TomTom

Lockdown-Ankündigung führte zu Torschlusspanik auf Straßen

Verkehr in Hamburg: Der gesperrte Jungfernstieg nach dem vorläufigen Umbau.

Verkehr in Hamburg: Der gesperrte Jungfernstieg nach dem vorläufigen Umbau.

Foto: Roland Magunia

Weniger Staus in Hamburg durch die Corona-Pandemie und Homeoffice, hat TomTom herausgefunden. Doch es gab "Ausreißer".

Hamburg. Die politischen Maßnahmen zum Lockdown in der Corona-Pandemie haben offenbar einen direkten Einfluss auf den Straßenverkehr in Hamburg. Wie aus einer Erhebung des Karten-, Software- und Navi-Anbieters TomTom für das Jahr 2020 hervorgeht, hat der erste Einschnitt in das öffentliche Leben im März vergangenen Jahres den größten Effekt gehabt, außerdem der sogenannte „Wellenbrecher-Lockdown“ im November sowie dessen Verschärfung im Dezember.

Wie aus den Daten zum Verkehr 2020 hervorgeht (416 Städte in 57 Ländern, Sonderauswertung für Hamburg), sei das Stau-Niveau nach jahrelangem Anstieg wieder gesunken. Das betreffe vor allem die Pendlerströme, die auch in Hamburg morgens (6 bis 9 Uhr) und ab nachmittags (15 bis 18, freitags ab 12 Uhr) für ein gesteigertes Verkehrsaufkommen sorgen.

Lockdown in Hamburg: TomTom sieht weniger Verkehr

Für die Stadt spricht TomTom von einem um fünf Prozentpunkte gesunkenen Niveau. Die genaue statistische Zusammensetzung dieses Niveaus und der Rückgang im Vergleich sind allerdings nicht ganz klar. TomTom folgert aber anhand von Zeitleisten, dass trotz einer Zunahme bei den zugelassenen Autos und der Hamburger Bevölkerungszahl: Als im März die Einschränkungen in Kraft traten, habe das einen unmittelbaren Effekt auf den dann geringeren Verkehr gehabt.

„Die größten Veränderungen im Stau-Niveau zeigen sich während des harten Lockdowns im Frühjahr und im Winter. Während dieser Perioden liegt das Stau-Niveau an 29 Tagen um mindestens 50 Prozent unter dem Vorjahresniveau, außerhalb des Lockdowns lediglich an drei weiteren Tagen“, heißt es in der Auswertung. Von Mai an habe der Verkehr wieder zugenommen, aber nicht das Niveau von 2019 erreicht. Als Gründe werden flexible Arbeitszeiten und Homeoffice genannt.

Politische Ankündigungen mit unmittelbarem Einfluss auf den Verkehr

Mitte Dezember habe der Straßenverkehr erneut und sprunghaft zugenommen, als der Lockdown angekündigt wurde. Da seien die „Hamburgerinnen und Hamburger noch einmal deutlich mehr unterwegs“ gewesen. Das scheint ein Effekt wie bei einer Torschlusspanik zu sein.

Lesen Sie auch:

Tempo-30-Strecke am Eppendorfer Weg verzögert sich weiter

U3 wird 14 Monate lang gesperrt – harscher Vorwurf der CDU

Flughafen Hamburg: "Corona hat uns im Würgegriff"

TomTom erklärt zu seinem Selbstverständnis, sich für eine Entlastung der Straßen einzusetzen und für neue emissionsärmere Mobilitätskonzepte. Für den Hamburger Jungfernstieg habe es eine Auffälligkeit gegeben: Das Einrichten einer autofreien Zone (außer Bussen und Lieferverkehr) habe „keine nennenswerten“ Einschränkungen für den Autoverkehr gehabt. Ob das aber dem generellen Rückgang geschuldet ist, bleibt offen.

Ralf-Peter Schäfer von TomTom glaubt indes: „Obwohl das Verkehrsaufkommen im Jahr 2020 geringer war, können wir hier noch nicht von einer Trendwende sprechen. Wir werden in den nächsten Monaten erleben, dass das Verkehrsaufkommen wieder zunehmen wird. Menschen werden wieder in die Arbeit fahren und zu alten Routinen zurückkehren.“