Katholische Kirche

Erzbistum will Kirchen verkaufen – wie es nun weitergeht

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Hamburgs Erzbischof Stefan Heße im Mariendom.

Hamburgs Erzbischof Stefan Heße im Mariendom.

Foto: Marcelo Hernandez

Das überschuldete Erzbistum Hamburg will Immobilien veräußern. Für bestimmte Bereiche gibt es aber eine Bestandsgarantie.

Hamburg. Unter dem Druck knapper Finanzen will die katholische Kirche im Norden einen Teil ihrer Immobilien verkaufen – Kirchen, aber auch Pastorate und Verwaltungsgebäude. Das ist Teil eines Erneuerungsprozesses, mit dem die Kirche fit für die Zukunft werden will.

Die rund 400.000 Gläubigen im Erzbistum Hamburg werden sich demnach auf große Veränderungen einstellen müssen. „Wir wissen, dass die hohen Unterhaltungskosten für Immobilien die Pfarreien dazu zwingen werden, viele Standorte aufzugeben“, sagte Erzbischof Stefan Heße in Hamburg. „Das ist oftmals schmerzhaft, aber schärft auch den Blick dafür, wo es wirklich Gebäude braucht, um den Kern der christlichen Botschaft in Wort und Tat zu verkünden.“

Erzbistum Hamburg – Projektphase ist abgeschlossen

Mit dem Erneuerungsprozess soll ab sofort begonnen werden. „Die Projektphase ist abgeschlossen. Die Umsetzungsphase beginnt“, sagte Heße.

Es sei jetzt schon absehbar, dass in der Diözese und in den Pfarreien zukünftig deutlich weniger Gebäude zur Verfügung stünden. Heße weiter: „Wir dürfen aber nicht vergessen: Die Qualität unserer Arbeit und die Glaubwürdigkeit von uns als Christen hängt nicht an unseren Gebäuden. Das A und O sind die lebendigen Steine.“

Bestandsgarantie für die Kindergärten

Das Erzbistum wolle finanzielle Anreize für die Pfarreien setzen, sich von Immobilien zu trennen. Ein eigenes Kirchengebäude sei keine grundlegende Bedingung für das Gebet und den Gottesdienst. „Wo wir Kirchen haben, sollten sie möglichst oft geöffnet sein und zum Verweilen einladen“, erklärte der Erzbischof.

Die Seelsorge bleibe das Rückgrat der pastoralen Arbeit, doch werde sie angesichts weniger hauptamtlicher Seelsorger künftig stärker vom Ehrenamt geprägt sein. „Für die Hauptamtlichen bedeutet das: Sie werden besonders in der Begleitung und Betreuung dieser Ehrenamtlichen gebraucht“, sagte Heße. Es werde nicht mehr alle Bereiche der Seelsorge „in gewohntem Umfang“ geben können.

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Trotz der knappen Kasse des Erzbistums gibt es auch Bereiche, die nicht angetastet werden sollen, wie die Zuwendungen zur Caritas. Auch für alle katholischen Kitas gab Heße eine Bestandsgarantie. Sie seien eine starke Brücke in die Gesellschaft.

Schließung von acht Schulen in Hamburg

Heße ging auch noch einmal auf die konfliktreiche Schließung von Schulen in Hamburg ein. Die katholische Kirche wollte acht ihrer 21 Schulen in Hamburg schließen; nach Protesten der Eltern konnten zwei davon erhalten bleiben. Dazu sammelten sie 7,5 Millionen Euro Spenden, ein bislang einmaliger Vorgang im Erzbistum.

„Das zeigt, dass viele Menschen bereit sind, sich in hohem Maße dann für ihre katholische Kirche zu engagieren, wenn diese gut arbeitende Einrichtungen finanziell nicht mehr alleine tragen kann“, sagte Heße. Das Erzbistum will seine Arbeit an den staatlichen Schulen künftig verstärken. Heße: „Beim Engagement des Erzbistums im Bereich Schule wird sich der Blick zukünftig noch stärker auf das Wirken an all den anderen Schulen richten, zum Beispiel durch die Förderung von Schulseelsorge und Religionsunterricht.“

Kirche will sich im Umweltschutz engagieren

Auch im Umweltschutz will sich die Kirche in Zukunft stärker engagieren. Die sensiblen Ökosysteme würden durch CO2-Emissionen, Plastikproduktion und Oberflächenversiegelungen aus ihrem Gleichgewicht gebracht, so Heße.

„Die Folgen werden auch in unserem Bistum, dem im Übrigen tiefstgelegenen aller deutschen Diözesen, zu spüren sein: sei es durch den Meeresspiegelanstieg oder durch Wetterereignisse wie Dürre und Starkregen. Unsere Lebensgrundlagen werden hier massiv infrage gestellt.“ Eine Wende könne nur gelingen, wenn wir „unsere Art des Lebens und Wirtschaftens ändern“. Nicht das materielle Wachstum sei entscheidend, sondern ein Wachstum an Gemeinschaft, Barmherzigkeit mit den Armen und so „ein Wachstum in der Liebe Gottes“.

Das Erzbistum werde deshalb konkrete Maßnahmen entwickeln, um ressourcenschonender zu leben. „Diese dürfen aber keine Feigenblätter sein, die nur symbolhaft wirken, sondern sie müssen aus einer Grundhaltung erwachsen, die die Bewahrung der Schöpfung zu einem Kernanliegen macht. Umweltpapier oder Ökostrom sind dabei gute erste Schritte, aber gewiss nicht alles.“

Grundlegender Erneuerungsprozess

Der Erzbischof stellte im Mariendom vor rund 300 Gläubigen die Ergebnisse der Projektphase des vor drei Jahren eingeläuteten Erneuerungsprozesses vor. Das Erzbistum ist mit knapp 80 Millionen Euro überschuldet. Diese Summe könnte bis 2021 auf bis zu 350 Millionen Euro anwachsen, falls nicht umgesteuert wird. Zudem ist mit sinkenden Einnahmen aus der Kirchensteuer zu rechnen. Das Erzbistum Hamburg besteht aus den Bundesländern Hamburg und Schleswig-Holstein sowie Mecklenburg (ohne Vorpommern).

Mit einer Fläche von mehr als 32.500 Quadratkilometern ist es flächenmäßig das größte Bistum in Deutschland, mit knapp 400.000 Katholiken jedoch gleichzeitig eines mit sehr wenigen Gläubigen. mit dpa

( pop/dpa )

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