Auf der Uhlenhorst

Alstervilla: Warum ein Abriss die Rettung sein kann

Dirk-Peter Bonk von der Bürgerinitiative Uhlenhorst vor der Villa Fährhausstrasse 14. Das Haus stand sechs Jahre leer. Ein Teil wurde abgerissen.

Dirk-Peter Bonk von der Bürgerinitiative Uhlenhorst vor der Villa Fährhausstrasse 14. Das Haus stand sechs Jahre leer. Ein Teil wurde abgerissen.

Foto: Andreas Laible / Andreas Laible / FUNKE Foto Services

Prächtiges Haus an der Fährhausstraße wird dem Erdboden gleichgemacht – und die Fassade dann wieder aufgebaut.

Hamburg. Mit der hübschen Fassade und dem Springbrunnen im Garten war die Villa an der Fährhausstraße 14 lange ein Schmuckstück. 2014 wurde sie von den Erben verkauft. Seitdem steht das historische, aber nicht denkmalgeschützte Gebäude leer. Jetzt haben Bagger einen Großteil abgebrochen. Nur noch der rückwärtige Teil und ein Rest der Vorderfassade stehen. Ist das das Ende der Alstervilla?

Ein Abriss wäre rechtswidrig. In dem Bereich gilt Städtebauliche Erhaltungsverordnung. Zudem war dem Bezirksamt eine Sanierung angezeigt. Doch der Villa wurde lange übel mitgespielt. Der neue Eigentümer habe es nach dem Kauf 2014 schnell unbewohnbar gemacht, in dem er Heizung und Sanitäranlagen herausgerissen habe, so Nachbar Dirk-Peter Bonk. Außerdem wären in den Jahren darauf im Garten der Springbrunnen entfernt, 20 Eiben gefällt und der gemauerte Zaun abgebrochen und durch einen Bauzaun ersetzt worden. Dann war wieder Stillstand – und Bonk bildete eine Bürgerinitiative. „Wir befürchten, dass ohne Heizung Feuchtigkeit und Schwamm entstehen und den weiteren Verfall der Villa beschleunigen.“

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Fassade wird aussehen wie zu Bauzeit 1895

Die ist aber offenbar noch gut in Schuss. Denn – und das ist eine gute Nachricht für alle, denen die zahlreichen, dem Verfall preisgegebenen Alstervillen am Herzen liegen – das Haus wird nur zum Teil abgerissen. Und dann wieder aufgebaut. Die Fassade soll originalgetreu rekonstruiert werden und wieder dem Anblick aus der Bauzeit um 1895 entsprechen. Das erfuhr das Abendblatt auf Nachfrage vom Bezirksamt und dem Bauleiter des Umbau- und Sanierungsprojekts.

„Das Gebäude wird genauso wieder hergestellt, wie es vorher aussah – nur noch schöner“, sagt Bauplaner Frank Exeler. Im Garten würden neue Bäume zu einer Allee gepflanzt und vor dem Haus auch eine Wasserfläche angelegt. Der Eindruck von der Straße aus, dass ein großer Teil der Villa abgerissen wurde, scheint zu trügen. „Es sind nur zwei Neuntel“, so Exeler. Würde man das quadratische Gebäude in neun gleiche Teile aufteilen, wären es die vorderen beiden, die abgerissen und wieder aufgebaut würden. In Baufeld Sieben soll eine Tiefgarage entstehen, in Baufeld Acht Treppenhaus und Fahrstuhlschacht. Insgesamt, so Exeler, würden in der Villa sechs hochwertige Wohnungen entstehen. Im Juni 2022 solle alles fertig sein.

Sechs Jahre Planung, zwei Bauanträge

Mit Umbau und Sanierung der Villa geht ein fast sechs Jahre langer Planungsprozess zu Ende. Zwei Bauanträge wurden in der Zeit gestellt und wieder verworfen. Aus dem Bezirksamt ist dazu nicht viel zu erfahren. Tom Oelrichs, ehemaliger stellvertretender Bezirksamtsleiter, hatte die Villa einmal als Beispiel dafür erwähnt, dass sich „Gespräche mit den Eigentümern lohnen“. Und die haben sich offenbar nicht nur auf das Gebäude, sondern auch auf die Außengestaltung bezogen. Zumindest sagt Frank Exeler: „Wir haben uns vor dem Bestellen der Bäume eng mit dem Grünamt abgestimmt.“

Nachbar Bonk ist erleichtert über die Planungen nebenan. „Wir haben nichts dagegen, wenn etwas Marodes abgerissen wird“, so der Initiator der Bürgerinitiative. „Uns liegt daran, dass das Milieu hier optisch erhalten bleibt. Und das scheint mit dem Umbau der Nachbarvilla zu gelingen.“ Auch Bernd Kroll, früherer CDU-Abgeordneter in der Bezirksversammlung Hamburg-Nord, begrüßt das Vorhaben. Er moniert seit Langem den teils langen Leerstand und Verfall vieler Alstervillen: „Wenn die Fassade tatsächlich Eins zu Eins wieder hergestellt werden sollte, wäre das ein toller Erfolg für den Kampf um die Villen rund um die Alster und ein Vorbild für andere Grundeigentümer.“