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Corona-Krise: Hamburger feiern – Berlin schließt Kneipen

| Lesedauer: 28 Minuten

Coronavirus: So regelt Hamburg den Kita-Betrieb

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Polizei verhindert Hochzeiten, Behörde kündigt weitere Verbote an. SPD und Grüne verschieben Gespräche. Mehr Infizierte in Hamburg.

Hamburg. Immer mehr Infizierte, immer schärfere Maßnahmen: Die Coronavirus-Pandemie hat Hamburg und die norddeutschen Bundesländer weiterhin im Griff: Auch am Wochenende gibt es zahlreiche Nachrichten zur Entwicklung der Ausbreitung der Lungenkrankheit Covid-19 im Norden, in Deutschland und Europa. Der Kontinent gilt inzwischen als Epizentrum des Virus'. Mit der Schließung von Schulen, Kitas, Hochschulen, Konzerthäusern, Theatern, Museen und Bücherhallen ist das öffentliche Leben in Hamburg wegen der Pandemie stark eingeschränkt.

Lesen Sie hier die aktuellen Entwicklungen im Newsblog:

Trotz Corona: Cornern in der Schanze

Hamburg feiert, Berlin macht die Läden dicht: Ungleiche Bilder im Vergleich zwischen der Hanse- und der Hauptstadt am Sonnabendabend. Während im Internet, vor allem bei Twitter, kritische Kommentare und Bilder von feiernden jungen Leuten beim Cornern im Schanzenviertel kursierten, griff die Berliner Polizei durch.

Die Beamten streiften durch die Bars vor allem in Neukölln und im Wedding und schlossen sie wegen der Coronavirus-Epidemie. In Neukölln sei man von Bar zu Bar gegangen und habe Kellner gebeten, alle Gäste hinauszubitten. Per Twitter bat die Polizei um Verständnis und berichtete, dass es in fast allen Fällen keine Probleme gab.

SPD und Grüne verschieben Koalitionsverhandlungen

Der für Montag geplante Start der Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und Grünen in Hamburg wird wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus' um zwei Wochen verschoben. Das teilten beide Parteien am Sonnabend mit.

Polizei verhindert Hochzeiten wegen Coronavirus

In Amtshilfe für das Gesundheitsamt hat die Polizei am Sonnabend im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Coronavirus-Ausbreitung zwei größere Hochzeiten in zwei Hochzeitssälen in Harburg untersagt. In beiden Fällen waren mehrere Hundert Gäste erwartet worden. Mannschaftswagen der Bereitschaftspolizei fuhren auf. Die Beamten überwachten die Säle, damit keine Gäste hineinkommen.

Ein generelles Verbot von größeren Hochzeitsfeiern gibt es bislang offenbar nicht. „Ich habe mit Betreibern von anderen Hochzeitssälen telefoniert“, sagte ein Betroffener. „Dort wurde mir gesagt, dass die Veranstaltungen stattfinden." Allerdings finden zurzeit viele Hochzeiten vor allem türkischstämmiger Paare statt. Vor dem muslimischen Fastenmonat Ramadan wollen viele noch feiern. Auch hier werden sich die Hamburger Paare wohl gedulden müssen. Die Zahl der Gäste auch von außerhalb ist bei diesen Feiern besonders hoch. Hotels und Gastronomie in Hamburg haben sich auf diese großen Hochzeitsfeiern eingestellt.

Bislang sind die Gesundheitsämter der Bezirke zuständig. „Es finden Einzelfallprüfungen statt“, sagte der Sprecher der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz, Dennis Krämer. Hinter den Kulissen arbeitet die Behörde derzeit an einer Verschärfung der Regeln für Veranstaltungen. Dazu soll eine weitere Allgemeinverfügung erlassen werden. Sie wird vermutlich die Zahl der Teilnehmer an einer Veranstaltung weiter deutlich einschränken. Bislang sind generell nur Veranstaltungen ab 1000 Teilnehmern von einem Verbot betroffen.

Interaktive Karte zum Coronavirus

Coronavirus – 300 Hamburger Obdachlose in Quarantäne

Auch unter Hamburgs Obdachlosen gibt es einen ersten amtlich bestätigten Fall einer Erkrankung mit dem neuartigen Coronavirus. Da die positiv getestete Person sich in der Unterkunft des Winternotprogrammes in Hammerbrook (Friesenstraße) aufgehalten hat, werden dort 300 Obdachlose in den nächsten 14 Tagen rund um die Uhr betreut und häuslich isoliert.

Wie der Sprecher der Hamburger Sozialbehörde, Martin Helfrich, dem Abendblatt sagte, bleibe der zweite Standort des Winternotprogrammes an der Kollaustraße in Lokstedt im regulären Betrieb. Dort ist Platz für 250 Menschen. Zurzeit seien dort rund 100 bis 150 Obdachlose in der Nacht. An der Friesenstraße ist theoretisch genügend Platz für 400 Bewohner. Bislang wurden die Obdachlosen morgens zum Verlassen der Unterkunft aufgefordert. An der Friesenstraße werden sie laut Sozialbehörde mit Lebensmitteln versorgt.

Neuer Service wegen Coronavirus: Lieferando liefert kontaktlos

Nachdem am Donnerstag bereits der Lieferdienst Stadtsalat verkündet hat, wegen des Coronavirus' kein Bargeld mehr anzunehmen, zieht lieferando.de nun nach und reagiert mit einem neuen Service auf die Pandemie. Das Onlineportal, das Bestellungen für viele Restaurants und Lieferdienste abwickelt, bietet jetzt eine kontaktlose Lieferung an – sofern vorab online bezahlt worden ist. "Der Lieferfahrer wird bei dir klingeln und deine Lieferung vor deiner Haustür abstellen", teilte liferando.de Kunden in einer E-Mail mit.

Coronavirus: Fitnessstudios streichen Kurse

Um die Ausbreitung des Coronavirus' zu verlangsamen, haben zahlreiche Fitnessstudios in Hamburg ihre Kursangebote gestrichen und weitere Maßnahmen ergriffen. Zwei Sportanlagen haben vorerst sogar komplett geschlossen.

Uni Hamburg verbietet Prüfungen bis 20. April

Hamburg hat den Beginn des Sommersemesters für alle Hochschulen wegen der Coronavirus-Pandemie auf den 20. April verschoben. Nun werden auch alle bereits geplanten Prüfungen auf die Zeit nach Beginn der Vorlesungszeit verschoben. "Am heutigen Vormittag wurde zwischen der Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung und der Hochschulleitung entschieden, dass ein Verbot für die Durchführung von Prüfungen zunächst bist zum 20. April zu ergehen hat", heißt es in einer internen Mitteilung an Beschäftigte der Universität Hamburg von Uni-Präsident Dieter Lenzen.

Ryanair streicht Flüge von Hamburg nach Polen

Die Reisebranche bekommt die Coronavirus-Pandemie immer deutlicher zu spüren. Mit Polen hat nun ein weiteres europäisches Land die Grenzen für Ausländer geschlossen. In der Folge streicht die Billigairline Ryanair Flüge alle Flüge von und nach Polen. Ab Hamburg Airport fliegt die irische Airline normalerweise nach Krakau und Danzig.

Ruhige Lage nach dänischer Grenzschließung

Dänemark hat angesichts des sich immer weiter ausbreitenden neuartigen Coronavirus am Sonnabend um 12 Uhr die Grenze zu Deutschland geschlossen. Dänische Staatsbürger können weiterhin ins Land einreisen. Ausländer dürfen die Grenze bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr überqueren. Die Maßnahme soll zunächst bis zum 13. April dauern.

Ein Verkehrschaos, das die Polizei infolge der Schließung befürchtet hatte, blieb vorerst aus. Die Situation an der Grenze sei entspannt, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Nach Angaben der schleswig-holsteinischen Polizei ist es zu keinen größeren Staus gekommen.

158 Coronavirus-Infektionen in Hamburg – Behörde kündigt weitere Verbote an

Die Hamburger Gesundheitsbehörde hat am Sonnabend 35 neue Infektionen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 gemeldet. Damit steigt die Zahl der bekannten Fälle in der Hansestadt auf 158. Bei den neu Infizierten bestehe – wie auch in den vergangenen Tagen – "überwiegend ein Zusammenhang mit Reisen aus einem Risikogebiet oder zu Personen, die Kontakt zu bereits bekannten erkrankten Personen hatten", teilte die Behörde mit. Trotz steigender Infektionszahlen und einer zunehmend dynamischen Entwicklung gelte weiter, dass die Fälle bisher abgrenzbar und nachvollziehbar sind.

Die Stadt kündigt aber auch an, die bislang erlassenen Regeln für Veranstaltungen weiter zu verschärfen. Bisher sind Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen wegen der Ausbreitung des Coronavirus' untersagt. In den kommenden Tagen soll es eine neue, strengere Allgemeinverfügung dazu für Hamburg geben. Betroffen sind etwa Messen, der Hamburger Frühlingsdom, Konzerthäuser, Theater, Museen und Demonstrationen.

Diese Regionen und Länder gelten laut RKI als Risikogebiet:

  • Italien
  • Iran
  • In China: Provinz Hubei (inkl. Stadt Wuhan)
  • In Südkorea: Provinz Gyeongsangbuk-do (Nord-Gyeongsang)
  • In Frankreich: Region Grand Est (diese Region enthält Elsass, Lothringen und Champagne-Ardenne)
  • In Österreich: Bundesland Tirol
  • In Spanien: Madrid
  • Deutschland: Landkreis Heinsberg (NRW)

Die Gesundheitsbehörde empfiehlt, dass sich Rückkehrer aus Risikogebieten sowie Skigebieten in Österreich und der Schweiz 14 Tage in eine freiwillige häusliche Isolation begeben. Arbeitnehmer sollen sich vor einer Rückkehr mit ihrem Arbeitgeber in Verbindung setzen und ggf. über die Möglichkeit sprechen, im Homeoffice zu arbeiten – auch, wenn keine Erkrankungssymptome auftreten. Wer Erkältungssymptome spürt, soll sich telefonisch unter 116117 beim Arztruf beraten lassen und sich auf Anraten auf eine Ansteckung mit der Lungenkrankheit Covid-19 testen lassen.

Zahl der Infizierten in Niedersachsen auf 253 gestiegen

In Niedersachsen ist die Zahl der Coronavirus-Infizierten weiter gestiegen. Die Behörden zählen in dem Bundesland Stand Sonnabend um 15 Uhr 23 weitere Fälle und damit 253 nachgewiesene Erkrankungen insgesamt.

Hamsterkäufe – Edeka rationiert Lebensmittel

Immer mehr Hamburger räumen die Supermarktregale leer, um sich um Falle einer Quarantäne selbst versorgen können. Bei Edeka führen die Hamsterkäufe nun zu drastischen Maßnahmen: Viele Märkte rationieren besonders gefragte Lebensmittel wie Nudeln, Dosensuppen, Mehl und Toilettenpapier. Was Niemerszein-Chef Frank Ebrecht über den Ansturm und die Reaktion in den Märkten sagt, lesen Sie hier.

Hamburger Privattheater stellen Spielbetrieb ein

Die Hamburger Privattheater stellen angesichts der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus den Spielbetrieb vorübergehend ein. Vorstellungen in der Komödie Winterhuder Fährhaus sind bis voraussichtlich 14. April abgesagt, wie die Schauspielstätte am Freitag mitteilte.

Damit reagieren die Theater auf die Aufforderung des Senatsbeschlusses vom 13. März. Die Tickets für das Winterhuder Fährhaus behielten ihre Gültigkeit und könnten bis zum Ende des Jahres 2022 eingelöst oder umgetauscht werden. Ausgefallene Termine sollen im Herbst nachgeholt werden.

Die Einstellung des Betriebs stelle für die privaten Bühnen eine finanzielle Herausforderung dar. Sie appellieren an die Behörden, an den staatlichen Rettungsprogrammen teilnehmen zu können.

Tierpark Hagenbeck schließt Tropenaquarium wegen Corona

Der Tierpark Hagenbeck schließt angesichts der Corona-Krise das Tropen-Aquarium. "Wir sehen dies als soziale Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern und Gästen", teilte der Tierpark auf seiner Website mit. "Wenn Sie derzeit einen Besuch im Tropen-Aquarium geplant haben, tut uns das unendlich leid. Wir hätten Sie sehr gerne im Tropen-Aquarium begrüßt, aber leider lässt auch uns der Coronavirus keine andere Wahl als präventive Maßnahmen zu ergreifen." Das Haus ist insbesondere in der kälteren Jahreszeit bei Gästen als Alternative zum Rundgang durch den Tierpark beliebt.

Auch im Tierpark ergreift Hagenbeck weitere Maßnahmen:

  • Es finden keine Schaufütterungen statt
  • Es wird kein Ponyreiten angeboten
  • Die Vereinshütte ist geschlossen (keine Bollerwagen- sowie Obst- und Gemüseausgabe)
  • keine Führungen im Tierpark (einschließlich Kindergeburtstage, Ferienprogramme oder Exklusivführungen)
  • Es soll künftig nicht mehr mit Bargeld sondern nur elektronisch – etwa mit EC-Karte – gezahlt werden

Tortue Hotel schließt Bars und legt neue Einlassregeln fest

Nun zieht die Hamburger Top-Gastronomie Konsequenzen aus dem Coronavirus. Das Tortue Hotel in den Stadthöfen wird nach Abendblatt-Informationen ab sofort die Bars Noir und Bleu schließen. Darüber hinaus sollen die Gäste in den beiden Restaurants des Hauses, JIN GUI und brasserie, gefragt werden, ob sie in Risikogebieten waren. "Sollte dies der Fall sein, müssen wir die Gäste leider wieder verabschieden", teilte Geschäftsführer Marc Ciunis mit. "Hier geht es um die Gesundheit aller Gäste und Mitarbeiter, da müssen auch wir konsequent sein." Zudem würden die Gäste in den Restaurants mit mehr Abstand platziert und nur noch zur Hälfte belegt.

Apple-Store am Jungfernstieg schließt wegen Coronavirus

Die Coronavirus-Pandemie erreicht den Hamburger Einzelhandel. Am Jungfernstieg schließt mit dem Apple-Store das erste Geschäft wegen der Ausbreitung des Virus'. Konzernchef Tim Cook hat am Sonnabendmorgen verkündet, dass alle Ladengeschäfte außerhalb Chinas bis zum 27. März geschlossen bleiben. Man wolle damit dazu beitragen, die Krankheit zu bremsen, erklärte Cook weiter.

Der iPhone-Konzern hat außerhalb Chinas rund 460 hauseigene Geschäfte, in den vergangenen Tagen hatte Apple bereits die Stores in Italien dichtgemacht. Die gut 40 Apple Stores in China sind inzwischen nach zum Teil längeren Schließungen alle wieder geöffnet. Die Coronavirus-Krise hatte in den vergangenen Wochen auch die iPhone-Produktion beeinträchtigt.

Hamburger helfen sich in Coronakrise gegenseitig

Zahlreiche Hamburger haben angesichts der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus ihre Hilfe angeboten. In einigen Geschäften finden sich beispielsweise Aushänge, in denen Menschen Senioren und durch das Virus besonders gefährdeten Mitbürgern Unterstützung beim Einkaufen anbieten. Nachbarschaftshilfegruppen organisieren ebenfalls Hilfsangebote für Betroffene.

Auch in den sozialen Medien signalisieren Menschen ihre Hilfsbereitschaft. Auf Facebook gibt es bereits Corona-Hilfegruppen für Hamburg, in denen sowohl Hilfe angeboten als auch nach Unterstützung gefragt werden kann. Auf Twitter finden sich unter dem Hashtag „Coronahilfe“ Beiträge von Nutzern, die Menschen in ihrem Umkreis bei der Kinderbetreuung, beim Einkaufen oder anderen wichtigen Tätigkeiten helfen möchten.

Corona in Hamburg: 19 Feuerwehrleute in Quarantäne

19 der 3000 Mitarbeiter der Hamburger Feuerwehr befinden sich in häuslicher Quarantäne. Dabei handele es sich, so hieß es, um eine reine Vorsichtsmaßnahme. Die meisten Betroffenen wurden bereits auf das Coronavirus Sars-CoV-2 getestet. Bei allen sei das Ergebnis zwar negativ gewesen, dennoch wolle man auf Nummer sicher gehen.

Die Feuerwehr hat auch weitergehende Maßnahmen getroffen. So gilt für die Einsatzzentrale, die besonders wichtig für die Einsatzbereitschaft ist, ein Betretungsverbot für alle nicht dieser Dienststelle angehörigen Personen.

Für kurze Aufregung sorgte ein Zettel an der Feuerwache 31 am Großmoorbogen in Harburg. Darauf war vor dem Betreten der Wache gewarnt worden. Nach nicht einmal einer Stunde war der Zettel verschwunden. Ein Mitarbeiter, in dessen Familie es Kontakt zu einer Person gab, die wiederum Kontakt zu Menschen aus Österreich hatte, sei Auslöser der Warnung gewesen. Die Situation wurde mit Hilfe des Leitenden Notarztes abgeklärt, der dies als unbegründet einstufte.

Coronavirus – Bordelle treffen Vorsichtsmaßnahmen

Angesichts der Ausbreitung des Coronavirus herrscht auch in Hamburger Bordellen erhöhte Wachsamkeit. Viele Betreiber wollen ihr Geschäft zunächst aber nicht schließen. In einem der größten Etablissements auf der Reeperbahn sei man vorbereitet, sagte der Geschäftsführer am Freitag. Hier würde man extrem auf die Hygiene achten, Türklinken putzen und die Damen darauf hinweisen, noch häufiger die Hände zu waschen.

Der Chef selbst reinigt seine Hände nach dem Geldzählen ebenfalls sorgsam, wie er ausführte. Trotzdem gebe es keinen hundertprozentigen Schutz. Ob und wann der Betreiber das Bordell schließen muss, konnte er deshalb nicht sagen. „Ich weiß gar nicht, wie ich mich verhalten soll. Aber wenn ich heute zumache, gehen die Damen woanders hin. Damit ist auch niemanden geholfen“, sagte er.

Etwas weniger Kundschaft als gewöhnlich verzeichnet nach eigenen Angaben das „Paradise“. Mit 100 Zimmern auf drei Etagen ist es ebenfalls eines der größten Etablissements auf dem Kiez. Aber auch hier ist von einer Schließung zunächst keine Rede. „Wir warten ab, was passiert“, hieß es aus dem Bordell. Vorsichtsmaßnahmen würden in Form von Desinfektionsmitteln und erhöhter Hygiene getroffen.

Corona-Krise: Hamburger Clubs fürchten um ihre Existenz

Viele Hamburger Clubs sehen sich angesichts der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus und wegbrechender Einnahmen in ihrer Existenz bedroht. „Was wir brauchen, ist eine klare Gesetzeslage, eine klare Veranstaltungsverfügung der Hamburger Gesundheitsbehörde, auch für Veranstaltungen mit weniger als 1000 Leuten“, sagte Thore Debor, Geschäftsführer des Club-Verbands „Clubkombinat Hamburg e.V.". Ansonsten müssten Clubs und Kultureinrichtungen Veranstaltungen auf eigene Faust absagen und würden im Klagefall selbst für die Ausfälle haften. Das würde die betriebliche Existenz noch zusätzlich bedrohen.

„Angesichts der konkreten, existenzbedrohenden Probleme sind die Verlautbarungen des Senats noch viel zu unbestimmt“, kritisierte auch Norbert Hackbusch, kulturpolitischer Sprecher der Linken-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft den Senat. Dieser hatte nach einer Sondersitzung am Freitag lediglich dazu aufgefordert, „auch auf alle öffentlichen und privaten nicht notwendigen oder zwingend erforderlichen Veranstaltungen mit einer Zahl von unter 1000 Teilnehmern ab sofort zu verzichten“, allerdings kein Verbot ausgesprochen.

Nach Ansicht des Linken-Politikers brauche es neben einem eindeutigen Verbot auch schnelle und konkrete Maßnahmen für Kulturschaffende - etwa die Einrichtung eines Notfonds für Betroffene, einen sechsmonatigen Mieterlass für städtische Gebäude und Flächen oder die Vergabe von unkomplizierten Krediten für Kulturinvestitionen durch die Hamburger Investition- und Förderbank (IFB).

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Hamburg testet alle Flüchtlinge auf das Coronavirus

Alle neueingereisten Flüchtlinge werden in Hamburg nach Angaben der Innenbehörde auf das Coronavirus getestet. „Bislang wurde kein positives Testergebnis gemeldet“, so ein Sprecher der Behörde. Wer aus einem Risikogebiet nach Definition des Robert-Koch-Instituts komme, werde gesondert untergebracht, bis ein negatives Testergebnis vorliege. In vielen anderen Bundesländern werde ähnlich verfahren. Eine Verteilung der Asylbewerber auf die Länder sei nur möglich, wenn sie ein negatives Testergebnis vorweisen könnten.

Wenn negativ getestete Flüchtlinge aus Risikogebieten in Hamburg bleiben sollen, müssen sie zunächst 14 Tage in Quarantäne verbringen. „Dies entspricht der derzeitigen Regelung, wonach Hamburger, die aus Risikogebieten zurückkehren, in häuslicher Quarantäne bleiben sollen“, erklärte der Sprecher.

Mitte Februar waren in den vier Standorten der Zentralen Erstaufnahme fast 1000 Menschen untergebracht. Im Januar dieses Jahres kamen nach Angaben der Stabsstelle Flüchtlinge 679 Asylbewerber in Hamburg an, 434 verblieben in der Hansestadt, 245 Personen wurden in andere Bundesländer verteilt. Unter den 434 in Hamburg verbliebenen Flüchtlingen waren 65 Afghanen, 53 Iraner und 37 Syrer.

Wegen Grenzschließung in Dänemark Stau erwartet

Dänemark hat am Sonnabend zur Eindämmung des Coronavirus' seine Grenzen um 12 Uhr geschlossen. Dann dürfen nur noch Personen einreisen, die dänische Staatsangehörige sind, nachweislich in Dänemark arbeiten oder im Rahmen der Güterbeförderung nach Dänemark tätig sind. Die Maßnahme gilt zunächst bis zum 13. April 2020.

Wegen der Grenzschließung ist im grenznahen Bereich mit erheblichen Verkehrsbehinderungen zu rechnen. Dies gilt für Straßenübergänge, aber auch im Bereich des Hafens Puttgarden. Die Polizei rät daher davon ab, in die Grenzregion zu reisen oder eine Reise nach Dänemark anzutreten. Der Autobahnverkehr wird im grenznahen Bereich ab- und zurückgeleitet.

Johannes B. Kerner war in zwei Risikogebieten

TV-Moderator Johannes B. Kerner hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Das verkündet der Hamburger via Instagram. Am Sonnabendmorgen meldete er sich erneut und dankt für "die zahlreichen Genesungswünsche. Weil vielfach gefragt wird, warum ich getestet wurde und ob das übertrieben war, hier schnell die Fakten zur Klarstellung. Mein Arzt hatte einen begründeten Verdacht, da ich vor Kurzem sowohl in zwei Risikogebieten war als auch zwei Personen aus dem privaten Umfeld positiv getestet wurden. Der Verdacht des Arztes hat sich leider bestätigt." Nun bleibt der Moderator bis auf Weiteres in häuslicher Quarantäne.

Aida-Kreuzfahrtschiffe legen wie geplant an

Die beiden Aida-Schiffe „Aidamar“ und „Aidaaura“ sind am Sonnabendmorgen in den Hamburger Hafen eingelaufen. Noch vor der planmäßigen Ankunft um 8 Uhr legten sie an den Kreuzfahrt-Terminals in Altona und Steinwerder an, wo die Passagiere von Bord gingen. Busse holten die Fahrgäste an den Terminals ab und brachten sie zu ihren Weiterreisemöglichkeiten. Zur Anzahl der Passagiere konnte ein Sprecher am Freitag keine Angaben machen. Die „Aidamar“ verfügt über eine Kapazität von knapp 2200 Passagieren, bei der „Aidaaura“ sind es 1266.

Die Rostocker Kreuzfahrtreederei Aida Cruises hatte am Freitag mitgeteilt, dass die Fahrten ihrer 14 Schiffe umfassenden Flotte wegen der Ausbreitung des Coronavirus zunächst bis Anfang April eingestellt würden. Demnach sollten alle Schiffe ihre Fahrten an geeigneten Standorten beenden, von denen die Passagiere nach Hause gebracht werden könnten.

Pizza-Dienst bietet kontaktlose Lieferung an

Den neuen Service bietet Domino’s ab sofort deutschlandweit zum Schutz von Kunden und Mitarbeitern aufgrund der wachsenden Ausbreitung des Coronavirus'. Kunden können auf der Website die Option „Kontaktlose Lieferung“ auswählen. Im Bemerkungsfeld zur Lieferung werden saubere Ablageorte (z.B. im Treppenhaus) angeben. Anschließend klingeln die Lieferanten an der Tür und entfernen sich mindestens zwei Meter.

Schleswig-Holstein schließt Clubs, Schwimmbäder, Kinos ...

Wegen des sich immer weiter ausbreitenden Coronavirus will Schleswig-Holsteins Landesregierung das öffentliche Leben noch weiter zurückfahren. Das Kabinett beschloss am Freitag, alle öffentlichen Veranstaltungen ab Sonnabend zu untersagen. Das betrifft Clubs, Diskotheken, Fitness-Studios, Schwimmbäder, Kinos, Theater, Museen und Volkshochschulen. Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sprach von drastischen Maßnahmen. „Solidarität ist das Gebot der Stunde.“ Nötig sei gesellschaftlicher Zusammenhalt. Als Beispiel nannte er Nachbarschaftshilfe.

Die Landesregierung plant auch Zugangsbeschränkungen zu Bibliotheken und auch zu Bars und Restaurants. Beispielsweise könnte die Höchstanzahl an Gästen vorgeschrieben werden, sagte Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP). Dazu liefen aber noch Gespräche. Ziel sei es, „abstandswahrende Zusammenkünfte“ zu erreichen.

Bereits beschlossen hatte die Regierung zuvor, dass von Montag an alle Schulen und Kindergärten in Schleswig-Holstein bis zum Ende der Schulferien am 19. April geschlossen bleiben. Zudem wird im Norden der Lehrbetrieb an den Hochschulen sowie der Betrieb an staatlichen Museen und Opern ausgesetzt. Und die Krankenhäuser sollen planbare Aufnahmen aussetzen oder ab sofort reduzieren, um Kapazitäten für Covid-19-Patienten bereit zu halten.

Bürgermeister: "Quarantäne für Rückkehrer ist Zwang"

Museen und Bücherhallen schließen wegen Coronavirus'

Nachdem Hamburger Bühnen wie Elbphilharmonie, Schauspielhaus und Staatsoper ihren Spielbetrieb infolge der Ausbreitung des Coronavirus' pausiert haben, schließen nun auch ab Sonnabend, 14. März, die Häuser der Hamburger Museumsstiftungen und die öffentlichen Bücherhallen der Stadt. Diese Maßnahme gilt zunächst entsprechend der Verlängerung der Hamburger Schulferien bis zum 29. März, wie der Senat am Freitagabend mitteilte. Betroffen sind folgende Häuser:

  • die Hamburger Kunsthalle
  • das Museum für Kunst und Gewerbe
  • das Museum am Rothenbaum
  • die Häuser der Stiftung Historische Museen Hamburg (Museum für Hamburgische Geschichte, Altonaer Museum, Museum der Arbeit, Jenisch Haus, Hafenmuseum Hamburg und das Speicherstadtmuseum)
  • das Archäologische Museum Hamburg
  • die Bergedorfer Museumslandschaft
  • die Deichtorhallen
  • das Planetarium
  • die KZ-Gedenkstätte Neuengamme

„In der derzeitigen dynamischen Lage ist es richtig, auch in den weiteren Kultureinrichtungen der Stadt wie Museen, Gedenkstätten und Bücherhallen den Betrieb einzustellen. Es gilt weiterhin, dass wir auch im Bereich der Kultur alles tun müssen, um den Gesundheitsschutz der Bürgerinnen und Bürger bestmöglich zu gewährleisten", sagte Kultursenator Carsten Brosda am Freitag. "Die wirtschaftlichen Folgen dieser Entwicklung sind für staatliche und private Kultureinrichtungen sowie für freischaffende Künstlerinnen und Künstler weitreichend. Deshalb arbeiten wir an schneller und unbürokratischer Hilfe, um die aktuelle für Akteurinnen und Akteure der Kulturszene existenzbedrohende Situation abfedern zu können. Wir müssen – auch gemeinsam mit dem Bund – alles dafür tun, um die Kulturlandschaft unserer Stadt in ihrer Vielfalt zu erhalten.“

Elbphilharmonie-Plaza schließt, Fischmarkt abgesagt

Die Elbphilharmonie schließt die Plaza ab Sonnabend, 14. März. Damit muss auch das erste Hamburger Restaurant infolge der Pandemie schließen: das Störtebeker empfängt keine Gäste mehr. Ebenso bleibt das Elbphilharmonie Kulturcafé am Mönckebergbrunnen geschlossen. Die Schließung von Plaza und Restaurant gilt zunächst bis zum 29. März.

Derweil wurde der Hamburger Fischmarkt zum ersten Mal in 300 Jahren Marktgeschichte abgesagt. Ab sofort müssen Touristen und Hamburger sonntagmorgens auf den Fischmarkt an der Elbe verzichten, wie das Bezirksamt Altona am Freitag mitteilte. Der Markt soll zunächst bis Ende April geschlossen bleiben.

So reagiert der HVV auf die Coronavirus-Pandemie

Angesichts der Ausbreitung des Coronavirus trifft nun auch der HVV erste Maßnahmen, um die Ansteckungsgefahr in öffentlichen Verkehrsmitteln einzudämmen. Ab Sonnabend, 14. März:

  • bleiben die vorderen Türen der Busse geschlossen,
  • läuft der Fahrkartenverkauf ausschließlich über Automaten, Onlineshop und App
  • öffnen viele Schnellbahn- und Bustüren (wo es technisch möglich ist) automatisch, damit Fahrgäste Türknöpfe bzw. Hebel nicht mehr bedienen müssen.

Der HVV betont, dass das Coronavirus zwar primär über Tröpfcheninfektion übertragen wird und die Schmierinfektion eine mögliche, aber nachgeordnete Rolle spielt. "Da unsere Fahrerinnen und Fahrer jedoch entscheidend dafür sind, den öffentlichen Nahverkehr so lange wie möglich aufrecht zu erhalten und potenziell im direkten Kontakt mit jedem einsteigenden Fahrgast stehen, sollen sie durch die Maßnahme besonders geschützt werden."

Diese Ausnahmen gelten im Hamburger Kita-Betrieb

Coronavirus in Hamburg: Schulen und Kitas geschlossen

Schulen und Kindergärten bleiben nach dem Ende der Schulferien ab Montag zunächst weiter geschlossen, um die Ausbreitung des Coronavirus' in Hamburg einzudämmen. Der Vorlesungsbeginn des Sommersemesters an den Hamburger Hochschulen wird zunächst auf den 20. April verschoben.

Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD), Schulsenator Ties Rabe (SPD), Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD), Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) und Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) informierten am Freitagnachmittag über die einzelnen Maßnahmen für das öffentliche Leben in Hamburg – hier geht es zur Auflistung.

Alle evangelischen Gottesdienste im Norden abgesagt

Alle Gottesdienste in Norddeutschland werden für das kommende Wochenende abgesagt. Darauf haben sich die Nordkirche und das katholische Erzbistum Hamburg verständigt. Die Absage betrifft die Bundesländer Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Der Grund dafür sind vorbeugende Maßnahmen im Blick auf das Coronavirus. Der Kreis Rendsburg-Eckernförde hat zudem bis vorerst 19. April alle Gottesdienste untersagt.

Coronavirus: Das müssen Sie über die Fachbegriffe wissen

  • Coronavirus: Eine Klasse von Viren, zu denen der neuartige Erreger gehört
  • SARS-CoV-2: Die genaue Bezeichnung des Virus, das sich von China aus verbreitet
  • Covid-19: Die Erkrankung, die das Virus auslöst

Lesen Sie hier den Newsblog vom Freitag

( ras/zv/ug/ryb/dpa )

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