Hamburg

Sozialsenatorin stellt „Engagementstrategie 2020“ vor

Sozialsenatorin Melanie Leonhard

Sozialsenatorin Melanie Leonhard

Foto: Marcelo Hernandez

Ehrenamtliche Arbeit soll gestärkt werden. Im Museum für Hamburgische Geschichte entsteht ein „Haus des Engagements“.

Hamburg.  Mit etwa einer halben Million Freiwilligen ist Hamburg seit jeher eine Stadt mit großem bürgerschaftlichem Engagement. Als erstes Bundesland legte es 2014 eine eigene Engagementstrategie vor. Künftig soll das Ehrenamt noch mehr gestärkt werden: Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) stellte am Sonnabend die Fortschreibung der „Engagementsstrategie 2020“ vor. Die Veranstaltung mit geladenen Gästen aus dem Ehrenamtlichen-Bereich fand im Museum für Hamburgische Geschichte statt. Dort sollen künftig ungenutzte Hörsäle und Gruppenarbeitsräume als „Haus des Engagements“ Freiwilligen eine Anlaufstelle bieten. Leonhard und Verwaltungsdirektorin Bettina Kiehn unterzeichneten dazu eine Absichtserklärung, den sogenannten Letter of Intend.

Um die vielen Freiwilligen inklusiv, bedarfsgerecht und zukunftsorientiert zu unterstützen, wolle die Stadt allen Interessierten einen möglichst einfachen Zugang zu einem passgenauen freiwilligen Engagement ermöglichen und gute Rahmenbedingungen für die Ausübung ihres Engagements bereitstellen, heißt es aus der Sozialbehörde. „Dafür nehmen wir Geld in die Hand, schaffen Räume direkt vor Ort, stärken bestehende Strukturen und sorgen dafür, dass Ehrenamtliche fit sind für die Aufgaben, die sie übernehmen und genau die Unterstützung bekommen, die sie brauchen“, erläuterte die Senatorin.

Zahl der Freiwilligenagenturen erhöhen

Insgesamt sollen acht Maßnahmen der Ehrenamtsstrategie ausgebaut werden: Um das Engagement im Sozialraum zu stärken, soll sich die Förderung des freiwilligen Engagements in Zukunft noch stärker an den Bedarfen und Gegebenheiten vor Ort orientieren. Dazu sollen die Fördermöglichkeiten der Bezirksämter erweitert und die Zahl der Freiwilligenagenturen in den Bezirken von fünf auf sieben erhöht werden. Ihnen soll es künftig auch möglich sein, Termine in Schulen oder Unternehmen wahrzunehmen. Für eine verbesserte Qualifizierung und Supervision sollen an der Freiwilligenakademie zusätzliche Fortbildungs- und Beratungsangebote geschaffen werden – insbesondere für die Themenbereiche Digitalisierung, Finanzen und gelingende Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamt.

Eine dritte Maßnahme sieht vor, die Chancen der Digitalisierung besser zu nutzen. Geplant ist eine Art digitale Geschäftsstelle für kleine Vereine, außerdem ein zentrales Engagementportal. Um Austausch und Vernetzung zu fördern, sollen neue Orte der Begegnung geschaffen werden; um die Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamt zu verbessern, sind neue Beratungsangebote geplant, die insbesondere kleine und mittlere Initiativen in der Professionalisierung ihrer Freiwilligenkoordination unterstützen.

Wertschätzung durch steuerliche Vorteile

Durch steuerliche Vorteile solle die Wertschätzung für Engagierte sichtbar gemacht werden, so Leonhard. Zudem sollten inklusive Projekte unterstützt werden – sowohl für Menschen mit Behinderungen, die sich engagieren wollen, als auch für die, die sich für Menschen mit Handicap oder Menschen mit Migrationshintergrund einsetzen möchten. Auch die Wirtschaft solle stärker eingebunden werden. „Damit Beruf und ehrenamtliches Engagement besser vereinbart werden können, holen wir uns Expertise aus anderen Städten ein“, so die Sozialsenatorin.

Die fortgeschriebene und vom Senat beschlossene „Engagementstrategie 2020“ basiert laut Sozialbehörde auf einem umfangreichen und transparenten Beteiligungsverfahren, in das über 2000 Hamburgerinnen und Hamburger in Workshops oder Onlinebefragungen ihre Ideen und Vorschläge einbrachten. Gleichzeitig wären neuste Entwicklungen in der Engagementlandschaft. aktuelle fachpolitische Diskussionen sowie konkrete Erfahrungen, die während der Umsetzung der letzten Strategie gemacht wurden, berücksichtig worden.

Die CDU kritisiert die neue Engagementstrategie dennoch als „lose Ideensammlung“, mit der der Senat Ehrenamtliche abspeise. Zwar wären viele Forderungen der CDU aufgegriffen worden, so der Abgeordnete Richard Seelmaecker, doch es gebe keinen Zeitplan für die Umsetzung. „Wir fordern den Senat auf, zügig und noch in dieser Legislaturperiode einen Zeitplan nachzureichen.“ Als wichtige Stütze der Gesellschaft verdiene das Ehrenamt konkrete Taten.