante wird in Kürze in Hamburg dominieren

Die erheblich infektiösere Delta-Variante des Coronavirus wird in Kürze wohl auch in Hamburg für den größten Teil der Neuinfektionen verantwortlich sein, sagte Prof. Adam Grundhoff vom Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie dem Abendblatt. „Nach unseren Untersuchungen betrug der Anteil der Delta-Variante in Proben aus Hamburg vor zwei Wochen 42 Prozent. Aktuell dürften wir bei mindestens 50 Prozent liegen. In Kürze wird diese Mutante auch bei uns dominieren“, sagte Grundhoff.

„Delta ist wohl etwa 50 Prozent ansteckender als die zuletzt dominierende Alpha-Variante und doppelt so ansteckend wie der Wildtyp des neuartigen Coronavirus. Vor diesem Hintergrund gehe ich davon aus, dass die Inzidenzen auch in Hamburg wieder hochgehen werden.“ Es sei allerdings völlig offen, wie stark das Infektionsgeschehen in der Hansestadt zunehmen werde, so der Virologe.

Die wichtigsten Varianten des Coronavirus im Überblick

Nach Anregung der Weltgesundheitsorganisation WHO werden die Varianten des Coronavirus seit Mai 2021 nicht mehr nach den Staaten benannt, in denen sie zuerst nachgewiesen wurden, sondern nach den Buchstaben des griechischen Alphabets. So soll eine Stigmatisierung beispielsweise von Ländern verhindert werden, in denen besonders ansteckende Virusmutationen zuerst nachgewiesen wurden.

Derzeit gelten fünf Formen des Coronavirus als besorgniserregend ("Variants of Concern"):

  • Alpha: Die im September 2020 zuerst in Großbritannien nachgewiesene Variante B.1.1.7, die das ursprüngliche Coronavirus fast vollständig verdrängt hatte, bevor sie ihrerseits von der Delta-Variante verdrängt wurde
  • Beta: Eine Form des Coronavirus, die im Mai 2020 in Südafrika entdeckt wurde, wissenschaftliche Bezeichung: B.1.351, B.1.351.2, B.1.351.3
  • Gamma: Die zunächst in Brasilien im November 2020 nachgewiesene Mutation P.1 und ihre Subformen P.1.1 und P.1.2
  • Delta: Die Corona-Variante B.1.617.2 (und ihre Subformen AY.1, AY.2, AY.3), zuerst im Oktober 2020 in Indien gefunden
  • Omikron: Die Corona-Variante B.1.1.529 wurde im November 2021 in mehreren afrikanischen Ländern nachgewiesen und verbreitet sich

Außerdem beobachtet die WHO weitere vier Mutationen als bedeutsame "Variants of Interest" :

  • Lambda: C.37, im Dezember 2020 in Peru entdeckt
  • Mu: B.1.621, im Januar 2021 erstmals in Kolumbien nachgewiesen

Wie aus dem Corona-Briefing der Sozialbehörde hervorgeht, wurde die Delta-Variante bisher in 121 Fällen nachgewiesen. Das sind 59 Fälle mehr als in der Vorwoche. In weiteren 88 Fällen bestehe der Verdacht auf diese Mutationsform. "Mit einer kurzfristigen, deutlichen Ausweitung des Auftretens dieser Variante ist zu rechnen", heißt es in dem Schreiben der Behörde.

Corona-Inzidenz in Hamburg steigt wieder leicht

Am Dienstag hat die Sozialbehörde 38 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das sind 27 Fälle mehr als am Montag (elf Fälle) und elf Fälle mehr als am Dienstag vor einer Woche (27). Damit steigt der Inzidenzwert wieder und liegt nun bei 9,1 (Vortag: 8,6) Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen.

Seit Beginn der Pandemie wurden in der Hansestadt 77.516 Corona-Infektionen registriert. Von ihnen gelten nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts 75.400 als genesen. 1.031.002 Menschen sind in Hamburg bereits einmal gegen das Coronavirus geimpft worden, wie aus Zahlen des RKI hervorgeht (Stand: 4.7.). Ihre Zweitimpfung haben 684.316 Bürger bekommen.

In Hamburger Krankenhäusern werden derzeit 34 Corona-Patienten behandelt. 19 Menschen sind so schwer erkrankt, dass sie intensivmedizinisch betreut werden müssen. Elf von ihnen kommen aus Hamburg (Stand: 2.7.). Die Behörde meldete zudem keinen weiteren Todesfall im Zusammenhang mit dem Virus. Bislang sind 1597 Menschen gestorben.

Corona: Gastgewerbe in Hamburg beklagt Personalschwund

Restaurants, Hotels und Bars dürfen in Hamburg zwar wieder öffnen, stehen nun jedoch vor neuen Problemen: das Personal fehlt. Innerhalb des vergangenen Corona-Jahres hat jeder sechste Beschäftigte in der Stadt den Job als Koch, Hotelangestellte oder Servicekraft aufgegeben, wie Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten unter Verweis auf neueste Zahlen der Arbeitsagentur mitteilt.

„Viele Menschen freuen sich, nach langen Entbehrungen endlich wieder essen zu gehen oder zu reisen. Aber ausgerechnet in der Sommersaison fehlt einem Großteil der Betriebe das Personal, um die Gäste bewirten zu können“, sagt Silke Kettner von der NGG-Region Hamburg-Elmshorn. Einkommenseinbußen durch Kurzarbeit hätten viele Beschäftigte dazu gezwungen, sich umzuorientieren. Bereits vor der Pandemie hätten die geringe Bezahlung und die ungeregelten Dienstzeiten die Arbeit in der Branche jedoch bereits unattraktiv gemacht.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Ploß: Keine Einschränkungen mehr für Geimpfte ab Herbst

Der Hamburger CDU-Vorsitzende Christoph Ploß fordert, die Einschränkungen für Geimpfte in Hamburg ab spätestens Herbst aufzuheben. Für vollständig Geimpfte "müssen die Einschränkungen spätestens dann fallen, wenn alle Hamburger ein Impfangebot erhalten haben“, teilte Ploß mit.

Er unterstütze zudem den Vorstoß des CDU-Fraktionsvorsitzenden Dennis Thering, Impfschwänzer mit einem Bußgeld zu belegen. "Sich impfen zu lassen, ist auch ein Akt der Solidarität! Impftermine einfach ohne Absage oder Angaben von Gründen fallen zu lassen, geht gar nicht" so Ploß.

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Corona-Impfung für Kinder? Leonhard lädt zur Q&A-Session

Sollen Kinder und Jugendliche gegen das Coronavirus geimpft werden oder lieber nicht? Vor dieser Entscheidung stehen derzeit viele Eltern – denn eine allgemeine Empfehlung gibt es noch nicht. Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) und der Kinderarzt Dr. Stefan Renz wollen am Donnerstag im Rahmen eines Instagram-Videos auf die wichtigsten Fragen der Hamburger eingehen und ihnen Orientierung geben, wie die Sozialbehörde mitteilte.

Interessierte können bereits ab heute über den Instagram-Kanal der Sozialbehörde ihre Fragen einreichen. Wer keinen Instagram-Account anlegen möchte, könne eine kurze Frage unter socialmedia@soziales.hamburg.de einreichen (Betreff: Insta Q&A Kinderimpfung).

Diese Corona-Impfstoffe sind in Deutschland zugelassen

  • Biontech/Pfizer: Der erste weltweit zugelassene Impfstoff gegen das Coronavirus wurde maßgeblich in Deutschland entwickelt. Der mRNA-Impfstoff, der unter dem Namen Comirnaty vertrieben wird, entwickelt den vollen Impfschutz nach zwei Dosen und ist für Menschen ab zwölf Jahren zugelassen. Laut Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat er eine Wirksamkeit von etwa 90 Prozent – das heißt, die Wahrscheinlichkeit, schwer an Covid-19 zu erkranken, sinkt bei Geimpften um den genannten Wert. Ebenfalls von Biontech stammt der erste für Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren zugelassene Impfstoff in Deutschland.
  • Astrazeneca: Der Vektorimpfstoff des britischen Pharmaunternehmens wird unter dem Namen Vaxzevria vertrieben. Aufgrund von seltenen schweren Nebenwirkungen empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko), den Impfstoff nur für Patienten zu verwenden, die älter als 60 Jahre sind. Offiziell zugelassen ist der Impfstoff aber für Menschen ab 18 Jahren. Vaxzevria weist laut BMG nach zwei Impfdosen eine Wirksamkeit von bis zu 90 Prozent in Bezug auf schwere Erkrankungen auf.
  • Moderna: Der von dem US-Unternehmen entwickelte mRNA-Impfstoff mit dem Vertriebsnamen Spikevax ist für alle ab 12 Jahren zugelassen, die Stiko empfiehlt aufgrund eines erhöhten Risikos schwerer Nebenwirkungen aber, ihn auf die Altersgruppe der über 30-Jährigen zu beschränken. Der Moderna-Impfstoff hat laut BMG eine Wirksamkeit von bis zu 90 Prozent in Bezug auf schwere Erkrankungen, wenn der volle Impfschutz nach zwei Impfdosen erreicht worden ist.
  • Johnson&Johnson: Das US-Unternehmen hat einen Vektorimpfstoff entwickelt, der bereits nach einer Impfdosis Schutz vor dem Coronavirus entwickelt. Er wird unter dem Namen Covid-19 Vaccine Janssen vertrieben. Das Präparat hat laut BMG eine Wirksamkeit von bis zu 70 Prozent bezogen auf schwere Erkrankungen – zudem ist die Zahl der Impfdurchbrüche im Vergleich zu den anderen Impfstoffen erhöht, daher empfiehlt die Stiko für mit Johnson&Johnson Geimpfte schon nach vier Wochen eine zusätzliche Impfdosis mit Comirnaty oder Spikevax, um den vollständigen Impfschutz zu gewährleisten.
  • Novavax: Das US-Unternehmen hat den Impfstoff Nuvaxovid entwickelt. der mitunter zu den sogenannten Totimpfstoffen gezählt wird. Er enthält das Spike-Protein des Covid-19-Erregers Sars-CoV-2. Dabei handelt es sich aber genau genommen nicht um abgetötete Virusbestandteile, die direkt aus dem Coronavirus gewonnen werden. Das Protein wird stattdessen künstlich hergestellt. Das menschliche Immunsystem bildet nach der Impfung Antikörper gegen das Protein. Der Impfstoff wird vermutlich ab Ende Februar in Deutschland eingesetzt und soll laut BMG in bis zu 90 Prozent der Fälle vor Erkrankung schützen.
  • Weitere Impfstoffe sind in der Entwicklung: Weltweit befinden sich diverse Vakzine in verschiedenen Phasen der Zulassung. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA prüft derzeit das umstrittene russische Präparat Sputnik V sowie die Impfstoffe der Hersteller Sinovac, Sanofi und Valneva. Der deutsche Hersteller CureVac hat seinen Impfstoff vorerst aus dem Zulassungsverfahren zurückgezogen.

Corona-Inzidenz in Niedersachsen erneut unverändert

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Niedersachsen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche hat sich erneut nicht geändert. Nach Mitteilung des Robert Koch-Instituts (RKI) blieb der Inzidenzwert wie am Montag bei 3,7. Auch am Sonntag hatte der Wert schon bei 3,7 gelegen. Die Zahl der Neuinfektionen nahm um 31 zu. Es gab nach RKI-Angaben einen neuen Todesfall.

Die Landkreise mit den höchsten Inzidenzwerten in Niedersachsen blieben Celle (15,6) und Stade (13,2). In den Landkreisen Leer, Grafschaft Bentheim, Uelzen und Heidekreis lag der Wert bei 0.

OVG: Hamburgs Schüler können Testpflicht widersprechen

In einem Rechtsstreit um die Corona-Testpflicht an Schulen hat die Hamburger Schulbehörde eine Niederlage vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) erlitten. Die Richter bestätigten in einem Beschluss vom 21. Juni die aufschiebende Wirkung einer Beschwerde gegen den sogenannten Musterhygieneplan. Nach dieser Vorschrift müssen sich die Hamburger Schüler mindestens zweimal pro Woche in der Schule unter Aufsicht selbst testen, sofern sie am Präsenzunterricht teilnehmen wollen.

Die Eltern eines Grundschülers bestanden jedoch darauf, dass ihr Kind auch zu Hause einen Test machen könne. Mit ihrem Eil-Antrag hatten sie vor dem Verwaltungsgericht Erfolg, doch die Schulbehörde legte Beschwerde ein. Nun wies das Oberverwaltungsgericht den Einspruch der Schulbehörde zurück. Dieser sei nach Ablauf der Frist eingegangen, stellten die Richter fest. Zudem gehe aus der Rechtsgrundlage für den Musterhygieneplan hervor, dass ein Widerspruch gegen die Testpflicht aufschiebende Wirkung habe.

Ein Sprecher des Oberverwaltungsgerichts erklärte, dass nun jeder betroffene Schüler der Testpflicht in der Schule widersprechen könne. „Jeder, der Widerspruch erhebt, kann sich darauf (den Beschluss des OVG) berufen“, sagte der Sprecher. Die Testpflicht als solche hielten die Richter allerdings grundsätzlich für rechtmäßig. Die Schulbehörde äußerte sich zunächst nicht zu der Gerichtsentscheidung.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Corona-Hilfen verschaffen Kommunen im Norden Überschuss

Trotz der Belastungen durch die Corona-Krise haben Schleswig-Holsteins Kommunen wegen der beispiellosen Hilfen von Bund und Ländern das vergangene Jahr mit einem Überschuss abgeschlossen. Dies geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Finanzreport der Bertelsmann Stiftung hervor. Demnach wuchsen Investitionen, während die Hartz-IV-Ausgaben stabil blieben und die Kassenkredite weiter verringert wurden.

Besonders gut kamen die Kommunen im Norden bei der Gewerbesteuer weg. Zum einen sank das Aufkommen hier nur um 4 Prozent, während es bundesweit 18 Prozent waren. Da die Kommunen gleichzeitig einen höheren Anteil an dem Steueraufkommen behalten durften und die Rezession milder verlief als erwartet, hatten die Gemeinden im Land letztlich 100 Millionen Euro höhere Gewerbesteuern in den Kassen als im Vorjahr. Das Aufkommen aus dieser Steuer ist seit 2015 um mehr als 40 Prozent gestiegen und war zuletzt je Einwohner höher als in Niedersachsen und fast doppelt so hoch wie in Mecklenburg-Vorpommern.

15 neue Coronafälle – Inzidenz im Norden sinkt leicht

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Schleswig-Holstein ist am Montag leicht gesunken – auf 3,5. Zuvor war der Wert seit Mittwoch täglich ein wenig gestiegen. Nach weiteren Angaben der Landesmeldestelle vom Montag gab es 15 registrierte Neuinfektionen (Sonntag: 6/ Sonnabend: 20). Am Montag vor einer Woche waren 19 Neuinfektionen gemeldet worden und die Inzidenz lag bei 3,3.

Die Gesamtzahl der Corona-Toten im Bundesland liegt weiterhin bei 1623. Im Krankenhaus wurden am Montag den Angaben nach 17 Covid-19-Erkrankte behandelt. Das sind 3 mehr als am Sonntag. 9 Patienten lagen auf der Intensivstation – zwei weniger als am Tag zuvor. Die Regionen mit der höchsten Inzidenz sind Lübeck (6,9), Kiel (5,3) und Pinneberg (5,1). In Dithmarschen hingegen wurde seit einer Woche kein neuer Corona-Fall mehr gemeldet.

Hamburg: CDU fordert 50 Euro Bußgeld für "Impfschwänzer"

Das unentschuldigte Fehlen bei einem Corona-Impftermin sollte nach Ansicht der Hamburger CDU-Bürgerschaftsfraktion Konsequenzen haben. Fraktionschef Dennis Thering forderte nach Angaben eines Sprechers ein Bußgeld bis zu 50 Euro für Menschen, die einen Termin einfach platzen lassen. „Das sollte nicht folgenlos bleiben“, sagte der Sprecher am Montag.

SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf erklärte: „Nicht wahrgenommene Impftermine können dazu führen, dass Impfstoff verfällt und weggeworfen werden muss, auf den andere Personen dringend warten – das ist nicht akzeptabel und unsolidarisch.“ Ein Bußgeld forderte Kienscherf nicht. Sollte sich das unentschuldigte Fehlen aber häufen, würde auch die SPD-Fraktion ein Bußgeld für denkbar halten.

Der Sprecher der Gesundheitsbehörde, Martin Helfrich, sagte: „Das Thema Impfschwänzer ist in Hamburg kein großes Problem.“ Viele Menschen wollten ihren Zweittermin möglichst früh haben. Einige buchten sich darum einfach selbst einen zweiten Termin. Das sei aber ein neuer Erstimpfungstermin, den man nicht als Zweittermin wahrnehmen könne.

Etwa fünf Prozent aller Impftermine würden verstreichen. „Das ist Sand im Getriebe“, sagte Helfrich. Er appellierte an die Hamburger, zu den Impfterminen so wie gebucht zu erscheinen. Nur aus triftigen Gründen, wie zum Beispiel wegen einer Erkältungskrankheit, könne man einen Termin absagen.

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Zur Zahl der Impfschwänzer bei den niedergelassenen Ärzten liegen keine Zahlen vor. „In den Arztpraxen ist das nicht so ausgeprägt“, sagte der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg, Jochen Kriens. Aber für die Arztpraxen seien nicht wahrgenommene Impftermine ein organisatorisches Problem. Eine geöffnete Ampulle könne nicht lange aufbewahrt werden. Manchmal versuchten Ärzte zu improvisieren und fragten in benachbarten Apotheken nach Impfwilligen.

Lesen Sie hier den Corona-Newsblog für Hamburg und den Norden vom Vortag

( cjl/mha/ryb/dpa )

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