Hamburg

Lotsenschoner "No. 5 Elbe" fährt huckepack nach Dänemark

Blick aus dem Kran, der für die Verladung des Lotsenschoners sorgte.

Blick aus dem Kran, der für die Verladung des Lotsenschoners sorgte.

Foto: Sebastian Becht

Zwei Schwimmkräne waren nötig, um das gesunkene Museumsschiff auf die „Rix Spring“ zu hieven. Was in Dänemark geplant ist.

Hamburg. Langsam, Zentimeter für Zentimeter, hebt sich der Rumpf des Lotsenschoners „No. 5 Elbe“ aus dem Wasser. In der Waagerechten gehalten wird das 136 Jahre alte Holzschiff von vier mächtigen Gurten, die ihrerseits von zwei Schwimmkränen der HHLA angehoben werden. Immer höher geht es mit dem Schiff, bis die Last durch die Luft und zur Seite gewuchtet wird. Ein extremer Kurzflug, so kann man es wohl nennen. Und für ein Schiff eine ungewöhnliche Art, sich fortzubewegen. Genau so wie die Weiterfahrt der „No. 5 Elbe“ eher unkonventionell vonstatten gehen wird: quasi huckepack, auf einem anderen Schiff.

Es ist 10 Uhr morgens am Dienstag, als der Lotsenschoner „No. 5 Elbe“ zum Hachmannkai geschleppt wird und südlich vom Tollerort Containerterminal seitlich des Küstenmotorschiffs „Rix Spring“ festmacht. Die „Rix Spring“ wiederum liegt an der Außenkante der Schwimmkräne, die üblicherweise zum Beispiel Schiffsschrauben, Transformatoren, Generatoren und Gleisbaumaschinen heben. „Alles, was groß und schwer ist“, erklärt Stephan Fröhlich, Leiter der Schwimmkranabteilung der HHLA.

Huckepack nach Dänemark

An diesem Tag ist die Last der Schwimmkräne HHLA III und HHLA IV, die jeweils 100 beziehungsweise 200 Tonnen in die Luft wuchten können, mit dem 25 Meter langen, sechs Meter breiten und knapp 80 Tonnen schweren Lotsenschoner eher ungewöhnlich. Auf der„Rix Spring“ soll die „No. 5 Elbe“ nach Dänemark gebracht werden.

Notwendig wurde der Transport der „No. 5 Elbe“ nach einer Kollision des Lotsenschoners mit einem Containerschiff auf der Elbe in Höhe Stadersand am 8. Juni. Der Schiffsführer hatte den historischen Lotsenschoner noch bis an das Ufer der Schwinge, einen Nebenfluss der Elbe, manövrieren können. Dort war die „No. 5“ dann gesunken und musste später gehoben werden. Ein spanisches Bergungsunternehmen hatte den auf der Seite im Schlick liegenden Holzrumpf mit Hilfe von Hebeböcken und starken Pumpen aufgerichtet und zum Schwimmen gebracht.

Erste Reparaturen auf der Peters Werft

Dann wurde das Schiff zur Peters Werft in Wewelsfleth transportiert, wo es leergeräumt und vom eingedrungenen Schlick gereinigt und die Schadstelle fachgerecht abgedichtet wurde. Schließlich konnte die No. 5 Elbe am Dienstag auf eigenem Kiel zurück nach Hamburg geschleppt werden.

Die eigentlichen fachmännischen Reparaturarbeiten an dem historischen Holzschiff könnten allerdings „nur von Spezialisten vorgenommen werden“, erläutert Stefan Behn, Vorstandsmitglied der Stiftung Hamburg Maritim, der Eigentümerin der „No. 5 Elbe“. So wurde die Werft Hvide Sande Shipyard an der Westküste Jütlands mit der Reparatur des hölzernen Rumpfs beauftragt. Die dänische Werft sei „die einzige in Nordeuropa, die so große Holzschiffe bearbeiten“ könne, sagte Behn. Aufmerksam verfolgten Behn und sein Kollegen vom Vorstand, Joachim Fischer, das Verladen der „No. 5 Elbe“ auf die 82 Meter lange und 11,35 Meter breite „Rix Spring“.

Feinarbeit bei der Verladung

Das Manövrieren des Schwimmkrans ist stets Feinarbeit, bei Heben eines historischen Holzschiffs umso mehr. An diesem Tag sitzt der Leiter der Schwimmkranabteilung, Stephan Fröhlich, selber in der Kranführerkabine des HHLA III, bewegt mit Fingerspitzengefühl die Räder, die unter anderem die Höhe und die Seitenbewegung des mächtigen Krans steuern, und stimmt sich immer wieder mit seinem Kollegen Matthias Wulf in HHLA IV ab. Von Bord der „Rix Spring“ überwachen zwei Kollegen der HHLA den sensiblen Transport. Ganz langsam heben die Kräne die „No. 5 Elbe“ an, es wird ständig nachjustiert und kontrolliert, welcher der beiden Kräne wieviel Last hebt, um den historischen Lotsenschoner im Gleichgewicht zu halten. Dann senken die Kräne, wieder im Zeitlupentempo, ihre Last ab, bis das Schiff sicher im Laderaum der „Rix Spring“ aufkommt und dort sorgfältig fixiert werden kann, damit es auf dem Weg nach Hvide Sande keinen Schaden nimmt.

Nach Ankunft des Lotsenschoners dort erfolgt das Schlippen und die Vorbereitung auf den Werftaufenthalt. Dazu wird der Lotsenschoner in eine Schiffsbauhalle verbracht, um mit der Schadensaufnahme zu beginnen. Die Wiederinstandsetzung stelle, aufgrund der zum Teil erhaltenen Originalsubstanz, „besonders hohe Ansprüche an die Werft“, heißt es vonseiten der Stiftung Hamburg Maritim, die seit 2002 Eigentümerin des Lotsenschoners ist. Die Reparatur solle vorgenommen werden, „ohne die geschichtliche Substanz der Inneneinrichtung zu beeinträchtigen“.

Reibungsloser Ablauf

Der Hebevorgang der „No. 5 Elbe“ in den Laderaum der „Rix Spring“ sei „klasse gelaufen“, freute sich Vorstandsmitglied Behn zum Abschluss der etwa 90minütigen Prozedur. „Jetzt noch Lukendeckel zu und dann ab nach Hvide Sande.“ Die Fahrt dorthin werde etwa 24 bis 30 Stunden dauern. Wie lange die Reparatur in Anspruch nehmen werde, sei noch nicht abzusehen. „Aber ich gehe davon aus, dass unser Lotsenschoner dort über den Winter bleiben wird.“ Am Nachmittag um 15 Uhr legte die „Rix Spring“ mit Kurs auf Dänemark ab. Alles im Zeitplan.