Verkehr

Trotz Jungfernstieg-Sperrung kaum Behinderungen in der City

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Der gesperrte Jungfernstieg nach dem vorläufigen Umbau.

Der gesperrte Jungfernstieg nach dem vorläufigen Umbau.

Foto: Roland Magunia

Navigationsdaten des Anbieters TomTom zeigen laut dessen Auswertung: „Umbau wurde gut verkraftet.“ Mehr Verkehr auf zwei Straßen.

Hamburg. Anders als von manchen befürchtet hat die Sperrung des Jungfernstiegs nicht zu mehr Staus in den umliegenden Straßen geführt. Das zeigen aktuelle Zahlen des Navigationssystem-Herstellers TomTom, die dem Abendblatt vorliegen. Demnach hat das Verkehrsaufkommen sogar abgenommen – und auf den Straßen, auf denen durch die Umgestaltung der Innenstadt doch mehr Autos unterwegs sind, fließt der Verkehr oft dennoch besser als vorher.

„Anhand unserer Verkehrsdaten sehen wir, dass sich rund um den nun autofreien Jungfernstieg – entgegen der Erwartungen – kein eindeutiger Ausweichverkehr entwickelt hat“, sagte Ralf-Peter Schäfer, „Vice President of Traffic Information“ bei TomTom. „Der Verkehrsfluss auf den umliegenden Straßen wird durch die autofreie Zone nicht deutlich gestört. Es lässt sich feststellen, dass das Straßennetz den Wegfall dieses Straßenabschnitts für Pkw gut verkraftet hat.“ Solche Ergebnisse sehe man „bei vielen vergleichbaren Projekten, bei denen Fußgängern und alternativen Verkehrsträgern mehr Platz auf den Straßen eingeräumt wird“, so Schäfer. „Weniger Raum für Pkw muss nicht heißen, dass es zu Verkehrsproblemen kommt.“

Leichte Zunahme des Verkehrs lediglich auf zwei Straßen

Eine leichte Zunahme des Verkehrs hat sich nach den TomTom-Daten lediglich auf zwei Straßen ergeben, die direkt zum Jungfernstieg führen: der Bergstraße und dem Ballindamm. Auf beiden Straßen kam es in Richtung Jungfernstieg zu einer Verschlechterung des Verkehrsflusses und in der Gegenrichtung zu einer Verbesserung. Möglicher Grund, laut TomTom: „Trotz der autofreien Zone fahren viele Autofahrer noch in diese Richtung und müssen dann über die Bergstraße/Ballindamm ausweichen.“ Es lasse sich aber „keine drastische Verschlechterung des Verkehrsflusses“ und auch „keine deutliche Verschiebung des Verkehrs, bzw. eindeutiger Ausweichverkehr feststellen“.

Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben Daten vor dem Umbau des Jungfernstiegs (21. September bis 4. Oktober) während des Umbaus (5. bis 18. Oktober) und nach der Fertigstellung (19. Oktober bis 1. November) erhoben und miteinander verglichen. Dabei zeigt sich etwa, dass die Fahrzeiten für Ballindamm und Bergstraße in Fahrtrichtung weg vom umgestalteten Jungfernstieg durch den Umbau deutlich abgenommen haben. In Richtung Jungfernstieg dagegen haben sich die benötigten Zeiten in der Regel verlängert – mit Ausnahme weniger einzelner Tageszeiten.

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„Im Vergleich zum Zeitpunkt vor der Sperrung des Jungfernstiegs merkt man, dass sich der Zielverkehr zu den Parkhäusern werktags deutlich auf das Alstertor verschiebt“, so das TomTom-Fazit. „Während vor der Sperrung noch 30,33 Prozent durch das Alstertor gefahren sind, um die Tiefgaragen ‚Contipark-Tiefgarage‘ und ‚Parkhaus Karstadt‘ zu erreichen, sind es danach bereits 44,43 Prozent.“ Auffällig sei, „dass das Parkhaus Alsterhaus, welches sowieso vergleichsweise wenig angefahren wurde, nun noch weniger angefahren wird – alle anderen Parkhäuser sind öfter das Ziel der Pkw-Fahrer.“ Insgesamt sei die Zahl der von TomTom erfassten Fahrten in die vier Parkhäuser gesunken. Am Wochenende sei die Entwicklung ähnlich.

Seit dem 16. Oktober sind Jungfernstieg, Große Bleichen und Neuer Wall für den „motorisierten Individualverkehr“ gesperrt. Taxis und Busse sowie der Lieferverkehr dürfen die Straßen von 21 bis 11 Uhr weiterhin durchfahren.

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